Studenten: Warum wir protestieren - Berichte aus dem Hochschulalltag
11.11.2009 | 17:42 Uhr 2009-11-11T17:42:00+0100
Das Audimax an der Uni blieb am gestrigen Mittwoch weiter besetzt. Studenten wollen so auf Bedingungen hinweisen, die ihrer Meinung nach unzumutbar sind. Hier berichten Studenten aus ihrem Alltag.
Laura (22), studiert Chemie: "Im Studium sind Labor-Praktika fest vorgesehen. Bei den Praktika fließt von der ersten Versuchsanordnung an alles in die Endbenotung. Man hat überhaupt keine Zeit, mal etwas auszuprobieren, ein bisschen zu üben. Bei den Noten spielt Willkür eine große Rolle – es ist das persönliche Glück jedes Einzelnen, ob man freundlich oder unfreundlich benotet wird. Ich habe bis zu 35 Semesterwochenstunden – viel Zeit für einen Nebenjob bleibt mir da nicht. Dabei muss ich 480 Euro Studiengebühren plus Sozialbeiträge pro Semester finanzieren, also insgesamt 680 Euro. Mit Ferienjobs habe ich mich bisher über Wasser halten können. Nach dem „Bachelor”-Abschluss möchte ich gern noch den „Master” machen und dann beruflich am liebsten in die Forschung."
Miriam (22), studiert Pädagogik: "Durch die Verschulung des Studiums und den Zeitdruck können sich Studenten kaum noch inhaltlich mit dem Lernstoff auseinandersetzen. Es wird sinnlos auswendig gelernt. Diskussionen in Seminaren gibt es kaum noch. Stattdessen sorgt Anwesenheitspflicht dafür, dass sich alle mit Inhalt befassen, der sie nur wenig interessiert. Wir haben das Audimax besetzt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen – mit normalen Demos erreicht man heute ja nichts mehr. Weil in vielen europäischen Städten die Studenten gegen das Bachelor-/Master-System protestieren, hoffe ich, dass dieses Mal endlich etwas in Bewegung kommt."
Marc (21), studiert Philosophie und Deutsch (Lehramt): "Die Hörsäle und Semianrräume sind chronisch überfüllt. Wo 50 Personen hineinpassen, stauen sich mindestens 80. Es gibt zu wenig Stühle und Tische, in den fensterlosen Seminarräumen kommt der Putz von den Wänden. Wo das Geld aus unseren Studiengebühren hinfließt, das weiß kein Mensch. Das muss unbedingt transparent gemacht werden – eine der zentralen Forderungen, die ich unterstütze. In der Bibliothek stehen Computerarbeitsplätze mit großen Aufklebern: „Finanziert aus Studiengebühren.” Das ist aber auch das einzige. Und außerdem sind es viel zu wenige Rechner, man muss lange warten, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Auch wenn ich selbst nicht an der Besetzung teilnehme, erkläre ich mich absolut solidarisch. Die Bedingungen für Seminar-Anmeldungen sind absurd: Man muss sich online anmelden. Doch die Rechner der Uni sind zu schwach, stürzen ständig ab, man kommt gar nicht auf die Seiten. Manche melden sich deshalb nachts zwischen zwei und drei Uhr an – dann geht es halbwegs."
08:49
Dann geht ins Audimax, stimmt mit 600 WIWIs für eure Vorlesung ab und haltet die dann dort einfach (vgl. Würzburg). Die Protestierenden sind demokratisch! Das Rektorat hat einfach gesagt, dass Alle Veranstaltungen ausfallen/verlegt werden bis Freitagabend 18 Uhr, nur weil am Audimax besetzt stand! Es wäre trotzdem gut, dass die Betroffenen Studenten sich der Bewegung auch mal anschließen, weil es ja auch um Euch geht in einigen Teilen!
20:12
Wann gehen die Besetzer endlich nach hause und verschlechtern nicht die Studienbedingungen ihrer Mitstudenten?
Niemand hat diese Leute demokratische legitimiert so einen großen Eingriff in den Lehrbetrieb zu nehmen.
wegen denen darf ich in kleinen Säälen, die doppelt überfüllt sind nun meine Vorlesungen genießen, während die Party feiern und dem Kapitalismus abschwören...
toll, danke.
Ich wäre bei jedem protest dabei, der nicht auf den Rücken der Studenten ausgetragen wird...
19:30
hallo...
auch ich erkläre mich solidarisch mit den Streikenden. Noch zu Beginn dieses Semesters habe ich selbst die Unzulänglichkeiten und das groteske Chaos der Uni erlebt.
Ich studiere Gesellschaftswissenschaften für das Lehramt Grundschule. Seit einigen Jahren ist dem Rektorat bekannt, dass der Lehrstuhl für Soziologie (zuvor durch Herrn Beine abgedeckt) dieses Semester durch Pensionierung frei werden würde. Leider hat die Hochschule insbesondere Herr Radtke es versäumt, Ersatz zu suchen! Eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass jeder Student 480 € Studiengebühren zahlen muss.
Genauso verhält es sich für ein begleitendes Seminar zum Praktikum. Auf Druck der Studenten hat sich die Hochschule durchgerungen, Seminare für den SEK II Bereich auch für das Grundschullehramt frei zugeben. Aber da frage ich mich doch, was bringt mir ein Seminar, das für SEK II angeboten wird.
Ich persönlich fühle mich nciht richtig ausgebildet und unzureichend auf das Berufsleben vorbereitet. Doch dies scheint die Hochschule ja nicht sonderlich zu interessieren. Deswegen bitte auch ich alle Studierenden ihren Unmut zu formulieren und sich am Streik zu beteiligen, denn es geht schließlich um unsere ZUKUNFT!
19:18
das problem ist aber wieder, dass es nur 3 Studienfächer sind, auf die sich hier bezogen wird, dabei werden insgesamt viel mehr angeboten. Um ein komplettes Bild zu bekommen müsste man von allen Studienangeboten ein Feedback bekommen und nicht nur von drei...
18:28
Alle 3 Aussagen kann ich nur bestätigen & unterstützen! Ich beteilige mich auch an den Streiks am Campus Duisburg & mein Hauptanliegen liegt in der Abschaffung der Studiengebühren. Ich habe mittlerweile 2 Jobs, um die Gebühren finanzieren zu können. In diesem Semester (3. Semester Soziologie) habe ich außerdem nur Pflichtveranstaltungen. Wenn ich 2x unentschuldigt fehle, werde ich nicht zur Klausur zu gelassen! Was ist das denn bitte? Einerseits finde ich die Anwesenheitspflicht ok, weil ich persönlich dann einen Grund habe, in die Uni zu gehen. Aber andererseits muss jeder Student/in selbst entscheiden, ob er zur Vorlesung geht oder nicht!
Aber letztenendes haben wir unsere Situation den Politikern zu verdanken - wer CDU & FDP bei der Bundestagswahl gewählt hat (beide Parteien sind nämlich für die Studiengebühren) & sie auch bei der Landtagswahl wählt, braucht sich nicht wundern, wenn das Bildungssystem der BRD den Bach runtergeht! Armes Deutschland!
18:26
wenn dem wirklich so ist wie hier dargestellt ist in der tat die frage absolut berechtigt wo denn die mittel aus den Studiengebühren hinfliessen und warum sich, nach einer doch nun schon langen zeit mit gebührenfinanziertem studium sich an der situation so gut wie nichts getan hat - ein wirklich guter artikel wäre es allerdings gewesen auch die gegeneite, also hochschulverwaltung zu wort kommen zu lassen.