Stadt legt Kita-Gründerinnen Steine in den Weg
07.09.2010 | 08:30 Uhr 2010-09-07T08:30:00+0200
Essen.Mühen einer Kita-Gründung: Die Stadt legt zwei Privat-Investorinnen munter weiter Steine in den Weg. Die Immobilie steht seit zwei Jahren leer, dennoch will die Stadt nicht verkaufen - weil die Ausschreibung fehlt.
Es ist eine Blamage für die Stadt und ein Riesenärgernis für zwei engagierte Kita-Gründerinnen und viele betroffene Eltern. Da wird den beiden Erzieherinnen erst erzählt, eine für ihren Kindergarten geeignete Immobilie sei nicht zu vermieten, weil die Stadt den Grundsatz beherzige „Verkaufen vor Verpachten“. Dann findet sich eine Investorin, die kaufen möchte, und bekommt nach langen Verhandlungen zu hören, dass das Gebäude noch gar nicht ausgeschrieben sei.
Dabei hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon eine Allparteien-Allianz sowie die Jugendamtsleiterin für das Projekt eingesetzt, wohl wissend, dass die Stadt den fälligen Ausbau der Kinderbetreuung allein nicht stemmen kann. Schlimm genug, dass angeblich das Personal fehlt, um die Exposés für rund 100 Immobilien zu schreiben, die man angeblich gar nicht schnell genug zu Geld machen möchte.
Dass man bei einer seit anderthalb Jahren leerstehenden Immobilie nicht spätestens dann die Ausschreibung veranlasst, wenn zwei Interessentinnen von sich aus anklopfen, ist völlig unverständlich. So füllt man weder die Kassen, noch ermutigt man die Bürger zu eigenem Engagement.
Die Stadt, die beim Ausbau von Kindergarten-Plätzen auf Privatengagement angewiesen ist, legt zwei Kita-Gründerinnen aus Kupferdreh munter weiter Steine in den Weg. Jetzt fiel den Verantwortlichen auf, dass sie ein für den Betrieb einer Kita geeignetes Gebäude nicht verkaufen können, weil die Ausschreibung fehlt – dabei steht das Haus an der Anstockstraße seit fast zwei Jahren leer. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Posse.
Rückblick: Ende Juli wollten die Erzieherinnen Silke Baumert und Sibylle Becker den Betreuungsnotstand in den Stadtteilen Kupferdreh, Byfang und Heisingen mit der Gründung einer Kita abmildern. Die Frauen stellten einen Business-Plan auf und begaben sich auf die Suche nach Räumlichkeiten. Das Haus an der Anstockstraße 11 in Kupferdreh schien perfekt: Räume und Außenfläche sind großzügig, nebenan liegen Grundschule, Turnhalle und Schwimmbad. Doch die städtische Immobilienwirtschaft sagte den beiden am 13. Juli ab: „Eine Vermietung des Gebäudes kommt leider nicht infrage. Aufgrund der finanziellen Situation der Kommune werden leerstehende Objekte (…) ausschließlich zum Verkauf angeboten.“
Für Baumert und Becker wäre ein Kauf nicht zu stemmen gewesen, doch nach der WAZ-Berichterstattung meldete sich eine Investorin, die bereit war, die Immobilie zu erwerben, um sie an den Kindergarten zu vermieten. Die Geschäftsfrau, die anonym bleiben möchte, ließ die Immobilie schätzen und trat mit der Stadt in Verhandlungen ein. „Dabei hat man ihr fortlaufend signalisiert, dass man übereinkommen werde“, sagt Silke Baumert.
„Wir tun jetzt alles, um das Verfahren zu beschleunigen“
Gleichzeitig erfuhren die Kita-Gründerinnen großen Zuspruch aus Politik und Verwaltung; und so verschoben sie zwar die für Oktober geplante Öffnung, stellten interessierten Eltern aber vergangenen Donnerstag einen Betriebsstart zum 1. Januar in Aussicht. „Am nächsten Tag kam dann die kalte Dusche“, seufzt Silke Baumert. In einem Gespräch mit Planungsdezernent Hans-Jürgen Best habe die Investorin erfahren, dass ein rascher Verkauf nicht möglich sei. „Plötzlich hieß es, man müsse das Gebäude ein halbes Jahr lang ausschreiben. Da frage ich mich, was die in den vergangenen anderthalb Jahren gemacht haben“, ärgert sich Silke Baumert. Um die Instandhaltung habe man sich offenbar nicht gekümmert, der Keller sei feucht – ein Mangel, den die Investorin auf eigene Kosten beheben würde.
