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Strich wird zum Streitobjekt

18.03.2009 | 19:28 Uhr

Für die SPD ist das Konzept gescheitert. Die CDU und die Hilfsorganisationen halten dagegen.

Mit dem neuen Strich war Essens SPD bekanntlich noch nie auf Linie. Gestern jedoch scherte Fraktionschef Reinhard Paß endgültig aus und fuhr besonders schwere Geschütze gegen die Stadtspitze, Sozialdezernent Peter Renzel und die CDU auf. Die schossen zurück, und es scheint: Noch nicht einmal zwei Wochen nach dem Umzug ist die sozialdemokratische Schonzeit für den Straßenstrich am neuen Standort vorbei. Das Konzept scheitere, der Kirmesplatz werde nicht angenommen, der Straßenstrich verlagere sich wieder einmal, behauptete OB-Kandidat Paß in schneidiger Wahlkampf-Manier.

Paß forderte nicht nur, die „Notbremse zu ziehen”, sondern einen stadtweiten Konsens, „wo der Straßenstrich hin soll: Deshalb müssen jetzt schnell und vor allem vorurteilsfrei stadtweit neue Standorte geprüft werden”, so der SPD-Fraktionschef wörtlich.

Schon wieder

Geschichte

Angestachelt hatte Paß womöglich eine Meldung, wonach an der Econova-Allee an der Grenze zu Bottrop ein zweiter Straßenstrich entstanden sei. Sollte der tatsächlich jemals existiert haben – inzwischen ist er schon wieder Geschichte, hielt die Stadt gestern dagegen: „Der Versuch eines im vergangenen Jahr in Essen aufgetauchten Vermieters von Wohnwagen, einen zweiten Straßenstrich vor allem mit Frauen aus Osteuropa auf der Econova-Allee zu etablieren, ist bereits im Ansatz gescheitert”, schoss Renzel zurück: „Absurd” sei allerdings die Behauptung, dass damit das ganze Konzept gescheitert sei. In der Tat ziehen die Hilfsorganisationen, der Sozialdienst katholischer Frauen und die Suchthilfe, eine „positive Bilanz”: Die Frauen, drogenkranke und professionelle, könnten am Kirmesplatz wesentlich häufiger erreicht werden. Die Betreuungszahlen haben sich an manchen Tagen verdoppelt. Es könne zu mehr Frauen Vertrauen aufgebaut werden, um sie in weiterführende Angebote zu vermitteln. Zudem fühlten sich die Prostituierten sicherer, hieß es.

Weihrauch

und Pulverdampf

Während Paß zudem unterstellt, ein „funktionierendes Sicherheits- und Betreuungskonzept” fehle auf dem Kirmesplatz, kann die Position der Christdemokraten gegensätzlicher kaum sein. CDU-Fraktionschef und OB-Kandidat Franz-Josef Britz gab sich erklärtermaßen „erleichtert, dass der Umzug so unproblematisch verlief”, was „der gründlichen und vorausschauenden Planung” zu verdanken sei. Sein und der Dank der CDU-Fraktion gelte „allen am Projekt beteiligten Personen und Organisationen”.

Wie Weihrauch und Pulverdampf – als sich die Schwaden des gestrigen Wortgefechts verzogen hatten, fiel auf: Seit gestern stehen die Wohnwagen nicht mehr an der Econova-Allee, wo der Betreiber sie abstellte, nachdem er nur einen Platz von zehn auf dem Kirmesplatz ergattert hatte. Nun finden sich Anhänger entlang der Gladbecker Straße. Die Stadt wurde aktiv: Die Halter sind angeschrieben und aufgefordert, ihr Eigentum zu entfernen. Sonst werde abgeschleppt, spätestens in 14 Tagen, wegen fehlender Sondernutzungs-Erlaubnis.

Jörg Maibaum

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Kommentare
14.04.2009
09:56
Strich wird zum Streitobjekt
von LaberKeinenFisch | #27

Pro Straßenstrich! Alle die hier in der Politik mitdrin stecken und ihren Senf dazugeben: Euch glaubt eh keiner mehr. Politiker deutschlandweit sind eine Zumutung - 0 Jugendbezogen - 0 Charisma - GAR nichts!

