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Streit um Grundschul-Plätze in Essen

04.02.2011 | 19:24 Uhr
Streit um Grundschul-Plätze in Essen
42 Kinder wurden an der Johann-Peter-Hebel-Schule in Überruhr angemeldet. Nun sollen katholische Kinder auf ihren Platz an der Schule verzichten, damit kein nicht-katholisches Kind zur katholischen Schule muss. Foto: Walter Buchholz

Essen.   In Essen protestieren Eltern, weil einige Grundschulen keine weiteren Kinder aufnehmen dürfen. In Borbeck sollen Kinder von einer Konfessionsschule an eine Gemeinschaftsgrundschule wechseln - in Überruhr ist es umgekehrt. Die Empörung ist groß.

Eigentlich müsste man nur den Ratsbeschluss nachlesen. Doch wer tut das schon, bevor er sein Kind an einer Grundschule anmeldet. „Das kann man den Eltern auch nicht vorwerfen“, sagt Annette Görgens-Pfeiffer vom Schulamt. Und so gibt es jedes Jahr geregelten Ärger, weil die Schulen einige Anträge ablehnen – und die Stadt als Ersatz genau die Grundschule anbietet, auf die das Kind auf keinen Fall soll. So geschehen auch in diesem Jahr, vor allem in Überruhr und in Borbeck.

Stadtrat hat die Zahl der Eingangsklassen an jeder Schule genau festgelegt

Übrigens mit jeweils verkehrten Vorzeichen: Während sich in Borbeck Eltern darüber aufregen, dass ihre Kinder von einer Konfessionsschule an eine Gemeinschaftsgrundschule wechseln sollen, sind es in Überruhr die Eltern von Gemeinschaftsschülern, die nicht auf eine katholische Schule möchten. Einen „Skandal“ vermuten die Linken. Dabei hat der Stadtrat die Zahl der Eingangsklassen an jeder Schule genau festgelegt. 42 Kinder wurden an der Johann-Peter-Hebel, 48 an der gegenüber liegenden Suitbertschule angemeldet, ergibt in der Summe drei Klassen, zwei für Suitbert, eine für Johann-Peter-Hebel.

Empörung in Überruhr

Ein Jahr vor der Fusion zur Gemeinschaftsgrundschule Überruhr will aber offenbar keiner zur katholischen Grundschule wechseln, die Empörung ist groß, vor allem bei muslimischen Eltern. „Vielleicht können ja ein paar katholische Kinder auf ihren Platz an der Johann-Peter-Hebel-Schule verzichten“, hat Annette Görgens-Pfeiffer den Schulleitern vorgeschlagen, „damit kein nichtkatholisches Kind zur katholischen Schule muss“. Sonst bliebe nur das Ausweichen auf eine weiter entfernte Gemeinschaftsschule.

Es gilt der bindende Ratsbeschluss

In Borbeck läuft’s genau umgekehrt: Die übervolle Dionysiusschule soll quasi eine Klasse an die aufnahmefähige Dürerschule abgeben. Deren Bestand hat der Rat zugesichert – und das geht nur, wenn man die Überhänge an den katholischen Schulen in Borbeck zur Dürerschule schickt, die zwei Klassen bilden soll. Auch hier ist die Empörung groß, „aber es gilt der bindende Ratsbeschluss“, heißt es im Schulamt.

Keine Regel ohne Ausnahme: Die katholische Eichendorffschule darf tatsächlich eine dritte Eingangsklasse bilden. Aber nur, weil die Gemeinschaftsschule Bedingrade-Schönebeck ebenfalls randvoll mit Kindern ist. Für diesen Fall stand dann aber auch nichts im Ratsbeschluss.

Hans-Karl Reintjens

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Kommentare
21.02.2011
16:53
Streit um Grundschul-Plätze in Essen
von amo17 | #12

Ich finde diese Diskussion schon äußerst sonderbar.
Meiner Meinung nach wird die Religion als Vorwand benutzt, um eine entsprechende Schulwahl zu begründen. Was würde man denn auf einem Dorf mit nur einer Schule machen?

Egal ob ich tief religiös bin (Christlich, muslimisch, ...) oder überzeugter Atheist, ist es eine religiöse Bildung unverzichtbar.
In jedem großen Unternehmen, das international tätig ist, ist entsprechende kulturelle Bildung Voraussetzung für ein erfolgreiches Handeln.
Häufig wurde die Religion instrumentalisiert, wenn man dem aber begegnen will, muss man entsprechende Kenntnisse erwerben.

