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Stillleben nach Rosenmontag bei Essens Karnevalisten

26.02.2012 | 09:42 Uhr
Stillleben nach Rosenmontag bei Essens Karnevalisten
Die Wagen des Rosenmontagsumzuges 2012 der Essener Karnevalsgesellschaften lagern nach dem Umzug in einer Halle auf dem Gelaende der Essener Jugendhilfe. Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Die Ruhe nach dem Sturm ist bei den Essener Karnevalisten eingekehrt. Neue große Mottowagen wird es wohl in Zukunft kaum noch geben. Der Fuhrpark der nun vergangenen Saison hat Einzug in die Garagen der Stadt gehalten.

Wer dieser Tage den Hinterhof der Jugendhilfe Essen betritt, der findet hier... Ruhe. Wo vor einer Woche noch hektisches Treiben und angespannte Vorfreude herrschte, da regiert nun das Stillleben. Hier ruhen seit Montagabend 18 Wagen des Rosenmontagszugs .

„Bis 20 Uhr standen die Wagen alle wieder an ihrem Platz, seither war kaum noch jemand hier“, erzählt Hallenwart Günther Teichmann. Bei der Begehung der eng aneinander gereihten Wagen findet sich dann auch noch so einiges. Leere Bierflaschen hier, Rest-Kamelle da. „Einige Vereine lassen ihr Wurfmaterial bis drei Tage vor dem nächsten Zug im Wagen“, lacht Oliver Weiß, Sprecher des Essener Festkomitees. Entsorgt wird der Süßkram natürlich trotzdem noch. „Abgelaufene Süßigkeiten sind absolut verboten, wer sie dennoch wirft, wird ausgeschlossen“, stellt Weiß klar. Schließlich möchte man Skandale wie in Wattenscheid, wo Kamelle verteilt wurde, die seit neun Jahren abgelaufen war , vermeiden.

Motive in Düsseldorf und Köln sind schon verschrottet

Bis es aber zur großen Säuberungsaktion kommt, und die 31. Essener Karnevalsgesellschaften sich wieder ins bunte Wagenbau-Treiben werfen, vergehen jetzt Wochen und Monate. „Kontinuierlich bauen wir dann nach und nach um“, erklärt Zugleiter Wolfgang Brinkmann. Anders in den großen Karnevalshochburgen Düsseldorf und Köln: Hier wurden die Motive längst zerlegt und verschrottet. Für einen Essener Karnevalisten schwer zu ertragen. „Das treibt einem jedes Jahr die Tränen in die Augen“, sagt Oliver Weiss.

Garage für Umzugswagen

Mehrfach schon habe er in Köln angefragt, ob man nicht alte Motive nach Essen fahren und sie so vor der Verschrottung retten könne. „Da ist leider nichts zu machen, die wollen nicht, dass ihre Wagen noch woanders zu sehen sind.“ Hier würde man die aufwendigen Pappkonstruktionen nur zu gerne nehmen. „Ein großer Mottowagen kostet um die 10.000 Euro“, weiß Brinkmann. Geld, dass viele Vereine spätestens seit den verschärften Vorkehrungen nicht mehr haben. Schließlich muss jeder Wagen selbst finanziert werden. Da helfen maximal Sponsoren, doch deren Werbeflächen am Wagen sind begrenzt, damit der kommerzielle Charakter nicht in den Vordergrund rückt. Also muss gespart werden.

Motivwagen werden immer weniger

Seit zwei Jahren gilt das Sicherheitskonzept, nach dem die Dekra Jahr für Jahr die Wagen neu abnehmen muss, außerdem hat deutlich mehr Ordnungspersonal den Zug zu begleiten. Brinkmann zählt auf: „Für jeden Wagen braucht es einen Zugbegleiter pro Rad, außerdem zusätzlich 40 Sicherheitsbeamten.“ Das kostet und machte sich auch beim diesjährigen Zug bemerkbar. „Die Motivwagen werden immer weniger“, sagt Weiß und Brinkmann ergänzt: „Andere Wagen bleiben einfach unverändert, bekommen maximal einen neuen Anstrich.“

Endlich eine warme Heimat

Die 2012er-Modelle bleiben jetzt erstmal in der 800 Quadratmeter großen Halle in Bergerhausen. Wie in einem Parkhaus stehen sie dort Seite an Seite, ausreichend Platz für alle Rosenmontags-Wagen ist jedoch nicht, sagt Oliver Weiss: „Die Halle ist klein, viele Aufbauten stehen bei Privatleuten, drei durften wir in der Gruga unterstellen.“ Meckern möchte er dennoch nicht. Seit dem Umzug vom heutigen Kruppgürtel an die Schürmannstraße vor vier Jahren habe man immerhin eine geschlossene, warme Halle. „Früher waren wir in einem offenen Gebäude, da ist uns die Farbe eingefroren“, erinnert sich Zugleiter Brinkmann.

Unter den neuen Gegebenheiten kann man mit den Arbeiten an neuen Motiven und Ausbesserungen getrost bis Herbst warten. „Einige zimmern dann in 14 Tagen was zusammen, andere Vereine sitzen ein halbes Jahr dran“, weiß Hallenwart Teichmann. Solange aber das neue Motto nicht feststeht, steht die Zeit still in Bergerhausen.

Essener Rosenmontagszug 2012

 

Clemens Boisseree

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Kommentare
26.02.2012
12:31
Stillleben nach Rosenmontag bei Essens Karnevalisten
von scouti | #1

Süßkram entsorgen? Sollten noch frische Kamelle über sein: Solange nicht abgelaufen, Schulen oder Kindergärten zur Verfügung stellen - Sommerfeste gibt es doch bestimmt auch. Also nicht nur entsorgen - bis auf die "ollen Kamellen" natürlich.

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