Stilvoll Scheitern

S
eien wir mal ehrlich: Es ist ungleich einfacher, in einer Sache erfolgreich zu sein, als in Würde zu scheitern. Die Kunst einer stilvollen Niederlage hat meine kleine Cousine noch nicht so recht gelernt. Jede Partie „Mensch ärgere dich nicht!“ gerät mit ihr zur echten Nervenprobe – sie betuppt die übrigen Mitspieler dabei wie der Kopf einer betrügerischen Drückerkolonne und wenn sie verliert, ist Schluss mit lustig. Dabei handelt es sich bei der Mutter aller Gesellschaftsspiele doch eher um ein Glücksspiel und die wahren Härten des Lebens dürfte die nunmehr Zehnjährige noch kennenlernen.

Vielleicht sollte sie sich ein Beispiel an einer gewissen Ann Sophie Dürmeyer nehmen – jener bedauernswerten Künstlerin, die beim diesjährigen Grand Prix für Deutschland den letzten Platz belegte. „Germany, zero points“ – das war eine bittere Schmach, doch die Sängerin trug es mit Fassung und entwaffnender Selbstironie: Den Siegersong parodierte sie mit den Zeilen „Wir sind die Nullen unserer Zeit“ und trat humorvoll die Flucht nach vorn an. Sollte sich meine Cousine mal eine Scheibe von abschneiden.