Kein Wunder das in Essen die Hälfte nichtmal den Namen des OB´s kennt.

Eine Peinlichkeit an Menschen hat sich zusammengefunden um Probleme zu lösen. Keinen von euch darf mal Wählen. Eine Schande seit ihr alle, leider.

Alleine wenn ich sehe wie wenig (bezahlte!) Plätze im Land/Bundestag jeden Tag frei sind. Wer vertritt da die Meinung des kleinen Mannes?

Pah! Schickt die Nutten dahin wo sie wollen.

01.04.2009
23:37
Strich wird zum Streitobjekt
von I_like_to_movie_it | #26

-------------- Zitat ---------------------------------------------

Pro Straßenstrich in Bredeney!
#13 von imclubiswatlos, am 19.03.2009 um 08:43

-------------- Zitat/Ende -----------------------------------

Noch besser (und dahin führt die momentane Entwickung):

jedem Stadtteil seinen eigenen Strich; an allen Ausfallstraßen + in Gewerbegebieten.

----- Gut Stich und fröhliches (Oster-)Eier-Suchen -----

20.03.2009
19:46
Strich wird zum Streitobjekt
von Hans Plast | #25

Entschuldigung wenn ich es so offen formuliere aber es ist zum kotzen was man hier teilweise lesen muss.

Der Straßenstrich an der Econova Allee wurde von der Stadt geräumt? Schwachsinn! Die Econova Allee ist eine Privatstraße und wurde vom Besitzer geräumt. Fakt ist, der Besitzer der Wohnwagen hatte mit jemanden von der Stadt gesprochen (Name und Durchwahl liegen vor!!) und es wurde ihm gesagt das die Stadt NICHTS dagegen hätte das dort die Wohnwagen stehen und der Prostitution nachgegangen wird.

Zwangsprostituierte?? Woher kommt diese Information? Haben die Kommentatoren die Frauen besucht und ihnen ein Geständnis aus dem Leib geprügelt? Oder haben sie sich das nur aus der hohlen Hand geschüttelt weil es so in ihrer Vorstellung nun einmal sein muss? Wohl eher Zweiteres. Dämliches Klischeedenken ist das, nicht mehr. Vielleicht sollten diejenigen die so etwas behaupten einfach mal auf den Straßenstrich gehen und mit den Frauen reden. Das wären Informationen aus erster Hand, würde aber wohl das eine oder andere Weltbild zerstören.

Das der Kirmesplatz nicht angenommen wird, war schon vor der Eröffnung klar. Es waren viel zu wenige Stellplätze für Wohnwagen geplant. Obwohl am alten Straßenstrich zu 30 Wohnwagen standen, wurden lediglich für 10 Wohnwagen Stellplätze eingeplant, dies obwohl rund 80% des Kirmesplatzes ungenutzt sind. Haben die Planer etwa gedacht die Wohnwagen und die dazugehörigen Prostituierten würden sich in Luft auflösen nur weil man zu wenige Stellplätze einplant?
Und das auf dem Kirmesplatz nur recht wenige Frauen arbeiten wollen, wird spätestens dann klar, wenn man selber mal 8 oder mehr Stunden auf einen völlig ungeschützten Platz steht. Wind, Regen, Sonnenschein. Da ist man der Witterung vollkommen schutzlos ausgeliefert. Wer will denn unter solchen Bedingungen arbeiten? Bestimmt keiner von den Kommentatoren die sich bisher gemeldet haben.
Sicherlich ist der Platz auch für die Freier wenig attraktiv. Zu- und Abfahrt sind geradezu kriminell gelöst. Der ganze Platz hat den Charme eines Präsentiertellers. Auch Freier lieben ein wenig Diskretion.
Konnten an dem alten Straßenstrich auch mal LKWs anhalten, ist dies nun völlig unmöglich. Auch in diesen Punkt haben die Planer mehr als versagt.