06.02.2011
21:03
Streit um Grundschul-Plätze
von dr.einnstein | #11

@1 von Rabenvater
Sie haben da anscheinend etwas nicht verstanden.

Man kann das ja richtig finden, wenn die Stadt konfessionell gebundene Grundschulen unterhält, obwohl das eigentlich keinen Sinn macht.

Aber wo ist die Logik, wenn man nichtkatholische Kinder zwangsweise auf eine katholische Schule schickt, wo sie zwangsweise am katholischen Religionsunterricht teilnehmen müssen?

Das hat doch nichts mit Integration zu tun.

Auch wenn das zu Konflikten mit den Kirchen führen wird: Auf Dauer ist dieses System nicht zu halten. Konfessionelle Schulen in kirchlicher Trägerschaft - ok, aber konfessionelle Schulen, die komplett vom Staat unterhalten werden sind ein Anachronismus.
Das sage ich als Katholik, der sich von der Anti-Kirchen-Hetze das Herrn 1980yann ausdrücklich distanziert.

06.02.2011
15:48
Streit um Grundschul-Plätze
von 1980yann | #10

@9
Zumindest gibt es gegen die gegenwärtige Schulproblematik kein Verfassungsgerichtsurteil, einer entsprechenden Prüfung musste dieses fragwürdige System aber auch bisher nicht über sich ergehen lassen.

Und nur weil etwas möglicherweise verfassungsgemäß sein könnte, heißt das nicht, dass es automatisch wünschenswert und richtig ist.
Ideologiefreie, wohnortnahe Schulversorgung sollte in NRW eigentlich schon gewährleistet werden. Es ist einfacher einem neutral beschulten Kind nachmittags noch christliche Botschaften einzutrichtern, als bei einem christlich beschultem Kind diese absurden Vorstellungen wieder aus dem Kopf zu kriegen.

06.02.2011
12:25
Streit um Grundschul-Plätze
von HagedornsErbe | #9

zu 8:
Die Frage ist nicht ob einfach oder kompliziert. Die Frage ist auch nicht was der einzelne wünscht. Die Frage ist, ob die gegenwärtige Situation der Verfassung von NRW entspricht und dass tut sie.

05.02.2011
23:38
Streit um Grundschul-Plätze
von 1980yann | #8

@7
Ich weiß durchaus, was eine konfessionelle Grundschule in städtischer Trägerschaft ist - ich habe in den 80ern selber eine besucht. 4 Jahre lang.

Da werden auf städtische Kosten den Kindern absurde Gerüchte (jungfräuliche Geburt, Wiederauferstehung) als nicht hinterfragbare Tatsachen untergejubelt - eine Abmeldung vom Religionsunterricht ist freilich nicht möglich. Und eine alkoholkranke Rektorin konnte sich nicht mal gegen die dekorative Darstellung barbarischer Hinrichtungsmethoden an der Klassenzimmerwand durchsetzen.
In kirchlicher Trägerschaft (und aus kirchlichen Mitteln finanziert) darf es ja so einen Spuk gerne weiterhin geben, aber doch nicht finanziert aus den Steuern aller! In anderen Bundesländern ist so etwas selbstverständlich.
Vor allem, wenn der Stadt dann die Mittel fehlen, um die neutrale Grundversorgung wohnortnah zu gewährleisten. Moderne Schulgebäude (ich kann das im Fall der Dionysiusschule nicht beurteilen), sollten aber dann auch von der Stadt weiterbetrieben werden - und zwar in einer Form, in der sie für alle Familien einen Wert darstellen.

05.02.2011
22:40
Streit um Grundschul-Plätze
von SaRad | #7

#6 wir sind evangelisch und das Schulamt besteht dann auf die Abweisung
Wir sind aber nicht alleine, es sind weitere 6 Familien wo die Kinder an zwei unterschiedlichen Schulen gehen soll.

#5 Ich kann Ihnen einen guten Therapeuten empfehlen. Denn Idoktrinationen gibt es hier im Westen seit 66 Jahren und im Osten seit 20 Jahren nicht mehr.
Kennen Sie die Kozepte dieser Schulen überhaupt ? Oder sind Sie nur ein sachkundiger Bürger der nicht mit bekommt, dass wir in einer Demokratie leben. Die Eltern sollten entscheiden dürfen (ach entschuldigung das dürfen sie ja schon) welche Schulform sie für Ihr Kind haben wollen. Gerade die gegensätzlichen Entscheidungen zwischen Überruhr und Borbeck zeigen doch was die ELTERN wollen, somit die Bürger somit die Wähler. Im übrigen hat die Dio-Schule genügend Kapazität und das Gebäude ist eine der modernsten Schulen in Essen.
Nicht nur Phrasen dreschen, sondern auch mal an der Basis die Eltern und Kinder befragen !!!

