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Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?

31.10.2012 | 10:00 Uhr
Das Wottelfest in Heisingen 2012.Foto: Strassmeier

Essen.  Veranstalter in den Essener Stadtteilen müssen ab 2013 zum Teil tausende Euro mehr Gema-Gebühren zahlen, wie das Beispiel Wottelfest in Heisingen zeigt. Nach Schätzungen der Essen Marketing Gesellschaft müssen Veranstalter mit 20 bis 60 Prozent höheren Gebühren rechnen. Manchem Fest droht möglicherweise sogar das Aus.

Das nächste Heisinger Wottelfest soll am 24. und 25. August 2013 stattfinden. Normalerweise hätte Harald Meyer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, die Verträge mit Musikern, die auf dem Stadtteilfest auftreten sollen, längst geschlossen. Aber dieses Jahr ist alles anders. Denn Meyer weiß nicht, ob das nächste Fest so wie in den Jahren zuvor stattfinden kann - mit Bühne, Musik etc. Grund ist die Tarifreform der Gema - Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Sie soll ab April 2013 gelten.

Für das Wottelfest bedeutet das, dass die Veranstalter - die Bürgerschaft Heisingen und die Werbegemeinschaft „Wir für Heisingen“ - statt 1200 dann 3500 Euro an die Gema bezahlen müssten. „Das ist nicht mehr zu stemmen“, macht Meyer klar. „Die Kosten laufen uns davon.“ Schon dieses Jahr musste die Werbegemeinschaft 2500 Euro mehr für die verschärften Sicherheitsauflagen zahlen.

20 bis 60 Prozent mehr für Gema

Die Sorgen der Wottelfest-Veranstalter stehen exemplarisch für alle Essener (Stadtteil)-Feste, wo öffentlich Musik aufgeführt wird. Angelika Kleine-Möllhoff, Vorsitzende des Stadtverbandes der Bürger- und Verkehrsvereine Essen, bestätigt: „Die explodierenden Gema-Gebühren bedrücken alle, zumal die Veranstalter die höheren Kosten gar nicht auffangen können.“

Essen Original 2012

Nach Schätzungen der Essen Marketing Gesellschaft (EMG) müssen Veranstalter mit 20 bis 60 Prozent höheren Gema-Gebühren rechnen. Das kann im Einzelfall offenbar noch mehr sein, wie das Beispiel Wottelfest zeigt. EMG-Prokurist Dieter Groppe befürchtet, dass einige Veranstaltungen in den Stadtteilen dann gar nicht mehr stattfinden könnten. „Eine schwierige Situation, denn es ginge eine wichtige Identität für die Essener kaputt“, warnt er. Auch die EMG ist von den höheren Gema-Gebühren betroffen. Beispielsweise rechnet Groppe allein für Essen.Original mit 30 Prozent mehr. „Die müssen wir woanders sparen, oder mehr Sponsoren-Gelder eintreiben“, sagt er.

Verhandlungen mit kommunalen Spitzenverbänden

Ein Gema-Sprecher bestätigte, dass es für Stadtteilfeste teurer werden könnte. Allerdings verwies er auf laufende Verhandlungen mit den kommunalen Spitzenverbänden. Als Ergebnis könnte stehen, dass die Gema Rabatte einräumt. Gleichzeitig betonte er, dass 60 Prozent aller Gema pflichtigen Veranstaltungen nach der Reform billiger würden bzw. gleich blieben. In der Regel würden Veranstaltungen mit weniger als 800 Quadratmetern Fläche und unter 8 Euro Eintritt günstiger.

Wottelfest-Veranstalter Meyer ist noch ratlos, wie er das Gema-Geld aufbringen soll. „Möglicherweise müssen wir von zwei auf einen Festtag gehen.“

Video
Die ab Januar 2013 geplanten neuen Tarife der Gema werden höhere Abgaben für Event- und Discothekenbetreiber nach sich ziehen. Aus diesen Grund gab es jetzt in Gelsenkirchen ein Krisentreffen.