Unterm Strich kann man sagen das hier völlig ahnungslose am Werk waren. Was wäre die bessere Lösung gewesen? Man hätte sich im ersten Schritt mit Prostituierten UND Freiern zusammen gesetzt. Es gibt genug Foren im Internet in denen man das Thema ernsthaft hätte diskutieren können. Und zwar mit beiden Seiten! Im zweiten Schritt hätte man dann einen geeigneten Platz finden können. Es gab und gibt immerhin Unternehmer die sich finanziell an einen geeigneten Platz beteiligt hätten. Dafür hätten sie aber gerne ihre Wünsche umgesetzt gehabt, so etwas ist mit der Stadt Essen aber irgendwie nicht machbar.

Das ganze ist mal wieder ein weiteres trauriges Kapitel in der Essener Stadtgeschichte.

20.03.2009
17:33
Strich wird zum Streitobjekt
von Harpo | #24

@ Grumbler
Du hast dein Halbwissen auch aus dem Fernsehen, kann das sein? Sicherlich arbeiten nicht alle Frauen in diesem Gewerbe freiwillig! Aber viele (die absolute Mehrheit)die auf der Pferdebahn gearbeitet haben, tun oder taten dies freiwillig und aus freien Stücken heraus. Da bedarft es keinerlei Aufklärung vor Ort. Die meisten Freier wissen wohl sehr gut wer hier wie arbeitet. Es gibt ja entsprechende Internet-Foren um sich zu informieren.

20.03.2009
14:13
Strich wird zum Streitobjekt
von grumbler | #23

Ich denke, dass der Kirmesplatz die beste Alternative zur Pferdebahn ist. Das sich manche Freier hier auf dem Präsentierteller fühlen, stöhrt mich nicht im geringsten. Die Herren werden ja im Gegensatz zu den Damen nicht gezwungen dorthin zu gehen. Wenn dann weniger Kundschaft kommt, können vielleicht auch die Zuhälter weniger Frauen zwingen, einen so miserablen Job zu machen. Schließlich regelt sich auch dort alles nach Angebot und Nachfrage.

Ich plädiere außerdem dafür, dass die SPD erst einmal ein besseres Konzept vorlegt und sich von den Hintermännern dieses Gewerbes distanziert.

Außerdem kann ich nur dafür plädieren jeden Mann der auf diesen Platz fährt ebenfalls mit einer Aufklärung vor Ort zu betreuen um diesen Herren einmal das Leid und die Not der Damen vor Augen zu führen und den Herren mal klar zu machen was sie sich, den Damen und Ihren Familien antun.

19.03.2009
21:08
Strich wird zum Streitobjekt
von aufklärer | #22

Jo, wieso ist Renzel auf einmal nicht mehr für die WAZ erreichbar? Keine Zeit? Muss wohl hier lieber dummes Zeug bloggen!!!

19.03.2009
21:07
Strich wird zum Streitobjekt
von aufklärer | #21

Absetzbewegung am Straßenstrich
Essen, 17.03.2009, Kai Süselbeck
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Essen. Ein Teil der Prostituierten vom Essener Straßenstrich haben schon kurz nach der Öffnung dem Kirmesplatz wieder den Rücken gekehrt: Die Wohnwagen-Fraktion wanderte ab zur Econova-Allee im Stadtteil Bergeborbeck. Die Stadt ergreift drastische Gegenmaßnahmen gegen einen zweiten Straßenstrich.

Mit abendlichen Straßensperrungen und Räumungsbescheiden steuert die Stadt gegen. Die nächste Station des Straßenstrichs könnte jetzt der Stadthafen sein.

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Wohin mit dem Strassenstrich?

