Als in Bredeney noch Mautgebühren fällig waren

An der Gaststätte von Heinrich Rulhof befand sich der Schlagbaum. Dort wurde die Gebühr für die Nutzung der Straße eingetrieben.
An der Gaststätte von Heinrich Rulhof befand sich der Schlagbaum. Dort wurde die Gebühr für die Nutzung der Straße eingetrieben.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
An der Gaststätte von Heinrich Rulhof mussten Gebühren für die Nutzung der Straße gezahlt werden. Das Gebäude wird bald abgerissen.

Essen-Bredeney..  Zum Jahreswechsel soll der Abriss des Häuserblocks an der Bredeneyer Straße, in dem sich der Kaiser’s-Supermarkt befindet, beginnen. Dort entsteht ein Neubau mit größeren Geschäftsräumen und rund 45 Mietwohnungen. Damit verschwindet ein geschichtsträchtiges Ensemble, auch wenn es teils nach dem Zweiten Weltkrieg wieder neu aufgebaut wurde.

Der Haarzopf Hobbyhistoriker Herbert Schmitz hat sich in seinem Buch „Höfe, Kotten und ihre Bewohner“ (Band II und Nachlese) auch mit diesem Häuserblock beschäftigt. Dass es dort, wo sich heute der Supermarkt befindet, ein Kino gab, daran erinnern sich noch viele Bürger. An die dortige Mautstelle für den gebührenpflichtigen „Communalweg“ wird sich niemand mehr persönlich erinnern.

Schmitz zeigt in seinem Buch eine Postkarte aus dem Jahr 1907, auf dem das Eckhaus an der Bredeneyer Straße zu sehen ist, wo sich zuletzt die Pizzeria Caravella befand. Dort gab es die Gast- und Schenkwirtschaft Rulhof, die zeitweise „Zur Sängerhalle“ genannt wurde, wie der Hobbyhistoriker herausgefunden hat. „Bis um die Jahrhundertwende war Heinrich Rulhof einer der beiden ,königlichen Wegegeldempfänger’ des mautpflichtigen ,Communalweges’, der sogenannten Kettwiger Chaussee (heutige Meisenburgstraße), die an der ,Wellmuth’ vor Kettwig begann und hier endete“, schreibt Schmitz in seinem Buch.

Die Gastwirtschaft im Zentrum Bredeneys wird auf der Postkarte angepriesen. Laut Kartentext muss sie über schöne, luftige Logierzimmer, einen großen Saal, eine Stallung für zehn Pferde, sowie über eine gute Küche und einen ebensolchen Weinkeller verfügt haben. Aus dem Saal wurde später das Kino, aus dem Gastraum die Pizzeria.

Das Straßennetz war laut Schmitz im 19. Jahrhundert sehr schlecht. Oft fehlte die Straßendecke, so dass Fuhrwerke bei Regenwetter im Morast versanken. Zudem waren die Straßen schmal. 1815 hatte man eine feste Straße von Kettwig bis zur Meisenburg ausgebaut, wobei die örtlichen Bauern mithelfen mussten.

Bis Bredeney wurde die Straße 1823 als „Communalweg“ ausgebaut. Kettwig war am Ausbau der Straße nach Essen sehr interessiert, auch weil dort viele Kettwiger arbeiteten. Man fühlte sich offenbar von Essen abgekoppelt. Der Ausbau der Straße, die später zunächst Kettwiger Chaussee hieß, wurde laut Herbert Schmitz zum Streitpunkt zwischen Kettwig und dem preußischen Staat. Dabei ging es in erster Linie um die Kosten für Ausbau und Unterhalt der Straße. „Die Kettwiger forderten vehement den Ausbau der Straße, weil ihnen Transportwege für ihre produzierten Güter fehlten“, so Schmitz. Zudem hätten durch den Straßenbau dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Die Bemühungen der Kettwiger scheiterten jedoch. Der preußische Staat weigerte sich, eine Staatsstraße zu bauen. Er erklärte sich lediglich bereit, für eine Gemeinde-Chaussee eine einmalige Zahlung von gut 5700 Talern zu leisten. Das Zugeständnis: Zum Unterhalt der 1852 fertiggestellten Straße durften die Bauherren Chaussee-Geld erheben. Das wurde an zwei Stellen kassiert, eben auch an der Wirtschaft von Heinrich Rulhof an der Bredeneyer Straße. Laut Heimatforscher Herbert Schmitz sollen die Schlagbäume dort bis etwa 1901 bestanden haben.