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Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen

31.05.2012 | 08:00 Uhr
Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen
Hier zieht die Mathematik ein: Obergeschosse des Gebäudes, das im Parterre „Conrad Electronic“ beherbergt, stehen derzeit noch leer. lFoto: Remo Bodo Tietz

Essen.   Die vielen, teils massiven Proteste scheinen vergebens gewesen zu sein: An der Universität Duisburg-Essen ist die Entscheidung gefallen. Die Fakultät der Mathematiker wird künftig nur noch an einem Standort vertreten sein. Alle Mathematiker müssen nach Essen umziehen.

Die Fakultät Mathematik der Universität Duisburg-Essen , eine der elf Fakultäten der Hochschule, wird vermutlich bereits vom kommenden Wintersemester an komplett am Standort Essen organisiert sein. Die Duisburger Fachbereiche wechseln nach Essen . Das hat die Uni-Leitung am Mittwoch beschlossen. Bezogen werden Büroflächen oberhalb von Conrad Electronic an der Altendorfer Straße gegenüber von Ikea.

Die Fakultät ist bislang an beiden Standorten vertreten. Dekan Arnd Rösch, Chef der Fakultät, sitzt in Duisburg. Prodekan Ulrich Görtz, quasi sein Stellvertreter, hat sein Büro in Essen. In Essen sind die Lehrer-Ausbildung und der Bachelor-Studiengang Mathematik vertreten. Hier gibt es rund 3200 Studenten. In Duisburg sind die Studiengänge Mathematik (Master), Wirtschafts- und Technomathematik beheimatet. Dort studieren rund 550 Männer und Frauen. Für sie wird es eine sogenannte „Campus-Garantie“ geben: „Sie werden ihr Studium ordnungsgemäß und vollständig am Duisburger Campus fortsetzen und auch abschließen können“, stellt Beate Kostka klar, die Sprecherin der Uni Duisburg-Essen. „Wer sich ab dem 11. Juni für ein Mathe-Studium im kommenden Wintersemester bewirbt, soll alle seine Mathe-Lehrveranstaltungen am Essener Campus belegen können.“

Massiver Widerstand gegen den Umzug

Der Umzugsplan hatte in Duisburg massiven Widerstand ausgelöst. Selbst örtliche Kommunalpolitiker verabschiedeten im Duisburger Rathaus eine „Resolution“ für den Verbleib der Mathematiker am dortigen Uni-Campus. Haupt-Argument: Die teils sehr ausdifferenzierten Studiengänge hätten mehr fachliche Überschneidungen mit der Physik oder Elektrotechnik als mit der Mathe-Lehrerausbildung. Die Physik (Bachelor und Master) ist vollständig in Duisburg beheimatet, die Elektrotechnik ebenfalls. Ein Großteil der 3200 Mathe-Studenten in Essen befindet sich in der Lehrerausbildung.

Die Uni will bei der Stundenplangestaltung künftig auf jene Studenten Rücksicht nehmen, die künftig mehr pendeln müssen, also in Essen Mathe-Veranstaltungen besuchen, in Duisburg aber eins der „Anwendungsfächer“ wie Physik belegen. „Außerdem soll ein Shuttle-Service eingerichtet werden“, sagt Beate Kostka. Der Abzug der Mathematik in Duisburg solle den Campus keinesfalls schwächen. Im Gegenteil: Neue, freie Räume brächten Handlungsspielräume angesichts knapper Ressourcen. Die Uni-Leitung erhofft sich von der räumlichen Zusammenführung eine „Stärkung der Fachdisziplinen durch Bündelung und Stärkung“.

Martin Spletter



Kommentare
01.06.2012
13:10
Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen
von User753 | #4

Als ob ernsthaft darauf Rücksicht genommen wird. Vielmehr wird es zu einem endlosen Hin-und Hergefahre kommen,sodass die Betroffenen ganz sicher das Anwendungsfach wechseln werden, damit sie nicht mehr nach Duisburg müssen.

Und zur "Campus-Garantie",wenn man sie denn so nennen mag...
Was soll den derjenige tun, der mal nicht das ein oder andere Fach sofort besteht und nochmal einen zweiten Anlauf braucht? Der muss wenn das Fach dann ja leider nicht mehr in Duisburg angeboten wird ja doch nach Essen pendeln.

Hier geht es nur darum Platz zu machen und Räume zu finden, weil in der Vergangenheit offenbar schlecht geplant wurde und wer wird in Duisburg dann am besten "rausgeschmissen" [ich bin mir meiner überspitzten Formulierung bewusst]?
Natürlich müssen die gehen, von denen man annimmt, dass sie sich am wenigsten wehren... und nebenan wird das neue Netz-Gebäude("das Millionenprojekt" siehe Pressemitteilung der Uni) gebaut,aber Geld für 20 Büros für Mathematiker ist nicht da, ist klar..

01.06.2012
09:22
Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen
von hansreiner | #3

Schrecklich, wie hier der sehr erfolgreich lehrende und forschende Campus Duisburg zur freien Verfügungsmasse des Campus Essen degradiert wird. Auf Kosten der Studierenden, der Forschenden und des Standortes Duisburg. Damit aber wird last but not least die ganze Uni Duisburg-Essen geschädigt.
Wie kann eine Unileitung nur so blöd und borniert sein?

31.05.2012
18:25
Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen
von MJFR | #2

(Fortsetzung:)
"Die Uni will bei der Stundenplangestaltung künftig auf jene Studenten Rücksicht nehmen, die künftig mehr pendeln müssen, also in Essen Mathe-Veranstaltungen besuchen, in Duisburg aber eins der „Anwendungsfächer“ wie Physik belegen. „Außerdem soll ein Shuttle-Service eingerichtet werden“, sagt Beate Kostka."
Dazu lässt sich bemerken, dass derzeit auch keine Rücksicht auf die Stundenplangestaltung genommen wird. In manchen Semestern gibt es Überschneidungen zwischen Veranstaltungen. Diese Überschneidungen lassen sich aber im Moment noch ertragen, da man, wenn eine Veranstaltung früher beendet wird, die Zeit nutzen kann, um zur anderen zu gehen, besonders da man sich auf einem Campus befindet.
Der momentan vorhandene Shuttle-Service erfüllt auch nicht ganz seinen Zweck, er wird zu untypischen Zeiten angeboten, also kommt man damit entweder mehr als eine Stunde zu früh und muss eine andere Veranstaltung deswegen verlassen oder vollkommen zu spät.

31.05.2012
18:18
Standort-Debatte an der Uni Duisburg-Essen - Mathematiker müssen umziehen
von MJFR | #1

Ein paar Anmerkungen zum Artikel:
"In Duisburg sind die Studiengänge Mathematik (Master), Wirtschafts- und Technomathematik beheimatet."
In Duisburg kann auch der Bachelorstudiengang Mathematik belegt werden, nicht nur der Master.
"„Sie werden ihr Studium ordnungsgemäß und vollständig am Duisburger Campus fortsetzen und auch abschließen können“, stellt Beate Kostka klar (...) "
Aber ob das mit nicht unerheblichen Einschränkungen möglich sein wird, ist wohl noch nicht so klar...

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