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Studentenjobs: Im Spagat zwischen Arbeit und Studium

30.03.2016 | 12:00 Uhr
Studentenjobs: Im Spagat zwischen Arbeit und Studium
MedizinstudentChristian Ramming arbeitet als Perfusionist bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Essen.   Studentenleben, teures Leben: Um nicht nur von Eltern und Bafög abhängig zu sein, arbeiten viele Studenten nebenbei. Doch es ist nicht alles Kellnern und Karten abreißen auf dem Markt der Studentenjobs.

Seit Februar müssen Essener Studenten tiefer in die Tasche greifen: Die Miete in den Wohnheimen des Studierendenwerks Essen-Duisburg wurde um 20 Euro erhöht. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität sieht hier eine finanziell bedrohliche Situation für die Studenten (wir berichteten). Denn häufig reichen Bafög und Co. nicht aus, um alle Lebenskosten zu decken. Aus diesem Grund arbeiten viele Studenten nebenbei. Bürotätigkeiten und Kellnern gehören laut Statistik-Portal statista zu den beliebtesten Studi-Jobs. Doch es geht auch anders, wie Christian Ramming beweist.

Anstatt als Kellner Getränke sicher von Tisch zu Tisch zu balancieren, transportiert der Medizinstudent weiße Styroporboxen. Darin: Spenderorgane. Christian arbeitet als Perfusionist in Teilzeit bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

An seinen Arbeitstagen hat Christian 24-stündigen Bereitschaftsdienst, von 16 Uhr bis 16 Uhr. Dafür muss er nicht am DSO-Standort in Essen vor Ort sein. „Wenn ein Spenderorgan verfügbar ist, werde ich angerufen“, so der 31-Jährige.

Nachtwache in der "Ruhrbrücke"

Als Perfusionist durchspült Christian das Organ vor der Entnahme mit einer gekühlten Lösung, um es außerhalb des Körpers zu konservieren. Danach entnimmt der diensthabende Chirurg das Organ. Christian verpackt dieses dann in eine mit Eis gefüllte Styroporbox und übergibt es dem Fahrer.

„Voraussetzung für die Arbeit ist ein fortgeschrittenes Medizinstudium“, erklärt der Student. „Nach einem Jahr als Perfusionist für abdominelle Entnahmen – also Dünndarm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren – darf man auch bei der Entnahme von Herz und Lunge assistieren.“

Die Nebenjobs bei der DSO sind beliebt, weiß Christian. „Freie Stellen werden meist über Mundpropaganda oder soziale Netzwerke verbreitet.“ Der Pool an Bewerbern ist indes überschaubar. Neben der Grundvoraussetzung, sich im fortgeschrittenen Medizinstudium zu befinden, sollten die Studenten mobil sein und nicht weit entfernt vom DSO-Standort in Essen wohnen. Denn im Bereitschaftsdienst kann jederzeit das Handy klingeln – dann muss es schnell gehen.

Bei Stefanie Köhler waren die Voraussetzungen für den Nebenjob weniger eng. Die angehende Lehrerin übernimmt als Werkstudentin an maximal acht Monatstagen die Nachtwache in der „Ruhrbrücke“, einer therapeutischen Wohngruppe für verhaltensauffällige junge Mädchen des Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte e.V (SkF).

"Wir dürfen auch schlafen"

Während der Nachtwache ist Stefanie nie allein. „Wenn die Mädchen sich selbst verletzt haben oder sich aggressiv verhalten, kann ich die diensthabende Pflegekraft um Hilfe bitten.“ Um 20.30 Uhr beginnt ihre Schicht mit der Übergabe durch die Betreuer. Zwischen 21.30 und 24 Uhr kocht Stefanie dann mit den Mädchen, schaut fernsehen – „normale“ Dinge, die den Mädchen in der „Ruhrbrücke“ aber eine wichtige Alltagsstruktur vermitteln. Ab 24 Uhr zieht sie sich in ihr Büro mit Klappbett zurück. „Wir dürfen auch schlafen“, erklärt die 27-Jährige lachend. Um 7.30 Uhr weckt sie die Mädchen, übergibt den Dienst an die Frühschicht, um acht Uhr heißt es dann Feierabend – oder Vorlesung.

Für Stefanie ist der berufliche Umgang mit den Mädchen in der „Ruhrbrücke“ auch sinnvoll für ihren späteren Lehrberuf. „Die Arbeit schärft den Blick fürs Detail. Mir fallen mittlerweile Anzeichen für psychische Probleme eher auf. Für Studenten im sozialen Bereich ist das eine super Erfahrung.“

Weitaus kritischer sieht das Gereon Falck von ver.di Essen. „Für Unternehmen rechnet sich die Anstellung von Werkstudenten, denn das spart enorme Lohnnebenkosten.“ Besonders im Pflegebereich drohe auch dadurch eine Entqualifizierung sozialer Arbeit.

Dennoch hat die Arbeit als Werkstudent viele Vorteile für Studenten. Denn für Werkstudenten sind meist nur reduzierte Abgaben für die Rentenversicherung fällig. Und neben dem berühmten „Fuß in der Tür“ bei zukünftigen Arbeitgebern sind erste Erfahrungen im späteren Metier ein wertvolles Plus im Lebenslauf.

Susanne Klose

Kommentare
30.03.2016
12:28
Studentenjobs: Im Spagat zwischen Arbeit und Studium
von Schincke | #1

Nur ein ordentliches Studium ist nicht mehr möglich.

Also doch Reich kommt eher weiter.
...
Chancengleichheit trotz der vielen Sprüche aus der...
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Studentenjobs: Im Spagat zwischen Arbeit und Studium
Studentenjobs: Im Spagat zwischen Arbeit und Studium
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/studentenjobs-im-spagat-zwischen-arbeit-und-studium-id11689168.html
2016-03-30 12:00
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