Studie zeigt, was den Mythos RWE ausmacht
09.05.2011 | 18:58 Uhr 2011-05-09T18:58:00+0200
Essen. Eine wissenschaftliche Studie hat das Image von Rot-Weiß Essen untersucht. Der Autor rückt dabei so manches Vorurteil über RWE gerade: Der durchschnittliche RWE-Fan ist demnach 35 Jahre alt und verfügt über eine gute Bildung.
Dass Geld Tore schießt, wie es Otto Rehhagel einmal formulierte - diese These haben sie ausgerechnet bei seinem Heimatverein Rot-Weiß Essen eindrucksvoll widerlegt. Trotz, oder besser wegen eines zweitligareifen Etats fand sich der Traditionsverein am Ende der vergangenen Saison in der Insolvenz wieder . Für die treuen Fans ein Alptraum , aus dem sie in der fünften Liga wieder erwachten. Dort bemühte RWE einmal mehr den „Mythos Hafenstraße“ . Mit Erfolg. Was auch immer sich dahinter verbergen mag, irgendetwas muss ja dran sein. Warum sonst pilgerten bislang mehr als 100.000 Zuschauer ins marode Georg-Melches-Stadion?
Was unterscheidet diesen Fußballverein von anderen?
Der Zuspruch der Fans ist ein Pfund, mit dem die Verantwortlichen des Clubs nicht zuletzt bei Sponsoren wuchern wollen. Was aber macht RWE aus? Was unterscheidet diesen Fußballverein von anderen? Und wie lässt sich das vermeintlich Besondere vermarkten? Marvin Karczewski, Diplom-Ökonom und Doktorand am Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen, ist diesen Fragen im Rahmen seiner Doktorarbeit nachgegangen und hat dabei Überraschendes erfahren. Mit so manchem Vorurteil über RWE räumt der Wissenschaftler jedenfalls auf.
Karczewski hat per Internet Fußballfans befragt, 6114 machten mit, 863 davon Anhänger von RWE. Karczewski wollte wissen, welche Eigenschaften sie mit ihrem Verein verbinden. Weil Fans das Image eines Vereines mitprägen, ist interessant zu erfahren, wer sich dahinter verbirgt.
Der durchschnittliche RWE-Fan ist demnach 35 Jahre alt, er wohnt eher im Süden der Stadt, verfügt über eine gute Bildung, hat oft das Fachabitur oder das Abitur in der Tasche. Er besucht 20 Spiele pro Saison und gibt pro Spielzeit fast 400 Euro für seinen Verein aus. Ja, entgegen der weit verbreiteten Meinung ist RWE nicht nur ein Verein des Essener Nordens. Traditionell ist der Club zwar dort verwurzelt, doch nur 30 Prozent der Fans sind im Norden zu Hause, 70 Prozent wohnen hingegen im Süden oder jenseits der Stadtgrenzen. „In dieser Deutlichkeit hat uns das überrascht“, räumt auch RWE-Vorstand Michael Welling ein.
Aus Sicht der Fans
Das im Zuge der Stadiondebatte häufig angeführte Argument, die Stadt müsse endlich auch etwas für den Norden tun, greift im Rückblick betrachtet also eindeutig zu kurz. Andererseits darf die soziale Funktion, die dem Verein häufig zugesprochen wird, nicht überhöht werden. Rot-Weiß Essen ist nicht ein Club der Zukurzgekommenen.
Die Erhebung sei nicht repräsentativ, schränkt Marvin Karczewski ein, in Anbetracht der hohen Beteiligung von RWE-Fans sei sie aber allemal so aussagekräftig, dass sich daraus fundierte Rückschlüsse ziehen ließen.
Was macht das Image von RWE aus Sicht der Fans nun aus? Die Anhänger verbinden mit ihrem Club vor allem Eigenschaften wie „traditionsreich“, „authentisch“, „einzigartig“ „kämpferisch“, „leidenschaftlich“ und „faszinierend“. In diesen Kategorien erhält RWE durchweg die höchste Zustimmung. Die geringste gibt’s von den Fans für die Eigenschaft „Solidität“. Keine Überraschung. Das Finanzgebaren früherer Jahre, wo sie an der Hafenstraße das Geld mit vollen Händen ausgaben, wirkt nach.
In seiner Studie untersucht Diplom-Ökonom Marvin Karczweski die Wechselwirkung zwischen Image und wirtschaftlichem Erfolg von Fußballvereinen. Befragt wurden auch Fans von Arminia Bielefeld, MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf, RW Oberhausen, VFL Bochum u.a. Nur Rot-Weiß Essen habe seine Ergebnisse bislang öffentlich gemacht.
Wie aber unterschiedet sich RWE von anderen Vereinen, zumal im Ruhrgebiet, das Karczewski fußballerisch treffend mit einem Haifischbecken vergleicht? Mehr noch: Lässt sich das Image versilbern?
