Stille Tage an der Ruhr

Steele-Horst..  Hier könnte man ewig sitzen und dem träge dahinfließenden Fluss zuschauen: Im BauwagenHotel am Horster Ruhrufer lassen die Gäste Alltagssorgen und Stress schnell hinter sich. Die Großstadt scheint weit entfernt, dabei sind es nur ein paar Kilometer, die die City von diesem idyllischen Ort direkt am Wasser trennen.

Untergebracht auf dem wohl kleinsten Campingplatz Essens stehen hier seit 2008 acht Bauwagen. Bunt angestrichen hören sie auf die Namen Rüttenscheid, Horst, Steele, Kray, Bredeney, Werden, Überruhr und Eiberg. Bredeney ist natürlich der größte: Vier Personen finden hier Platz. An diesem Wochenende ist eine ganze Familie dort untergebracht. „Die Tage an der Ruhr sind ein Kommunionsgeschenk für die Tochter“, weiß Simone Bauer.

Über den Erfolg ihres ungewöhnlichen Hotels ist die Besitzerin des Platzes selbst ein wenig überrascht. Eigentlich hatte die Sekretärin bis 2008 so gar nichts mit Camping am Hut.Dann kaufte ihr Mann das Wassergrundstück an der Ruhr, das, in unmittelbarer Nähe zum einstigen Horster Strandbad, bereits seit den dreißiger Jahren als Zeltplatz genutzt wird. „Wir wollten diese kleine Idylle erhalten und beschlossen, den Platz weiterzuführen und ihn nicht nur für Dauercamper, sondern auch für Touristen zu öffnen.“

Die Idee mit den besonderen Übernachtungsmöglichkeiten ist dem immer wieder auftretenden Hochwasser geschuldet, das die Wiese regelmäßig flutet. Und der immer größeren Nachfrage vor allem von Radtouristen nach einfachen Unterkünften direkt an der Ruhr.

„Kray war unser erster Bauwagen“, erinnert sich Simone Bauer, „dem hat mein Mann selbst entkernt und ausgebaut.“ Weitere Wagen kamen nach und nach dazu, „die meisten haben wir bei Ebay entdeckt“.

Längst hat sich quasi weltweit herumgesprochen, dass es diesen entschleunigten Platz an der Ruhr gibt. „Unsere Gäste kommen aus den USA, Neuseeland und Norwegen.“ Alle Schichten, alle Berufe sind vertreten - vom Malocher bis zum Professor, vom Backpacker bis zur Familie aus Bochum. „Viele machen normalerweise Urlaub im 5-Sterne-Hotel, lieben den Luxus und ferne Länder.“ Gerade diese Gäste schätzen das einfache Leben, weiß die Hotelbesitzerin.

Ankommen und Abschalten, das kann man an diesem Ort besonders gut. Drumherum ist es nur Grün, die Vögel zwitschern, die Bäume rauschen – mehr hört man nicht.

Inzwischen ist die Nachfrage enorm gestiegen, sind die zehn bis 16 Quadratmeter großen Wagen den ganzen Sommer fast ausgebucht. Vor allem an den Wochenenden kommen die Industriekultur-Enthusiastenund die Radler. Aber auch Angler und ganz einfach Ruhesuchende sind hier genau richtig.

Die besondere Magie des Platzes hat auch Simone Bauer gefangen. Bislang lebte sie mitten in der Stadt, doch in diesem Frühjahr ist sie mit ihrem Mann endgültig auf den Platz gezogen. Dafür wurde das ehemalige Bootshaus aufwendig um- und ausgebaut. „Ich vermisse die Stadt überhaupt nicht“, sagt sie und schaut entspannt von ihrer großen Terrasse auf den träge dahinfließenden Fluss.