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Spardebatte

Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest

18.01.2010 | 01:00 Uhr
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest

Essen.Dass sein offener Brief an an Oberbürgermeister Paß, den Regierungspräsidenten und Stadtkämmerer Klieve bei der Essener Stadtspitze Unmut ausgelöst hat, löst bei Stefan Soltesz sichtlich Verwunderung aus. Er verteidigt seinen Protestbrief - und weist dezent auf seine Unabhängigkeit hin.

Zwischen Noten- und Aktenbergen im kleinen Büro, mitten in der hektischen Endprobenphase zu Alban Bergs Oper „Lulu“, nimmt sich der Intendant des Aalto-Theaters und Chef der Philharmoniker Zeit zum Gespräch. Es geht einmal nicht um Musik, Ästhetik oder Inszenierungen. Vielmehr stehen Einsparungen, Fusionen, der stetig steigende Kostendruck und sein offener Brief auf der Tagesordnung.

Soltesz betont: „Ich verstehe nicht, dass manche wegen dieses Briefes so wahnsinnig pikiert sind.“ Indem er vor Substanz gefährdendem Sparen warne, nehme er schließlich nur seine Intendantenpflicht wahr. Er stelle sich nach außen vor sein Haus, seinen Arbeitgeber die Theater- und Philharmonie GmbH (TuP) und vor allem vor seine Mitarbeiter, die sich natürlich auch um ihre Arbeitsplätze sorgten. „Ich muss in die Öffentlichkeit gehen, das steht sogar in meinem Vertrag.“

Immer wieder bekräftigt der Aalto-Chef, dass er und sein Haus sich Sparforderungen nicht verschlössen. Das habe man in der vergangenen Jahren bewiesen und nicht nur bei der Verkleinerung des Chores oder beim Orchester, auch im Bereich Technik sei schon Personal abgebaut worden, so dass man die Zahl der Vorstellungen beispielsweise gar nicht mehr erhöhen könnte. „Der Wirtschaftsprüfer gehört fast schon zum Ensemble“, lacht Soltesz, obwohl ihm nach Lachen zurzeit nicht der Sinn steht.

„Kultur ist nicht für Haushaltsmisere verantwortlich“

Und er wiederholt: „Ich habe Verständnis für Politiker, die sparen müssen, aber ich betone, dass die Kultur nicht für die enorme Haushaltsmisere in dieser oder irgendeiner anderen Stadt verantwortlich ist.“ Aber alle Politiker nähmen beim Sparen das Wort Kultur fast immer zuerst in den Mund. Das könne kein Zufall sein. Diesbezüglich habe er aber auch in seinem Brief niemanden als Demagogen bezeichnet, sondern nur den beschriebenen Zusammenhang von Haushaltsmisere und Kultur als „beinahe demagogisch“ bezeichnet.

Von möglicherweise angedrohten „personalrechtlichen Konsequenzen“ seitens des Oberbürgermeisters wegen seiner Äußerungen wisse Soltesz nichts. Sein Vertragspartner sei aber ohnehin der TuP-Aufsichtsrat. Seinen Brief habe er nicht im Affekt geschrieben, sondern wohl überlegt. Immerhin sieht er sich nicht nur von vielen Kulturschaffenden und Verantwortlichen aus der Bildung bestätigt. Selbst Regierungspräsdident Büssow fände es ja offensichtlich gut, dass man auf seine Aussagen reagiert.

Dass er in Essen die „Brocken hinwerfe“, könne er sich nicht vorstellen. Schließlich sei er seit 13 Jahren hier. „Also mache ich das hier offensichtlich gern. Noch bin ich hier und wir spielen. Wenn ich sage, ich könnte überall dirigieren, ist das eine Tatsache, keine Drohung.“ Die Kommunalpolitik müsse formulieren, was für ein Haus sie will. Auf welchem Niveau man spiele, hänge natürlich von den finanziellen Bedingungen ab.

Weniger Geld - das hieße immer auch: weniger spielen. In einem Haus mit so ungewöhnlich hoher Auslastung von über 90 Prozent führe jede Aufführung weniger gleichzeitig zu einem finanziellen Verlust, bei nahezu stagnierenden Fixkosten. Und das, so Soltesz, wäre doch schließlich am unwirtschaftlichsten.

Dirk Aschendorf und Jens Dirksen

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Kommentare
24.01.2010
22:17
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von walzerhimmel | #50

Na, das könnte ja direkt von Solteschs Pressesprecher stammen...
nur, brauchen wir ein 5-Spartenhaus? und ist der Vergleich damit eben schon nicht korrekt, weil es nicht so viele 5-Spartenhäuser gibt?
Und nur kein Mitleid beim Gehalt vom Dirigenten...
Er ist mächtig stolz auf seine Gage und gibt damit auch schon mal gerne an. Also der Vergleich mit Pleitgen und seinem Mitarbeiter, der ist reine Rhetorik.
Und zu 3., hoffentlich endgültig. Hätte nicht ganz so lange dauern müssen, wenn die CDU damals nicht vorschnell seine Verlängerung noch im alten Laufzeitbereich vorgenommen hätte.

