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Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert

26.06.2012 | 17:53 Uhr
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
Zwei Historiker, zwei Meinungen: die Ratsherren Hans Schippmann (li., CDU) und Walter Wandtke (Grüne) trafen aufeinander. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Bei „Essen kontrovers“ ging es erneut um die Umbenennung der Von-Seeckt- und der Von-Einem-Straße. Empörte Anwohner pochen weiter auf Mitsprache. Als „Versager“ titulieren sie die Stadtteilpolitiker, die ihre Entscheidung verteidigen.

„Geschichte lässt sich nicht korrigieren, sie ist einfach passiert und wir müssen damit leben“, sagt CDU-Ratsherr Hans Schippmann beim Diskussionsforum „Essen kontrovers“ - und plädiert für Vorsicht bei Straßenumbenennungen. Gemeinsam mit dem Grünen-Ratsherr Walter Wandtke und dem Münsteraner SPD-Ratsherr Michael Jung ist er der Einladung in die Volkshochschule gefolgt, die unter der Überschrift „Straßen(um)benennungen - endet die Erinnerung an der Haustür?“ zur Debatte geladen hatte. Dass dieses Thema unverdrossen die Gemüter bewegt, zeigt sich an der Resonanz: Mehr als 70 Essener Bürger und Stadtpolitiker sind gekommen.

Gedacht als grundsätzliche Diskussion über die Kriterien von Umbenennungen sind die Teilnehmer schnell beim aktuellen Problem: Die von der Bezirksvertretung II beschlossene Umbenennung der Von-Seeckt und Von-Einem-Straße in Rüttenscheid. Bereits nach den ersten Wortbeiträgen zeigt sich, wie verhärtet die Fronten sind, wie unversöhnlich sich Pro und Contra gegenüber stehen. Von „Unverhältnismäßigkeit der Mittel“ sprechen die Gegner und vom „Auslöschen der Geschichte“. Als „Versager“ titulieren sie die Stadtteilpolitiker, die ihre Entscheidung verteidigen. Befürworter werden ausgebuht, wenn sie auf die antidemokratische Gesinnung der beiden umstrittenen Generäle hinweisen.

450 Unterschriften „missachtet“

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Hindenburgstraße ebenfalls in der Kritik

Die Hindenburgstraße gilt ebenfalls als prekärer Straßenname, die Grünen schlagen vor, sie neu nach Gustav Heinemann zu benennen. Hindenburg, so die Begründung, sei ein Totengräber der Weimarer Republik und faktisch ein Steigbügelhalter der Nazis gewesen. Bislang scheiterte eine Umbenennung.

Eher besonnen reagieren die drei Politiker auf dem Podium: „Es geht nicht um Geschichtsveränderung sondern um Erinnerung“ sagt Michael Jung, „und um die Frage, an wen wir erinnert werden möchten.“ Auch in Münster hat die vom Rat der Stadt beschlossene Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz hohe Wellen geschlagen. Jetzt werden die Bürger dort im Herbst darüber abstimmen.

Genau das fordern auch die Anwohner der beiden Rüttenscheider Straßen. „Es wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden, dass empfinde ich als Antidemokratie“, sagt eine Anwohnerin der Von-Seeckt-Straße und erinnert an die 450 Unterschriften der Gegner, die „missachtet“ worden seien.

„Straßen sollten zukünftig nicht mehr nach Personen benannt werden“

Da hilft es auch nicht, wenn Walter Wandtke auf das demokratische Recht der gewählten Bezirksvertreter hinweist, die auch über die Straßennamen entscheiden können. Eine Bürgerbefragung , meint er, könne nicht die Entscheidung der Bezirksvertretung ersetzen. Die Essener Grünen seien immer dafür eingetreten, den beiden Straßen ihre ursprünglichen Namen Ortrud- und Irmgardstraße zurückzugeben, daher könne ihr Votum niemanden überraschen.

Neue Argumente für oder gegen die Umbenennung oder gar eine Lösung, mit der beide Seiten leben könnten, scheinen nicht in Sicht. „Wenn ich die Diskussion hier und in meiner Heimatstadt erlebe, bleibt mir eigentlich nur ein Fazit: Straßen sollten zukünftig nicht mehr nach Personen benannt werden“, resümierte Michael Jung.

Vera Eckardt


Kommentare
16.04.2014
22:43
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von hansjoerg9 | #24

Da hilft den Bewohnern nur, selber ein Schild mit dem alten Straßennamen anzubringen und auf dem alten Straßennamen zu bestehen. Aber warum dürfen Straßen nicht nach alten Generälen benannt werden, wenn diese für die Ehre unseres Landes gekämpft haben?

18.07.2012
10:27
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von Lubby100 | #23

Strassen umbenennen ? Nach so vielen Jahren? Habt Ihr Politiker keine anderen Sorgen ? Ihr habt sie nicht mehr alle beisammen !,

27.06.2012
17:58
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von sprichdichaus | #22

Die Grünen sind schon immer für eine Umbenennung eingetreten die Strassen wieder in Ortrud und Irmgardstrasse umzunennen ? Muß bis Dato geheime Komandosache von Grünen und deren Parteifreunden gewesen sein . Auch die Auslegung wir als Stadtteilpolitiker haben das alleinige Recht über Strassennamen zu entscheiden klingt nicht gerade nach Bürgernähe und demokratischem handeln ( wie man es auch einigen Namensträgern unserer Strassen und Plätze nachsagt). Eine Bürgerbefragung besser ein Bürgerbegehren sollte hier zugelassen und auch durchgeführt werden.

