Stadt will alle Notfallpraxen erhalten

Die Ankündigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), zwei der vier Notfallpraxen im Essener Stadtgebiet aufgeben zu wollen, stößt bei der Stadtspitze wie auch in der Politik auf scharfe Kritik: „Der Beschluss zerschlägt eine für unsere Bürgerinnen und Bürger sehr bewährte Struktur“, klagte gestern der für Gesundheit und Soziales zuständige Dezernent Peter Renzel und warf der KV Nordrhein vor, sie „gefährdet nicht nur die Patientenversorgung in Essen, sondern auch den Gesundheitsstandort Essen.“

Renzel will die bisherige Versorgungsstruktur „unbedingt erhalten sehen“ und kündigte an, in der kommenden Woche das Gespräch mit örtlichen Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen. Dort werde er „alle Möglichkeiten ausloten“, die Schließung der Notfallpraxen am Alfried-Krupp-Krankenhaus in Rüttenscheid und am Philippusstift in Borbeck zu verhindern.

Rückendeckung erhält Renzel aus der lokalen Politik: Das Angebot der Notfallpraxen habe sich über viele Jahre bewährt, findet etwa die SPD und fürchtet „längere Wege für die Hilfesuchenden, längere Wartezeiten und Mehrbelastungen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, die heute von kleineren Leiden verschont bleiben. Das kann nicht im Sinne von Ärzten und Patienten sein“, so ihr gesundheitspolitischer Sprecher Karlheinz Endruschat.

Auch sein CDU-Kollege Dirk Kalweit sorgt sich um eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Allein am vergangenen Wochenende hätten fast 400 Patienten die Borbecker Notfallpraxis aufgesucht. Barbara Rienas, Bezirksvertreterin der Linken empfindet es gar als „ungeheuerlich, wie den vielen Menschen, die im Bezirk leben, Angst um Ihre gesundheitliche Versorgung zugemutet wird.“ Bliebe es bei den Schließungsplänen, stünden als Anlaufstellen nur noch Notfallpraxen am Marienhospital in Altenessen und am Lutherkrankenhaus in Steele zur Verfügung.