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Bürgerinitiative

Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule

22.08.2013 | 21:00 Uhr
Die ehemalige Hauptschule an der Bärendelle in Essen-Frohnhausen:Anwohner fordern eine soziokulturelle Nutzung, die Stadt sucht einen Investor. Die Verwaltung ließ nun die Möbel aus dem Gebäude abholen und vernichten.Foto: Hans Blossey

Essen.   Im Juli ließ die Stadt Essen die damals besetzte ehemalige Hauptschule an der Bärendelle räumen, diese Woche ließ sie das Gebäude ausräumen: Die Möbel werden entsorgt. Die Bürgerinitiative Bärendelle wirft der Verwaltung „mutwillige Zerstörung“ vor – und lädt am Freitagabend zu einer Mahnwache ein.

Das Verhältnis zwischen der Stadtverwaltung und der Bürgerinitiative Bärendelle war ohnehin schon vorbelastet: Einige der Frohnhauser, die sich Anfang August zusammenschlossen, hatten sich mit den Besetzern solidarisiert, die von der Polizei am 24. Juli aus der ehemaligen Schule an der Bärendelle getragen wurden. Und was die Initiative nun fordert – etwa die „sofortige Nutzung der intakten Räume für Kunst und Kultur“ – ist mit den Plänen der Stadt kaum vereinbar. Denn die verhandelt mit zwei Wohnungsbaufirmen und einer Stiftung, die Interesse an dem seit 2011 gesperrten Bau haben. Seit Montag wurde das Verhältnis zwischen Bürgern und Behörde weiter strapaziert: Die Anwohner beklagen „die Ausschlachtung und mutwillige Zerstörung des Gebäudes durch die Stadt Essen“.

Kräfte der Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft (EABG) schleppten tagelang Möbel, Kühlschränke und Altmetall aus dem Gebäude. „Sogar neuwertige Lampen haben sie aus den Decken gerissen“, schimpft Olaf Tucholski. Der 44 Jahre alte Anwohner nennt es „eine Unverschämtheit, dass die Stadt den Besetzern Sachbeschädigung vorwirft und das Inventar, das Bedürftige gut hätten gebrauchen können, selbst zerstört.“

Mitglieder der Bürgerinitaitive Bärendelle konnten fotografieren, was die Stadt Essen aus der ehemaligen Schule abtransportieren durfte. Foto: privat

Dass die Ausstattung vernichtet wird, bestreitet Stadtsprecherin Jeanette Kern nicht. Sie behauptet jedoch stellvertretend, „dass alles, was wir da jetzt ausräumen, nicht mehr verwertbar ist. Das ist Sperrmüll.“

Intakte Möbel seien nach der Schließung 2011 ins Schulmöbellager gebracht worden. Eine Aufstellung der Immobilienwirtschaft, so Kern, dokumentiere, „was vor der Hausbesetzung kaputt war und was danach.“ Es seien „auch intakte Wandschränke als Barrikaden missbraucht“ worden.

Bürgerversammlung am 17. September

EABG-Kräfte transportierten auch Kühlschränke und Waschmaschinen ab.

Immerhin hat Oberbürgermeister Paß nun auf den offenen Brief reagiert, den die Initiative am 1. August mit 180 Unterschriften – mittlerweile sind 200 hinzugekommen – im OB-Büro übergab. „Die Antwort ist heute rausgegangen“, sagt Jeanette Kern. Was drin steht, sagt sie aber nicht. Nur so viel: Das Gebäude sei einsturzgefährdet und könne nicht genutzt werden. Die Verwaltungsexperten seien nichtsdestotrotz „zu einem konstruktiven Austausch“ bereit. Ein Gesprächsangebot allerdings, kritisiert Olaf Tucholski, habe es nie gegeben.

Immobilien
Besetzer von früherer Schule in Essen beklagen Zerschlagung

Das „Plenum Bärendelle“, das über mehrere Tage das Gebäude einer früheren Hauptschule besetzt gehalten hat, hat eine Abschlusserklärung...