05.02.2011
17:26
Streit um Grundschul-Plätze
von Rabenvater | #6

#4
Ihre Wut ist gut nachzuvollziehen. Der Elternwille wird mit Füßen getreten. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, warum viele Eltern ihre Kinder nicht zur Dürerschule schicken wollen, will man um jeden Preis eine unattraktive Schule erhalten. In Rüttenscheid sieht es ähnlich aus. Die kath. Andreasschule könnte locker eine dritte Eingangsklasse anbieten, weil sie in jedem Jahr so viele Anmeldungen hat. Aber die Dreizügigkeit wird nicht genehmigt, weil dann ja die Sternschule leidet. Zu Ihrem konkreten Fall: Wenn Sie bereits ein Kind auf der Dionysiusschule haben, wieso gilt dann für Ihr zweites Kind kein Geschwisterbonus?

05.02.2011
17:07
Streit um Grundschul-Plätze
von 1980yann | #5

Die Konfessionsschulen machen die Grundschullandschaft in Essen nur unnötig kompliziert und gehören abgeschafft / umgewandelt. Auch Gemeinschaftsgrundschulen bieten Religionsunterricht an - leider auch auf staatliche Kosten - aber hier ist er freiwillig. Religiöse Unterweisung sollten die Kirchen auf eigene Kosten anbieten. Entweder separat im Nachmittagsbereich oder durch Übernahme der Trägerschaft für konfessionelle Schulen.

Die Stadt Essen braucht endlich ein flächendeckendes Netz religionsunabhängiger Grundschulen mit ausreichender Kapazität. Eltern, die sich das wünschen, können mit ihrer Gemeinde ja über Indoktrinationsangebote außerhalb der Schule reden. Es liegt ja durchaus in deren Interesse die künftigen Kirchensteuerzahler zu berieseln.

05.02.2011
11:06
Streit um Grundschul-Plätze
von SaRad | #4

Die Dio-Schule ist nicht übervoll, sie könnte eine dritte 1.Klasse wie jedes Jahr bieten. Die Räumlichkeiten und auch die personelle Ausstattung sind vorhanden.
Aber anscheinend möchte man die Kinder von der baulich modernsten Schule auf eine in der Sanierung befindliche Schule umdirigieren. Uns Betroffene kommt es so vor, als wenn man nur viel Geld und einen Namen haben muss, dann wird eine Zwergschule zur GROSSEN Gemeinschaftsgrundschule. Die Dürerschule stand mehrfach vor dem Aus und auch dieses Jahr haben sich viele Eltern gegen diese Schule entschieden. Es gab an der Dürerschule nur 25 Anmeldungen. Hingegen hatte die Dionysisusschule 98 Anmeldungen und musste 36 Kinder gemäß des Ratsbeschlusses abweisen.

Was mir in dem Artikel auch noch fehlt, ist die Käthe-Kollwitz-Schule. Diese bekommt merkwürdigerweise jedes Jahr eine dritte 1. Klasse.

Ja, ich bin eine betroffene Mutter. Wir haben schon ein Kind an der Schule und sollen nun laut Schulamt an die Dürerschule oder eine andere Schule gehen. Allerdings fordert die nette Dame aus dem Schulamt einen auf es doch erst bei der Dürer zu versuchen, die anderen wären auch voll. Das ist organisatorisch unmöglich und unverständlich wie hier der Elternwille mit Füßen getreten wird.

Was auch keine weiss: Wenn wir unser Kind an einer Schule anmelden, die uns auf Grund der Entfernung aufnehmen muss (z.B. Höltingschule) wird an dieser Schule dann jemand anderes abgewiesen. Somit startet das Anmeldekarussell, denn die dort abgewiesenen Eltern gehen dann an die nächste Schule usw.

Wir tauschen uns mit den anderen abgelehnten Eltern aus und haben inzwischen von unserem Recht des Widerspruchs gegen den Bescheid Gebrauch gemacht. Bei einer Ablehnung des Bescheides werden wir den Rechtsweg einschlagen.

WIR WOLLEN DIE DRITTE 1.KLASSE FÜR DIE DIO-SCHULE !

05.02.2011
10:53
Streit um Grundschul-Plätze
von olude | #3

Richtig, Meriadoc, wo bleiden denn die jammernden Politiker nach mehr Bildung? Kleinere Klassen, das waere doch mal ein Anfang.

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