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Streit um Stadttochter RGE zieht Kreise

22.01.2015 | 00:12 Uhr

Markige Sprüche gehören gewöhnlich zum Geschäftsgebaren von Gewerkschaftern. Doch wenn Essens Verdi-Chef Lothar Grüll zu den Zuständen bei der städtischen Dienstleistungsgesellschaft RGE befragt wird, dann spricht daraus mehr als nur taktisches Gehabe.

Grüll hat, wie man so schön sagt, den Kaffee auf. Und seine Drohung, an die RGE-Spitze gerichtet, ist unmissverständlich: „Solange die ihre Beschäftigen bescheißen, werden wir hinter ihnen her sein.“ Verdi kämpft dafür, die RGE in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes zu bringen. Für viele der 1500 Beschäftigten würde damit ein deutlich höherer Lohn herausspringen.

Doch der Gesprächsfaden zwischen Verdi und der RGE darüber ist seit langem gerissen. „Das ist hier ein Spiel, was wir spielen“, sagt Grüll an die Adresse von RGE-Geschäftsführer Klaus Wieschenkämper gerichtet, dem er vorhält, die Gewerkschaft immer wieder hingehalten zu haben.

Zuletzt gipfelte der Machtkampf im juristischen Streit um die jüngsten Betriebsratswahlen, die Verdi mit Erfolg vor Gericht angefochten hat. Im Betriebsrat selbst hat Verdi momentan recht wenig zu sagen, hofft nun auf mehr Einfluss. Denn das Gremium wird von Wieschenkämpers Bruder Andreas geführt und hat nach Meinung von Verdi schon allein deshalb eine viel zu große Nähe zur Geschäftsführung.

Die Zuspitzung des Streites beunruhigt nun offensichtlich auch die Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (EVV). Die EVV ist die Holding, unter deren Dach die städtischen Töchter organisiert sind – somit auch die RGE. Mit der aktuellen EBE-Affäre hat die EVV ohnehin schon genügend Ärger im Haus.

EVV-Chef Dirk Miklikowski, der auch im RGE-Aufsichtsrat sitzt, hat vergangene Woche sein Gesprächsangebot an Grüll erneuert. „Wir müssen das Thema befrieden“, sagte er. Auch Grüll zeigte gestern Bereitschaft, sich an einen Tisch zu setzen. Doch die Kuh ist damit noch lange nicht vom Eis. Miklikowski machte schon im Vorfeld deutlich, dass man die Maximalforderung der Gewerkschaft nicht akzeptieren könne. „Wir müssen sicher stellen, dass die RGE langfristig überlebensfähig ist“, sagte er. Derzeit erwirtschaftet die RGE jährlich einen Gewinn von etwa zwei Millionen Euro. Für Grüll steht fest, dass man daraus eine Tariferhöhung locker zahlen könnte. Doch das würde den Gewinn der RGE nachhaltig drücken und somit den Ergebnisbeitrag der EVV, den diese an die klamme Stadtkasse zu leisten hat. Miklikowski sitzt somit zwischen den Stühlen: „Die Jahresergebnisse der RGE werden gebraucht, um die Konsolidierungserwartungen der Stadt an die EVV erfüllen zu können.“

Er wirbt daher um einen Kompromiss. „Fordern, aber nicht überfordern“, müsse das Thema sein. „Verdi verbreitet derzeit allerdings nicht gerade die Gesprächskultur, die man sich wünschen würde“, spielt Miklikowski den Ball zu Verdi zurück.

Janet Lindgens

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2015-01-22 00:12
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