Stadtgespräch

Es war ein großes Kino-Ereignis, das sich am Sonntag in der ausverkauften Lichtburg abspielte: Zur Vorführung des neun Stunden langen Films Shoah war nicht nur der französische Filmemacher Claude Lanzmann (89) gekommen, auch Bundestagspräsident Norbert Lammert hatten die Veranstalter gewinnen können.

Wer sich im Saal umschaute, entdeckte Vertreter von Kirchen und Vereinen, aus Politik und Verwaltung. Neben den üblichen Verdächtigen der Stadtgesellschaft waren 450 Schüler und viele Auszubildende gekommen; Teenager, denen man gern eine kurze Aufmerksamkeitsspanne unterstellt. Er freue sich, so viele junge Menschen zu sehen, sagte Lanzmann. „Ich bin glücklich und stolz. Schließlich habe ich diesen Film in gewisser Weise für die Deutschen gemacht. Ich glaube, dass er eine befreiende Wirkung auf sie haben und die Brüderlichkeit erneuern kann.“

Dass der Film schmerzhaft ist und den Zuschauern viel abverlangt, weiß Lanzmann selbstredend genau. Er hat ja auch die Kamera nicht abgestellt, wenn seine Gesprächspartner nicht weitersprechen konnten, ihnen Tränen über die Wangen liefen. Als er in einer Fragerunde darauf angesprochen wird, antwortet er: „Einen Film wie Shoah kann man nicht mit dem Fairplay eines Cricketspielers machen.“ Den 17-jährigen Niklas hat beeindruckt, wie Lanzmann Überlebende des Holocausts befragt: „Er zieht sich nicht zurück, er wartet, bis sie reden.“ Dass er auch Täter wie SS-Unterscharführer Franz Suchomel zum Sprechen brachte, ist für Jan (18) die größte Leistung des Films. Den Einwand, dass er Suchomel mit versteckter Kamera filmte, wischt Lanzmann übrigens beiseite: „Ich hatte keine Skrupel, einen Lügner zu belügen.“

Film und Filmemacher fesseln die Zuschauer so, dass die Lichtburg auch um Mitternacht noch gut besetzt ist. Diese Geschichtsstunde werden nicht nur Jan und Niklas nicht vergessen.


„Prost“ möchte man Essens Sternekoch Nelson Müller zurufen: Der schaut heute für das ZDF mal wieder genau hin und widmet sich einem der beliebtesten Lebensmittel der Deutschen: Am Dienstagabend will Nelson Müller ab 20.15 Uhr im ZDF die Frage beanworten, wie gut das deutsche Bier wirklich ist. Dabei geht es nicht nur um den guten Geschmack, sondern auch um Preise, Zutaten, Mischgetränke, Autofahren und viel, viel mehr. Mal sehen, ob der Essener Koch und Künstler auch das Bier aus seiner Stadt mit ins Gespräch bringt und testet.