Streit über Toilette für Trinkerszene am Handelshof entbrannt

Der Willy-Brandt-Platz ist das Eingangstor zur Essener Innenstadt. Eine Toilette passt hier nach Meinung von Kritikern nicht ins Stadtbild.
Der Willy-Brandt-Platz ist das Eingangstor zur Essener Innenstadt. Eine Toilette passt hier nach Meinung von Kritikern nicht ins Stadtbild.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Nach den Bedenken von Planungsdezernent Best rümpft nun auch der Einzelhandelsverband die Nase. Er sorgt sich, dass sich die Trinkerszene dort verfestigt.

Essen.. Eine Lösung schien nach jahrelanger Diskussion plötzlich gefunden zu sein. Doch gegen eine öffentliche Toilette vor dem Handelshof wächst der Widerstand. „Ein mobiles WC in dieser exponierten Lage und noch dazu unter der leuchtenden Überschrift Einkaufsstadt Essen – das geht gar nicht“, wetterte der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Marc Heistermann. Er springt damit Planungsdezernent Hans-Jürgen Best zur Seite, der große Bedenken aus städtebaulicher Sicht hat. Ein Toilettenwagen vor einem denkmalgeschützen Gebäude am Eingangstor der Stadt?

Doch Heistermann geht es nicht nur um das Stadtbild. Vielmehr befürchtet er, dass die Trinkerszene am Willy-Brandt-Platz damit „zementiert“ würde. Heistermann fühlt sich in der Diskussion Jahre zurückversetzt, als es um die Bänke auf dem Platz ging. Statt damit die Kunden auf den Platz zu locken und die Szene unter Beobachtungsdruck zu setzen, richtete sich die Bierflaschen-Fraktion dort ein. Die Folge: Die Bänke wurden abgebaut.

CDU kritisiert Planungsdezernet

Eine Lösung für das wilde Urinieren im Umfeld es Handelshofes hat auch der Einzelhandelsverband nicht. Heistermann würde es am liebsten sehen, wenn die Stadt mit regelmäßigen Kontrollen die Szene mürbe macht und sie auf diese Weise vertreibt. Doch dieser Hoffnung hat Ordnungsdezernent Christian Kromberg zuletzt erneut eine Absage erteilt und auf die dünne Personaldecke verwiesen. Heistermann nennt das eine „reine Bankrotterklärung“.

Die CDU legte in dem aufbrandenden Streit gestern ebenfalls nach. Sie forderte Planungsdezernent Best auf, statt bloßer Kritik Lösungsvorschläge zu liefern. „Die Stadtverwaltung hat die Situation am Willy-Brandt-Platz und am Heinrich-Reisner Platz viel zu lange toleriert, sodass sich dort eine Trinker- und Drogenszene verfestigen konnte“, so Fabian Schrumpf, ordnungspolitischer Sprecher.

Unterschiedliche Interessenslagen brechen auf

An der Toilettendiskussion brechen momentan ganz unterschiedliche Interessenslagen auf: Die Geschäftsleute haben die Hoffnung auf eine generelle Besserung der Lage fast aufgegeben. Sie wollen wenigstens dem wilden Urinieren vor ihren Häusern Einhalt gebieten. Derzeit nutzt die Trinkerszene vor allem einen Fluchtschacht des Kaufhofes direkt vor dem Handelshof für ihre Bedürfnisse. Eine Zumutung für Passanten und Anrainer gleichermaßen. Der Schacht soll noch dieses Jahr geschlossen werden. Wenn es jedoch kein Angebot im Umfeld gibt, wo sollen die Leute ihre Notdurft dann verrichten, fragen sie. Die Stadt ist nicht bereit, auf eigene Kosten eine Toilette aufzustellen. Die Geschäftsleute befürworten einen mobilen Toilettenwagen mit Putzfrau, um eine gewisse Kontrolle zu haben. Denn die Toilette soll nicht nur für die Trinkerszene offen sein. Die Kosten werden auf einen höheren fünfstelligen Betrag pro Jahr geschätzt.

Neben den Hotelbetreibern hat sich bisher vor allem der Unternehmer Stefan Tigges bereit erklärt, das WC mit zu sponsern. Doch Tigges verfolgt seine eigenen Interessen. Der Busunternehmer braucht die Toilette für die Gäste seiner Stadtrundfahrten. Er weiß, dass er nur Mitstreiter findet, wenn er die Toilette auch der Öffentlichkeit und der Trinkerszene öffnet. Die Leser dieser Zeitung sind jedoch skeptisch. In der Online-Umfrage zeigte sich, dass sie mehrheitlich bezweifeln, dass die Trinkerszene eine Toilette überhaupt annehmen würde.