1 Antwort
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von 1980yann | #22-1

Bisher stand vor allem die Hindenburgstr. im Zentrum dieser Aktivitäten - bei von Seeckt und von Einem gelang aber nur früher die Einigung.
Die Homepage der Essener Grünen liefert mir als frühesten Such-Treffer zum Thema Umbenennungen den Mai 2009. Also vor der Wahl ... das ging auch damals schon durch die Presse. Wer also unbedingt sicherstellen wollte, dass zweifelhafte Persönlichkeiten weiterhin die Straßenschilder Essens besudeln, hatte 2009 die Möglichkeit Parteien zu wählen, die keinesfalls mit den Grünen zusammenarbeiten.

Im Übrigens nennt der Artikel auch eine Anfrage an die Stadtverwaltung von 1992, die damals von Verwaltungsseite so beantwortet wurde, dass es bis zu 60 problematische Straßennamen in Essen gebe ... die damaligen Mehrheiten haben nichts unternommen! Die Frage des Versagen dürfte doch damit hinreichend geklärt sein.

27.06.2012
14:31
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von vivalavida | #21

Diese Straßen heißen seit Jahrzehnten so und keiner hatte ein Problem damit.
Warum ist eine Umbenennung im Jahr 2012 so wichtig?
Der ganze Blödsinn kostet doch nur Geld, das sowieso nit in Essen voranden ist.
Warum haben unsere Bezirksvertreter eigentlich keine wichtigeren Probleme?

27.06.2012
13:09
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von bloss-keine-Katsche | #20

Traurig, immer wieder diese Gestrigen.
Soziale Demokratie, Würde des Menschen, von Deutschland darf kein Krieg mehr ausgehen, ...
unsere Gründungseltern hatten viele Ideen nach den zwei begonnnenen und verlorenen Kriegen der Deutschen im letzten Jahrhundert.
In diesem Gedenken sollten wir weiter machen, sollten mit denen, die mit "Hurra!! Hurra!!!" Kaiser und Führer in die Kriege folgten und Millionen in den Tod und Verderben führten, endlich Schluss machen, sie aus den Starßenbildern und Plätzen unserer Städte verdammen. Und endlich im Geschichtsunterricht aufklären
Dass dies notwendig ist sieht man ja an der relativ kritikfreien Teilnahme deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen weit weg der deutschen Heimat und deutschen Bodens. Da weder das deutsche Staatsfernsehen, noch dei Presse nachhaltig Täter und Ursachen dieser beiden Weltkriege beleuchtet, ist es wichtig, dass verantwortungsvolle Bürger sich der Sache und des (verkehrten) Gedenkens annehmen.

27.06.2012
12:07
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von nothdurft | #19

Wofür werden die bezahlt, für solchen Hohn an den Bürgern. Diese Leute sind überflüssig wie ein Kropf. Die Stadt muß sparen , warum werden diese Stellen nicht gestrichen.
Muß die Daseinsberechtigung mit so unwichtigen Namenmsänderungen bewiesen werden. Schon mal überlegt, was eine Namensänderung mit all den hochbezahlten Stadtschreibern eigentlich kostet. Das ist ein Fall für den BUND DER STEUERZAHLER:

27.06.2012
11:58
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von DrDr | #18

"Richtungspolitik", "schmierige Kampagnen", "Einhalt Gebieten", "feuchte, parteipolitische Träume" - Eimerweise Unflat

1 Antwort
zwei akademische Grade?
von eimerweise | #18-1

...oder doch nur schlechte Kinderstube? Wer versucht, seine Mitbürger zu beleidigen hat offenbar nichts zu sagen. Schade, daß die Redaktion Ihren Beitrag nicht einfach löscht.

27.06.2012
11:35
Ein Namensverbot scheint unausweichlich,...
von eimerweise | #17

...wenn Parteipolitiker ihre (meist schnell vorübergehende) Macht ausnutzen, um möglichst viel "Richtungspolitik" in unserem Wohnumfeld zu manifestieren.
Solche Politiker brauchen wir nicht - wir sind besser beraten wenn die Menschen, die wir dafür bezahlen, daß sie unsere Stadt verwalten sich um die dringend notwendigen Aufgaben kümmern. Das Interesse an solch schmierigen Kampagnen zeigt auf, daß diese Menschen völlig unausgelastet sind, während sie die Kommune ausbluten lassen.
Ein Namensänderungsverbot für Strassen könnte Einhalt gebieten und die feuchten parteipolitischen Träume beenden.

27.06.2012
10:05
Streit um Umbenennung von Essener Straßen eskaliert
von bigkahuna | #16

"Befürworter werden ausgebuht, wenn sie auf die antidemokratische Gesinnung der beiden umstrittenen Generäle hinweisen."
Von denen, die sich als demokratisch gewählte Anwohner fühlen und daraus das Recht ableiten, für die Benennung von Strassen zuständig zu sein.

27.06.2012
10:02
Die Wutanwohner
von bigkahuna | #15

meinen doch nicht im Ernst, daß sie es sind, die über die Strassen der Stadt Essen zu bestimmen hätten?
Doch ?
Lustig!

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