Stadttochter Verlust von Küche und Bibel vorgeworfen

Gabriele Mares muss in ihrer Rüttenscheider Wohnung aktuell in einer Behelfsküche kochen.
Gabriele Mares muss in ihrer Rüttenscheider Wohnung aktuell in einer Behelfsküche kochen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Küche und Bibel von Gabriele Mares sind weg. Aber ist dafür wirklich eine Essener Stadttochter verantwortlich? Vor Gericht fällt die Klärung schwer.

Essen.. Gabriele Mares ist empört. Wertvolle Einrichtungsgegenstände sind ihr nach eigenen Worten verloren gegangen. Und verantwortlich dafür soll die städtische Tochter „Arbeit & Bildung“ sein, bei der sie die Sachen eingelagert haben will. Ein Skandal? Vor der 4. Essener Zivilkammer des Landgerichtes Essen erschweren vor allem das Temperament der gebürtigen Wienerin und das Prozessverhalten ihres Anwaltes die Suche nach der Gerechtigkeit.

Der Sachverhalt scheint einfach zu sein, glaubt man der Klägerin. Als sie vor Jahren zu ihrem Verlobten zog, lagerte sie Teile ihrer Einrichtung in seinem Gartenhäuschen im Mühlenbachtal ein. Die Stadt sei dann an ihren Verlobten herangetreten: Das Häuschen müsse weg, weil es dem Projekt „Wege zum Wasser“ im Wege stehe. Das sei aber kein Problem. Alles werde wieder hergestellt, ihre Sachen kostenlos eingelagert. Nach dem Tod des Verlobten hätte sie die Sachen zurückhaben wollen. Aber am 12. September 2013, da schaute sie in der Einlagerungshalle am Reckhammerweg 80 vorbei, sei alles weg gewesen. Da reichte sie Klage ein. Streitwert 14.000 Euro, es ging um die Küche – und um eine Familienbibel aus dem 17.Jahrhundert. Und um andere Sachen. Die Stadttochter bestreitet. Es sei völlig unklar, was in den 20 Kisten war.

Gefälligkeit oder unentgeltlicher Verwahrungsvertrag?

Das war es an sachlichen Informationen für diesen Tag. Richterin Katharina Linka weist auf offene Fragen hin, will Antworten von der Klägerin. Denn ihr sei unklar, auf welcher rechtlicher Grundlage eingelagert wurde: „Gefälligkeit oder unentgeltlicher Verwahrungsvertrag?“ Gabriele Mares müsse belegen, wann sie die Gegenstände angeschafft habe und in welchem Zustand sie seien. Außerdem sei unklar, wem sie gehörten.

Diese für Gerichte nicht unübliche Arbeitsweise, Fragen zu stellen, stößt bei der Klägerin auf wenig Verständnis. Es sei doch egal, ob ihr Verlobter mit jemandem von „Arbeit & Bildung“ gesprochen hätte oder „mit dem Herrn Ingenieur von Grün & Gruga“. Es seien doch eh alles Stadttöchter.

Richterin Linka bleibt bei präzisen Fragen. Die Klägerin bricht fast zusammen: „Ich pack’ das nicht mehr.“ Zu Anwalt Marcel Jürgen Schröer, der die Stadttochter vertritt: „Sie kriegen auch noch die Rechnung meines Psychologen.“ Schließlich redet ihr Anwalt Michael Scheminowski. Laut fällt er der Richterin ins Wort, laut teilt er mit: „Ich bin ganz ruhig.“ Schließlich stellt er einen Befangenheitsantrag gegen Richterin Linka, weil sie Fragen stellt zu aus seiner Sicht längst geklärten Sachverhalten. Bis über den Antrag entschieden ist, muss Gabriele Mares mindestens in ihrer Behelfsküche kochen.