Dass einst WM-Held Helmuth Rahn die Fußballstiefel an der Hafenstraße geschnürt hat, sei jedenfalls ein Geschenk, um das jeder andere Club RWE beneiden darf, sagt Karczewski. Aber Tradition schießt keine Tore. Auch das eine Binsenweisheit, für die sich in der Nachbarschaft Belege finden lassen: Westfalia Herne, der SV Sodingen...
Tradition und Tore
Ohne sportliche Erfolg, und sei es nur ein Aufstieg in die vierte Liga wie er RWE jetzt gelungen ist, lasse die Bindungskraft von Tradition auf Dauer eben nach, weiß Karczewskis Doktorvater Professor Tobias Kollmann.
Und: Tradition kann sogar schaden. Bei RWE habe das Beschwören vergangener Erfolge viel zu lange den Blick, auf das sportlich und finanziell Machbare verstellt, gibt Welling zu bedenken.
Rot-Weiß Essen hat die Kurve noch einmal gekriegt. Die herausgearbeiteten Imageprofile will Vereinschef Michael Welling schärfen. Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren seien RWE-Fans doch die ideale, weil zahlungskräftige Zielgruppe, sagt der Marketingexperte augenzwinkernd an die Adresse potenzieller Sponsoren. Am Ende trifft wohl Kollmanns Erkenntnis: „Geld schießt zwar keine Tore, aber es erleichtert die Sache ungemein.“
10:40
Mensch der BVB muss RWE helfen! Vielleicht mit nem Benefizspiel oder Jungtalente ausleihen...
18:39
Liebe WAZ, zum 30 jährigen Jubiliäum Rot - Weiß zu schreiben herzlichen Glückwunsch. Genauso, wie ihr das mit Absicht macht, ziehe ich jetzt meine Abo- Bestellung mit Absicht zurück.
18:18
Als gebürtiger Dortmunder und damit gleichzeitig Kind des Ruhrgebiets hab ich neben meiner Liebe zum BVB generell auch Sympathien für andere Traditionsvereine aus dem Pott und dabei insbesondere für RWE. Ich kann nur hoffen, dass es auch die nächsten Jahre weiter bergauf geht und in Zukunft wieder erfolgreich Geschichte geschrieben wird.
17:10
#22 Wie? Aus Bochum und weiss was über Fussball?
Der Witz ist gut.
16:50
Jetzt mal ehrlich, der Mythos hinter den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken ist eher unspannend.
Wer heute bei RWE ernsthaft an Fußball aus Essen denkt, ist entweder über 65 Jahre alt oder er hat eniges nicht mit bekommen.
Ich komme aus Bochum und weiß, wovon ich rede.
15:04
14 hat es genau umschrieben, es hätte Ende der 70 schon, nie so weit kommen dürfen .
Die meisten BL Vereine heute sind nicht in der 1 Liga weil so tolle Fans haben und so gut Wirtschaften können sonderen weil sie immer unterstützt worden sind von ihren Sponsoren
und in Sachen Stadion, wir Essener Fans hätten es als einziger Verein wirklich verdiend gehabt .
Wenn in der Zukunft ein gut geführter Verein
wie B Leverkusen oder W Bremen dabei rauskommt ist das Ziel erreicht .
Wir lieben Rot Weiss Rot .
14:57
An alle die es nicht verstehen können: Einfach mal hingehen und sich verzaubern lassen!
@18
Also ich bin 32 jahre alt, habe einen festen Wohnsitz, und verdine vernünftiges Geld. Genauso wie die anderen 15 Personen mit denen ich immer zum RWE gehe.
Einfach irgendwelche Beleidigungen zu schreiben zeugt eher bei Ihnen von mangel an Benehmen.
Rot-Weisse-grüße aus Duisburg(SÜD)
14:53
#18 Nuja, wenn mich im Internet jemand fragt, dann hab ich auch Uniabschluss ..;-)
Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.
Jedensfalls ist der RWE der einzige Verein, bei dem ich erlebt habe, dass ein Familienvater in Begleitung von Frau und ca. sechsjährigem Sohn schon vor dem Spiel friedliche Gästefans anpöbelt.
Super Bildung, super Erziehung, super Vorbild.
14:06
Der durchschnittliche RWE-Fan ist demnach 35 Jahre alt, er wohnt eher im Süden der Stadt, verfügt über eine gute Bildung, hat oft das Fachabitur oder das Abitur in der Tasche.
Meiner Erfahrung nach ist der durchschnittliche RWE-Fan 25 Jahre alt, wohnt gerade dort, wo man ihn nicht vertreibt, hat einen Sonderschul-Abschluss (mit Qualifitation) und beherrscht einige Worte Deutsch (mündlich und schriftlich).
Dies ergab eine von mir erstellte Umfrage unter 52000 Internet-Nutzern, von denen 2 RWE-Fans waren und den Fragebogen verstanden hatten (Ausreisser nach oben).
13:33
RWE in die Bundesliga und Traditionslose Retortenklubs in die 4. oder 5. Liga.
Ich hab lieber noch einen schönen Ruhrpottverein in der Bundesliga als 18,99€ Hoffenheim!!!!
Gruß von nem Dortmunder