Janet Lindgens


Kommentare
02.11.2012
09:55
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von bloss-keine-Katsche | #27

Nun, einigen hier möchte ich vorschlagen,
meldet euch doch freiwillig zur Hilfe bei den Festen, denn wenn die Komponisten kein Geld für ihre Arbeit bekommen sollen, warum die Kellner oder Würstchenverkäufer oder …, die bei den Festen arbeiten?

02.11.2012
08:54
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von MANFREDM | #26

Wenn die Veranstalter unfähig sind, GEMA-freie Musik spielen zu lassen, dann sollen die es ganz lassen. Siehe #24: "es gibt genug freie Musik".

Jeder Gastwirt muss auch an die GEMA zahlen. Warum soll das für sog. "Stadtfeste" anders sein? Stadtfeste sind kommerzielle Abzocke, nix anders.

01.11.2012
14:17
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von meinemeinungdazu | #25

Viele Veranstaltungen müssten einfach ausfallen: kein Umsatz, kein Gewinn. Erst dann werden wohl die Politiker wach. Das GEMA-Gesetz muss erneuert werden, und zwar so, dass sehr niedrige Beiträge gewährleistet sind und diese hunderte von Veranstaltungen nicht gefährden. Scheinbar muss es aber erst zum Ausfall vieler Veranstaltungen kommen.

01.11.2012
11:16
Keiner wird gezwungen Gema Musik zu spielen
von meigustu | #24

es gibt genug freie Musik

01.11.2012
10:49
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von mantheman | #23

dann spielen eben junge nachwuchskünstler ihre eigenen songs.eh besser und umsonst.sollte zumindest..............

01.11.2012
09:44
Stimmt ...
von Partik | #22

Ich habe jetzt mal darauf geachtet: unser "Herbstmarkt" in der Fußgängerzone hat auch keine Beschallung mehr. Da hat man sich anscheinend schon radikal auf das nächste Jahr vorbereitet, und die Anlage abgebaut.

Genauso wie das Sommerfest vom Schrebergartenverein gegenüber. Ohne Musik wollen die ab sofort auch nicht mehr feiern.

Ist aber auch kein Verlust, wenn man es genau nimmt. WDR4-Geplärre in Diskolautstärke bis in die Nacht hinein, Besoffene die in die Büsche kotzen, Grillgestank den ganzen Tag lang ...

Eigentlich müsste man der GEMA richtig dankbar sein, dass jetzt das ein oder andere Stadtteilfest nicht mehr stattfindet, oder die Musik aus bleibt :-))

Und es gibt auch mehr Möglichkeiten für selbsternannte Stadtteilwächter, ungenehmigte Beschallung bei der GEMA anzuzeigen ...

01.11.2012
08:40
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von aminosaeure | #21

Ich finde es ungerecht, das Patente spätestens (kommt auf die entrichtete "Gebühr" an) 20 Jahre nach ihrer Anmeldung auslaufen, das Urheberrecht an einem Musikstück aber erst 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten, das ist reine Geldschneiderei!

01.11.2012
05:22
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von foxtrott | #20

Jetzt wachen so langsam immer mehr Bürger auf, es sind nämlich nicht nur die "bösen Rapper" oder die "schlimmen" Discotheken, die arge Probleme mit der Gema bekommen.Und was tun wir dagegen?

01.11.2012
03:07
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von Nutzernamevergeben | #19

Wucherer! Wegelagerer! Raubritter! Verbrecher! Ausbeuter! Schmarotzer!

01.11.2012
00:21
Stadtteilfeste in Essen auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?
von Tender | #18

Ein so schlecht durchdachtes Konzept, wie das bei der GEMA würde jedes Unternehmen in die Insolvenz treiben. Ohne Sinn und Verstand werden die Auswirkungen nicht richtig berücksichtigt und was man auf der einen Seite versucht zu "verbessern" zerstört mehr als der vermeintliche Vorteil überhaupt bringen kann.

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