21.01.2010
15:04
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von MünchnerKindl | #49

Für alle, die immer wieder in die mit falschen Zahlen gespickte Falle laufen:
1. Die Theater und Philharmonie Essen GmbH ist schon das am kostengünstigsten arbeitende 5-Spartenhaus (Oper, Schauspiel, Ballett, Orchester, Konzerthaus) in Deutschland.
2. Für ein Gehalt, wie es bei der Theater und Philharmonie für Intendanten üblich ist, wären Herr Pleitgen oder Herr Scheytt sicherlich niemals bei ruhr.2010 tätig geworden.
3. Die Ära Soltesz endet planmässig im Sommer 2013.

19.01.2010
23:22
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von walzerhimmel | #48

Die meines Erachtens wichtigste Frage sollte doch lauten: Kann man gute Kulturprogramme und auch das Aalto nicht nen bisken billiger haben? Also, vielleicht einen Intendanten für etwas weniger Knete, engagierte Spieler und Regisseure, die nicht nur Dollar-Schein-Brillen aufhaben etc.
Vielleicht wäre es gut, wenn die Stelle von Soltesz mal mit einem neuen und frischen Intendanten besetzt würde. Soltesz könnte dann mal ausprobieren, ob er wirklich überall dirigieren und mit seinem Mahagonnygeschmack ankommt und ein frischer Intendant könnte dem Aalto neuen Glanz verleihen. Leider läuft sein vorschnell verlängerter Vertrag ja unnötigerweise noch ein Weilchen...

19.01.2010
21:43
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von Karl_Weber | #47

#40
Hier stand meine Bitte an die Moderation, gelöschte Beiträge mit dem Hinweis zu versehen von Moderation entfernt und nicht einfach nur zu löschen. So ist das jetzt in Ordnung.

19.01.2010
20:22
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #46

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.01.2010
19:47
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von Karl_Weber | #45

#35 von anhalter81
Zitat:Ach, diese Diskussion ich darf und Du sollst in ne andere Stadt gehen ist doch blödsinn, oder etwa nicht? Warum soll nicht beides nebenher existieren dürfen?

Endlich sind wir zusammen. Ich würde nie gegen ein Stadion votieren. Wer sich dafür begeistert und engagiert, soll es auch bekommen. Beides kann nicht nur, sondern muss existieren dürfen!

Ich möchte jedoch, dass der andere kulturelle Bereich nicht immer als Sündenbock abgestempelt wird und dass erkannt wird, dass auch hier großartige Arbeit geleistet wird und dass es hier eine große Anzahl interessierter Besucher aus allen Schichten gibt und nicht nur eine kleine elitäre Gruppe.
Ich bin nicht oft, aber immer wieder mal im Stadion und würde mich freuen, wenn Sie auch mal ins Theater gehen würden. Ich empfehle Ihnen das Musical von Andrew Lloyd Webber Jesus Christ Superstar, oder wenn Sie ganz verwegen sind, die Carmen in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf.

Die Karten sind übrigens nicht teurer, als die Sitzplätze im Stadion :-)

19.01.2010
19:40
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von Rompocob | #44

Liebe Mitarbeiter der WAZ: Meinungsmache dieser Art ist für den, der sie erkennt, wirklich widerlich und generell moralisch total verwerflich!

Ist sie nicht - sondern für das Überleben der Stadt entscheidend. Was moralische Verwerflichkeit bedeutet haben die selbsternannten Künster gottseidank in dieser Stadt nicht selber zu bestimmen, sondern zunächst einmal die Bürger der Stadt, welche diese Leute von ihren Steuergeldern durchfüttern müssen.

19.01.2010
19:00
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von Powertower | #43

Man kann der WAZ nur gratulieren! Die Mehrzahl der Beiträge ist noch schlechter, als das Niveau dieser Zeitung. Und Beitrag 36 zeigt, dass die Meinungsmache der WAZ greift! Das Zitat, das als Headliner fungiert, ist im Rahmen des Interviews vollkommen unwichtig; Soltesz aber wird vorab zum Großkotz gestempelt. Nur wenigen fällt dies auf.... Und natürlich muss die WAZ auf dergleichen Seite eine Headline folgen lassen, in der sich Menschen darüber beschweren, dass wohl Schwimmbäder, aber keine Theater geschlossen werden. Liebe Mitarbeiter der WAZ: Meinungsmache dieser Art ist für den, der sie erkennt, wirklich widerlich und generell moralisch total verwerflich!

19.01.2010
17:34
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von Rompocob | #42

„Ich könnte überall dirigieren“ - Ja dann soll er es doch tun. Immer diese Sonderwürste für selbsternannte Künstler und Stars, welche meinen auf Gottbegnadeten-Liste zu stehen.

Von dem Gehalt könnte man wahrscheinlich 10 Kindergärtnerinnen bezahlen.

19.01.2010
15:24
Stefan Soltesz verteidigt seinen Protest
von anhalter81 | #41

Also wenn ich das jetzt mal auf diese dubiose Zahl von 93 Euro pro Karte beziehen würde, heißt das, das ca. 46.500.000 Euro pro Jahr nur für die Kartenzuschüsse ausgegeben werden, oder liege ich da falsch? Also wenn die Stadt jetzt 1x 30.000.000 Euro für das Stadion ausgibt und dann noch geringere Instandhaltungskosten für ein neues Stadion, ist man immer noch günstiger....

Ach, diese Diskussion ich darf und Du sollst in ne andere Stadt gehen ist doch blödsinn, oder etwa nicht? Warum soll nicht beides nebenher existieren dürfen?

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