Ärzte-Team sucht Verstärkung für Hilfseinsatz

Reisen im Sommer nach Nordindien: (v.l.) Sarit Schlosser, Anne Penteker, Reinhard Klages und Silke Metzenauer.
Reisen im Sommer nach Nordindien: (v.l.) Sarit Schlosser, Anne Penteker, Reinhard Klages und Silke Metzenauer.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Holsterhauser Geschäftsfrau Anne Penteker engagiert sich seit Jahren für Menschen im Himalaya. Im Sommer reist sie mit Zahnärzten nach Indien.

Essen-Holsterhausen/Horst/Frohnhausen..  Wenn die Holsterhauser Geschäftsfrau Anne Penteker, die seit rund einem Vierteljahrhundert einen Dessous-Laden auf der Gemarkenstraße betreibt, von ihren jährlichen Reisen in die nordindische Provinz Ladakh berichtet, steht ihr die Begeisterung förmlich ins Gesicht geschrieben. Dabei handelt es sich bei den Aufenthalten auf über 3500 Meter Höhe im Himalaya keineswegs um Erholungsurlaube. Anne Penteker besucht dort jedes Jahr buddhistische Mönche, fährt mit Ärzten unterschiedlicher Fachrichtung dorthin, um den Menschen vor Ort zu helfen. „Für viele Leute in Ladakh und Umgebung ist medizinische Hilfe weder erreichbar noch bezahlbar“, weiß die 68-Jährige aus Erfahrung.

Hilfe kann man dort gar nicht genug leisten, ist Anne Penteker überzeugt. Sie versucht deshalb, möglichst viele Ärzte aus Essen und Umgebung von der Idee zu begeistern, für einige Wochen ehrenamtlich in Nordindien zu arbeiten. Und das gelingt der Geschäftsfrau erstaunlich gut. Im letzten Sommer war der Zahnarzt Dr. Reinhard Klages aus Steele-Horst dabei, der schon seit fast 20 Jahren einen Teil seines Urlaubs opfert, um Menschen in aller Welt zu helfen. 2015 werden die Zahnärztinnen Dr. Silke Metzenauer aus Mülheim-Heißen und Dr. Sarit Schlosser aus Frohnhausen mitfahren.

„Gerade Zahnärzte sind in Ladakh sehr gefragt. Dort gehört Zähneputzen nicht wie bei uns zur Kultur, obwohl auch dort die Menschen immer mehr Süßigkeiten und Limonade konsumieren, was die Zähne schädigt“, so Anne Penteker, die nicht nur auf eigene Kosten nach Ladakh fliegt, sondern jeweils weit über 1000 Zahnbürsten und Zahnpasta im Gepäck hat. „Es wäre toll, wenn noch mehr Ärzte, auch anderer Fachrichtungen, mitmachen würden, um den Leuten zu helfen. Der Bedarf ist riesig, die Leute kommen von weither, um sich behandeln zu lassen, warten geduldig viele Stunden, bis sie an der Reihe sind.“

Für Sarit Schlosser, die zufällig einen Flyer zum Medical Care Camp in die Hände bekam, ist die Fahrt nach Ladakh eine echte Herausforderung. „Die Höhe, die Arbeitsbedingungen — das wird schon spannend, aber ich wollte immer mal in den Himalaya“, sieht sie dem kommenden Sommer durchaus mit Vorfreude entgegen.

Eine spezielle Vorbereitung auf die Arbeit in großer Höhe werden Sarit Schlosser und ihre Kollegin Silke Metzenauer nicht betreiben. „Das nützt nicht viel“, weiß Reinhard Klages von seinen zahlreichen Auslandseinsätzen. Sarit Schlosser wird von ihrem 14-jährigen Sohn Aaron begleitet, der Anne Penteker beim Verteilen der Zahnbürsten und organisatorischen Aufgaben helfen soll. Schlosser sieht das Projekt auch als eine Art Bildungsurlaub für ihren Sohn. Der Einsatz für Menschen, die wenig besitzen, habe sicherlich auch auf die Persönlichkeitsentwicklung einen positiven Effekt.

Die Region Indien/Tibet interessiert auch Schlossers Freundin und Berufskollegin Silke Metzenauer, so dass schnell Verstärkung für die Reise vom 15. Juli bis Anfang August 2015 gefunden war. Silke Metzenauer hat in der Vergangenheit bereits Kinder in Israel behandelt, die nicht versichert waren. In Indien war sie noch nie. „Es wäre schön, wenn wir weitere Ärzte, vor allem Gynäkologinnen – die Frauen dort sind sehr schamhaft –, aber auch Orthopäden und Hautärzte für solche Einsätze gewinnen könnten“, hofft Anne Penteker auf den berühmten Schneeball-Effekt.

Behandelt werden die Patienten in Ladakh in einem leerstehenden Krankenhaus. „Da ist viel Platz für weitere Ärzte“, sagt Anne Penteker. Für Unterkunft und Verpflegung der Gäste sorgen die Mönche, für Flug und Ausrüstung kommen die Mediziner selbst auf.

„Dort wird übers Radio und mit Flyern verbreitet, dass das Ärzte-Team da ist“, so Penteker. Sie hofft, dass dann möglichst keine für die Menschen wichtigen Ereignisse anstehen, so dass sie keine Zeit für den Arztbesuch haben. Die Patienten, bei denen die Zahnärzte in erster Linie Zähne ziehen und Füllungen machen werden, nehmen oft eine mehrtägige Anreise per Bus in Kauf, um endlich von ihren Schmerzen befreit zu werden.

Natürlich sind die Arbeitsbedingungen in Ladakh nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Dass der Strom ausfallen könnte oder Geräte kaputt gehen, die nicht sofort zu ersetzen sind, damit rechnen die beiden Zahnärztinnen Sarit Schlosser und Silke Metzenauer. „Dann müssen wir halt improvisieren.“