Vielleicht kommt es ja auf der Bürgerversammlung am 17. September in der Apostelkirche zu einem Gespräch. Die Initiative will Vertreter der Stadt dazu noch einmal ausdrücklich einladen. Bei der Mahnwache, zu der die Gruppe wegen der „Zerstörung des Inventars“ am Freitag (23. August) von 19 bis 24 Uhr aufruft, wird sich wohl kein Vertreter der Stadt blicken lassen.

Schulbesetzung

Philipp Wahl

Kommentare
24.08.2013
11:26
Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
von Lokalbeobachter | #12

Liebe Mahnwachen Organisatoren, Bürgerinitiativen finde ich begrüßenswert, aber ihre Aktionen scheinen aus meiner Sicht nichts mehr als eine...
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3 Antworten
Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
von Olaf_Frohnhausen | #12-1

Vielleicht scheint es von aussen so, als ob es eine gemütliche Runde ist.
Wir sind jederzeit für sinnvolle Kritik und tatkräftige oder geistige Unterstützung offen.
Unsere Bürgerinitiative ist gerade erst entstanden.
Aber ein Gebäpde in das seit 2005 über drei Millionen Euro zur Sanierung gesteckt worden ist, ein Gebäude, welches unter Denmalschutz steht und das vom Eigentümer eine Sorgfalts- und Erhaltungspflicht unterliegt, sollte nicht zwei Jahre ungenutzt stehen bleiben.
123 Millionen Euro für eine Messe zu investieren, ohne einen Wirtschaft- und Gewinnplan, halten wir für genauso sinnlos, wie ein Gebäude das lediglich 1-2 % der Summe benötigt, um dann zum größten Teil nutzbar ist vor sich hin verrotten zu lassen. Dazu kommt die wirklich sinnlose und überflüssige demontierung des Gebäudes von innen, so dass es nun wirklich nicht mehr teilweise nutzbar ist.
Ein Gebäude in dem vor 26 Monaten noch Schüler unterrichtet worden sind, ist nich plötzlich einsturzgefährdet.

Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
von Olaf_Frohnhausen | #12-2

Wir, die Anwohner der Bärendelle, haben doch in den letzten 2 Jahren immer wieder die Polizei angerufen, wenn mal wieder vandalierende Jugendliche ins Gebäude eingedrungen sind und dort Sachbschädigung begangen haben.
Und wir Anwohner und wir Bürger der Stadt Essen haben ein recht darauf, mitzubestimmen was mit unseren Steuergeldern passiert.
Ich möchte sie wirklich recht herzlich einladen, sich mit uns auseinaderzusetzen und unsere ideen zu sehen und zu hören.
Und ja wir schreiben gerade ein gangbares Konzept.

Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
von Lokalbeobachter | #12-3

@Olaf_Frohnausen

Ihr Engagement in allen ehren und ich kann auch verstehen, dass man pressemäßig mal auf die "die Wellen hoch schlagen" lässt, aber wenn sie jetzt doch erst gerade einem Konzept sitzen, dann sind viele ihrer Forderungen der letzten Wochen ihrerseits völlig überflüssig zu voreilig. ABER, mit einem Konzept, hätte die Stadt natürlich die Möglichkeit ihre Ideen zu prüfen und zu begründen, was man umsetzen kann oder auch nicht.

Es ist einfach schlauer, zuerst mit konkreten Ideen und einem Konzept auf die Stadt zuzugehen und wenn das nicht funktioniert Aktionen aufzufahren als umgekehrt. Eine Gewerkschaft die mehr Lohn fordert, geht doch auch zuerst in Verhandlungen und streikt, wenn diese nicht erfolgreich sind... und nicht schon vorher. Nicht zu 100 % als Beispiel übertragbar, aber ich denke sie wissen was ich meine.

123 Millionen für die Messe? Schwierig. Nur mit einer starken Wirtschaft, können soziale und kulturelle Projekte dauerhaft finanziert werden.

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Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
Essener Bürger organisieren Mahnwache an geräumter Schule
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/stadt-liess-moebel-aus-geraeumter-schule-baerendelle-zerstoeren-id8349529.html
2013-08-22 21:00
Bärendelle, Frohnhausen, Essen, Polizei, Stadt, Schule, Räumung, Bürgerinitiative,
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