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140 Oldtimer rollen bei der neunten „Tour de Rü“ durch Essen

29.04.2012 | 16:19 Uhr
Die alten Schätzchen wurden bei der Einfahrt auf der Rüttenscheider Straße von vielen Fans begrüßt. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Große Anforderungen an Fahrer und Oldtimer stellte die anspruchsvolle Strecke der neunten „Tour de Rü“ der interessengemeinschaft Rüttenscheid. Die 140 Oldtimer mussten eine bergige, kurvenreiche Ausfahrt bewältigen und wurden am Ende von zahlreichen Fans an der Rüttenscheider Straße begrüßt.

Die Diva aus Blech und Chrom muss ins Sauerstoffzelt, um wieder zu Atem zu kommen. Und so schieben Jasmin und Mike Frühof ihren Excalibur Roadster von 1965 unbeirrt über den roten Teppich ins Ziel, um ihm anschließend bei geöffneter Motorhaube Luft zuzufächeln. „Eigentlich schnurrt er noch wie ein Kätzchen, ist die Berge ‘rauf, die andere erst gar nicht in Angriff genommen haben“, lässt Jasmin Frühof nichts auf ihr „altes Schätzchen“ kommen. „Aber jetzt ist er durch das lange Stehen heiß gelaufen“, sagt sie und gerät beim Kühlen des Gefährts selbst ins Schwitzen. Aber Spaß habe sie gemacht, ihre erste „Tour de Rü“. . .

Und wieder einmal ist sie geschafft, die „Tour de Rü“, die Oldtimer-Ausfahrt, die die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) in diesem Jahr zum neunten Mal organisierte. Pünktlich um 9 Uhr zum Start am Stadtgarten verzogen sich die Wolken und bescherten den Teilnehmern eine sonnig-warme Frühlingsausfahrt über 230 Kilometer ins Bergische Land - von der Fahrer und Fahrzeuge wie verwandelt zurückkamen. Erstgenannte je nach Veranlagung braun gebrannt oder leicht gerötet, Letztere ziemlich dreckig.

„Die ,Tour de Rü’ ist keine Kaffeefahrt, sondern stellt hohe Ansprüche an Teams und Autos“

Routenplaner Claudio Schlegtendal, der die landschaftlich reizvolle Tour in monatelanger Arbeit mit nächtlichen Probefahrten austüftelte, hatte ja bereits gewarnt: „Die ,Tour de Rü’ ist keine Kaffeefahrt, sondern stellt hohe Ansprüche an Teams und Autos.“

Oldtimer-Parade

Wer das belächelt hatte, musste sich unterwegs eines Besseren belehren lassen. Die Feld- und Waldwege waren durch die lange Regenperiode noch recht matschig. Da half es nur bedingt, dass die Besitzer von Schloss Ehreshoven in Engelskirchen, wo die Mittagsrast stattfand, noch kurzfristig und eigens für die Tour Wege mit Sand, Kies und Schotter in Stand setzten - der Schlamm im Schlosswald war da und für die Fahrer galt: Augen (besser nicht) zu und durch. . .

„Die meisten haben es mit Humor genommen und sich tapfer auf den Berg gekämpft. nur einer ist unten geblieben und wollte wohl seinem Fahrzeug die Strecke nicht zumuten“, hat Schlegtendal erfahren. Andere konnte er beruhigen: Sie glaubten, sich verfahren zu haben, weil ihnen auf einmal andere Tour-Teilnehmer entgegenkamen - dabei war es nur die Acht, die der Planer eingebaut hatte.

Auf Abwege kamen dann doch etliche Teams. „Das war schon eine sehr schwere Strecke, gerade um das Schloss herum gab es viele Verfahrereien, Gezählt haben wir nicht, aber ich hatte den Eindruck, dass nicht alle, die angemeldet waren, tatsächlich beim Mittagsessen saßen. Aber das macht halt das Abenteuer aus“, zog IGR-Chef Rolf Krane erste Bilanz, während er auf dem Segway die einfahrenden Autos auf ihre Stellplätze an der Rüttenscheider Straße wies und dafür sorgte, dass Pappe gegen Ölflecken unter die Oldtimer geschoben wurde.

Einige Autos (und Fahrer) erwischte es auf der Strecke: Einige Oldies sprangen nicht mehr an, bei anderen gab es Reifenprobleme, ein Fahrer brach sich den Finger, als er den Auspuff säubern wollte. Für Notfälle war Werner Plänker, erfahrener Oldtimer-Schrauber und Service-Mann beim berühmten italienischen Autorennen Mille Miglia, zuständig. „Ich habe für fast jede Panne das Richtige dabei, aber es gibt immer was, das einem dann doch fehlt“, weiß er aus Erfahrung. „Man muss halt erfinderisch sein“, sagt Plänker, der für einen Fahrer in einer Mähschienen-Werkstatt fündig wurde.

Dass jeder, der einen Oldtimer fährt, auch schrauben können muss, kann Bärbel Maag, Frau von Mitorganisator und Fahrer-Betreuer Franz Maag, so nicht bestätigen. „Ich putze das Auto, schraube aber nicht“, lacht sie, nachdem sie gemeinsam mit Rotraud Jantzen die Strecke in ihrem roten Mercedes-Benz 230 SL Pagode von 1965 erfolgreich bewältigt hatte. Ihr Mann Franz Maag gehört „schon immer“ zum dreiköpfigen Organisationsteam der Tour, gemeinsam mit Rolf Krane und Claudio Schlegtendal. Letzterer verkündete jüngst, dass die zehnte Ausfahrt im nächsten Jahr die letzte sein soll. Aber es besteht Hoffnung für alle Oldtimer-Fans: „Wenn der Franz Maag weitermacht, bin ich auch dabei. Er ist der Motor der Veranstaltung“, erklärt Schlegtendal.

Nostalgisch geht es schon bei der Planung zu. Wie er denn das Schloss gefunden habe, wird Schlegtendal gefragt. „Ich sitze mit der Landkarte auf dem Boden, tippe auf eine Stelle im Umkreis von 200 Kilometern und schaue, was dort ist. Von wegen Internet . . .“, beschreibt Schlegtendal die erste Phase der Planung.

Und wenn man die Freude der Organisatoren über die gelungene Tour und die Begeisterung der Fans bei der Einfahrt auf der Rü sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass es das künftig nicht mehr geben soll. Denn irgendwie ist die „Tour des Rü“ ein Stück Technikgeschichte zum Anfassen - und das mit großem Unterhaltungswert.

Elli Schulz

Kommentare
30.04.2012
19:42
140 Oldtimer rollen bei der neunten „Tour de Rü“ durch Essen
von dummmberger | #3

Ja, schöne Fotos.

Aber was mich schon seit langem an diesen Fotostrecken nervt, ist die Tatsache, dass es immer nur einen Text gibt, der dann unter...
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140 Oldtimer rollen bei der neunten „Tour de Rü“ durch Essen
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/sued/140-oldtimer-rollen-bei-der-neunten-tour-de-rue-durch-essen-id6604659.html
2012-04-29 16:19
Tour de Rü, Essen, Rüttenscheid, Bergisches Land, Oldtimer
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