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Die Kritik von Freiern wie Prostituierten im Internet am Kirmesplatz, von Anwohnern schon in „Rammelplatz” umgetauft, ist vernichtend. Von „Spannern” im benachbarten Gewerbegebiet wird berichtet („Vielleicht wird ein Spanner-Video ins Ausland vertrieben, und später stellt man fest, dass man ein Kurzzeit-Pornostar wurde”), von Kamera-Überwachung („Mir tun die Leute leid, die in diese Venusfalle fahren und kontrolliert werden”), von untauglich engen Verrichtungsboxen („Wenn man so eine Box umfährt, wird es sicher lustig, es der Versicherung zu erklären”) und von einer Geister-Atmosphäre („Zwei riesig große leere Flächen. Alles unter Flutlicht. So muss es früher an der Zonengrenze ausgesehen haben.”).
Zweiter Straßenstrich ist für die Stadt der Gau

Die ersten Frauen und Freier haben Konsequenzen gezogen und außerhalb des neuen Sperrbezirkes an der Econova-Allee einen neuen Strich aufgemacht. Aber: Die Etablierung eines zweiten Strichs neben dem Kirmesplatz hat die Stadt als größten anzunehmenden Unfall definiert. Entsprechend drastisch fallen die Gegenmaßnahmen aus. Nach einer Krisensitzung mit Ordnungsamt und Polizei am Montag begann die Stadt mit der abendlichen Vollsperrung der Allee - zur großen Begeisterung der Lkw-Fahrer, die dort abends unterwegs sind. Die Handhabe dazu hat die Stadt, weil die Straße technisch gesehen noch eine Privatstraße der RWE AG ist.

Bei der Stadtverwaltung richtet man sich auf ein längeres Katz- und Mausspiel ein: „Mal sehen, wo der Strich als nächstes auftaucht.” Das Dezernat des federführenden Sozialdezernenten Peter Renzel verweist darauf, dass der Umzug auf den Kirmesplatz doch eigentlich recht reibungslos verlaufen sei und dass die ersten Rückmeldungen der Caritas-Betreuerinnen optimistisch klängen: „Der Platz funktioniert.” Renzel selbst wollte sich auf WAZ-Anfrage gestern nicht äußern.

Das Problem mit den Spannern will die Stadt biologisch lösen: Sobald die Bäume Laub tragen, werde der Sichtschutz besser. Wenn der Wohnwagen-Strich zum Stadthafen weiterzöge, wie im Netz vorgeschlagen („Keine Wohnungen und Schulen, und stille Örtchen gibts genug”), will die Stadt nachsetzen. „Wir werden alles tun, ihn zu verhindern.”

19.03.2009
20:55
Strich wird zum Streitobjekt
von aufklärer | #20

Robster, versteh endlich, auf dem Kirmesplatz fühlen sich viele Freier wie auf dem Präsentierteller!!! Siehe auch Fernsehbeitrag im ZDF. Mag sein, dass hier einige den Platz annehmen, aber erst heute haben sich 10 neue Wohnwagen endlang der Gladbecker Straße angesiedelt. Jetzt wird die Undercover-Szene rund durch den Essener Norden geschickt. Fazit: 400.000 Euro für zwei parallele Strichstriche...die Hauptstadt im Ruhrgebiet hat wirklich viel zu bieten!!!!

19.03.2009
19:40
Strich wird zum Streitobjekt
von Robster | #19

Danke für die Aufklärung über die Zusammenhänge der christdemokratischen Weltverschwörung zur Verbannung des Straßenstrichs. Polizei, Ordnungsamt, Sozialverbände, alle von Herrn Renzel ferngesteuert, genau! Aufwachen...so ein Schwachsinn! Es geht hier um ein einigermaßen adäquates Umfeld für den Straßenstrich, in dem ein gewisses Maß an Sicherheit und sozialer Betreuung erreicht werden kann. Herr Paß will ja nun einen stadtweiten Konsens, bin gespannt, wo Zuhälter und Zwangsprostituierte sich gerne aufhalten möchten. Der Kirmesplatz ist eine gute Lösung, besser als die Pferdebahn allemal.

19.03.2009
17:49
Strich wird zum Streitobjekt
von aufklärer | #18

An Robster: wer steckt denn hinter dem Verein katholischer Frauen??? CDU-Renzel..wow was für ein Wunder....

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