Stadtgrenzen überwinden im Hexbachtal im Essener Nordwesten

Die alte Bergarbeiter-Siedlung am Rötterhoven.
Die alte Bergarbeiter-Siedlung am Rötterhoven.
Was wir bereits wissen
Das Hexbachtal ist - auch im Hochsommer - einen Spaziergang wert: Als Teil der neu ausgeschilderten Tal-Route lässt sich in Bedingrade nicht nur ein schönes Stück Essen erkunden. Auch der Blick über den kommunalen Tellerrand mit dem Endpunkt Haus Ripshorst in Oberhausen lohnt sehr.

Essen.. Fast egal welche Himmelsrichtung man wählt: An den Stadträndern ist Essen landschaftlich am schönsten. Relativ selten findet sich hier das sonst typische Ruhrgebietsphänomen, dass eine Stadt konturenlos in die andere übergeht. Besonders reizvolle, wasserreiche Grenzen hat Essen im Nordwesten mit Mülheim. Das Hexbachtal, das Bedingrade und Mülheim-Dümpten trennt, ist so ein Ort, den viele Essener aus den ferner liegenden Stadtteilen noch entdecken sollten.

Das lohnt sich inzwischen mehr denn je, denn die früher oft abenteuerlich verschlammten Wege sind im Rahmen des Programms „Neue Wege zum Wasser“ sehr gut saniert worden, neue Hinweisschilder bieten zudem exakte Entfernungsangaben. Das Hexbachtal ist Teil der noch ziemlich neuen „Tal-Route“, einer weiteren Rad-Route, die die Stadt als touristisches Angebot aus der Taufe hob. Und in der Tat. Der Weg hält, was der Name verspricht.

Schattige Wege, ideal für einen Spaziergang im Hochsommer

Der Bach, der von Amts wegen Läppkes Mühlenbach heißt, markiert fast exakt die Stadtgrenze. Die schöneren Wander- und Radwege - die Mülheimer mögen es verzeihen - befinden sich auf der Essener Seite. Es sind teils schattige Pfade, ideal für einen Gang im Hochsommer, aber auch gut geeignet für eine abwechslungsreiche Radtour, bei der man dann im weiteren Verlauf ständig die Stadt wechselt.

Ein guter Startpunkt für das Entdecken des Hexbachtals ist die alte Bergarbeitersiedlung Aktienstraße/Rötterhoven, wo ein beschilderter, von Feldern umsäumter Weg hübsch hinunter führt ins Tal. Man vergisst ja oft, dass es nicht nur im Essener Süden noch Vollerwerbs-Landwirte gibt. Unten im Tal kann man sich an einem dichten Auen-Wald erfreuen mit Schwarz-Erlen, Silberweiden und Eschen. Urwüchsige Natur, die es nur gibt, weil die großflächige Besiedlung der feuchten Siepentäler schwierig war, ebenso ihre landwirtschaftliche Nutzung - sieht man ab von Fischkulturen. Vergangenen Samstag gab’s im Hexbachtal direkt ab Teich geräucherte Aale und Forellen zu kaufen.

Läppkes Mühlenbach in Unterfrintrop - die erste Renaturierung

Das ist Essen Nach ein, zwei Kilometern gelangt man auf die Straße Hexberg, und damit auf die Mülheimer Seite der Tal-Route. Das klassische eng eingeschnittene Hexbachtal ist hier zu Ende, macht aber nichts. Vorbei an Kopfweiden, verführt ein wirklich netter Biergarten zur Pause, dann geht das muntere Grenzschlängeln weiter. Plötzlich ist man in Oberhausen, dann wieder in Essen. Die Talaue des Unterfrintroper Teil des Läppkes Mühlenbach war um 1990 eines der ersten Renaturierungsprojekte der Emschergenossenschaft. Dem hier lange verrohrten Bach wurde damals die Freiheit zurückgegeben, und inzwischen ist das ausgedehnte Gelände fast schon ein bisschen zu sehr bewaldet.

Wir sind jetzt schon mitten in der Emscherniederung, altes Industrieland, die Köln-Mindener-Bahn, Güterzuggleise, Brücken, Brachen, verloren wirkende Häuser - die typische Patchwork-Landschaft des Reviers. Aber nicht entmutigen lassen, am Ende der Tal-Route wartet - dann wieder knapp in Oberhausen - das Naturschutzzentrum Haus Ripshorst mit Infos, preiswerten Erfrischungen und ausgedehnten Freiflächen am Kanal. Drei Städte auf kaum acht Kilometern, nette Rast und ein schönes Stück Essen und Umgebung kennengelernt - mehr kann man nicht erwarten.

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