Der Leiter der städtischen Immobilienwirtschaft, Ingo Penkwitt, räumt ein, dass es Schimmel im Keller gebe, man lasse das Gebäude aber keineswegs verrotten. „Es wird ordentlich beheizt.“ Zur Ausschreibung des Hauses sei man wohl bisher noch nicht gekommen: „Die Stadt will sich von 100 bis 120 Objekten trennen. Da fehlt einfach das Personal, um die Exposés zu schreiben, Umwidmungen zu veranlassen usw.“ Im übrigen sei der Fachbereich 68 für den Verkauf zuständig.
Der Amtsleiter dieses Fachbereichs für Stadterneuerung und Bodenmanagement, Hans-Ulrich Uehlecke, wiederum weist auf die Essener Wirtschaftsförderung (EWG). „Bei der Anstockstraße 11 handelt es sich um ein Bürogebäude, das sollte die EWG auf dem Markt platzieren – wir sind für Wohnimmobilien zuständig.“ Nur wenn die EWG keinen Erfolg habe, nehme sich die Stadtverwaltung eines Gewerbe-Objektes an. „Dann wartet es darauf, wachgeküsst zu werden.“ Nun kann man die Verkaufsbemühungen der EWG nach anderthalb Jahren gewiss als erfolglos bezeichnen. Gleichzeitig steht eine Investorin zum Wachküssen bereit. Wo also hakt es? Da sei bisher wohl nicht alles rund gelaufen, gesteht Uehlecke. Aber am Mittwoch gebe es weitere Gespräche: „Wir tun jetzt alles, um das Verfahren zu beschleunigen.“
08:59
Klar, hier handelt es sich um eine private KiTa, die gegründet werden soll. Das heißt aber nicht, dass es für Elterninitiativen oder freie Träger einfacher wäre. Die KiTa-Platz-Situation in Essen ist insgesamt eine riesen Katastrophe und man sollte meinen, dass alle Bemühungen, da Abhilfe zu schaffen mit Kusshand entgegengenommen werden.
Falls noch jemand Interesse hat dazu weiter zu diskutieren/sich zu informieren etc.: http://keinkitaplatzessen.xobor.de/
14:05
dass bedarf in kupferdreh, dilldorf und heisingen besteht, ist ja nichts neues. haben 2008 der kita-zweckverband und die stadt nicht gemeinsam hand in hand gearbeitet, um die dritte kita-gruppe in dilldorf platt zu machen? was ist daraus eigentlich geworden?
08:57
Wenn Herr Pass seiner Funktion als Verwaltungschef endlich mal gerecht würde, dann könnten solche Schildbürgereien beendet werden. Leider kostet er den Steuerzahler nur Geld, ohne entsprechende Leistung zu erbringen. Selten war ein OB so isoliert in der Stadtverwaltung wie dieser. Es ist ein Jammer. Die SPD als stärkste Fraktion hat sich selber lahmgelegt und kann nur noch Opposition spielen. Das Vierer-Bündnis setzt auch keine Akzente und der OB gefällt sich in seiner Rolle als Zauderer und Verhinderer. Leider wird er von seinen eigenen Mitarbeitern nicht akzeptiert, was zur Folge hat, dass die Stadt nicht von den gewählten Mandatsträgern regiert, sondern sich selbst überlassen wird. Sie wird mehr schlecht als Recht verwaltet. Der Verwaltung kann man nur bedingt Vorwürfe machen, da sie keine Führung hat. Der Hauptbahnhof, der private Kindergarten, das RWE-Stadion. Alles Possen die zeigen, dass das städtische Handeln keine Linie und keine Führung hat.
08:44
ganz ehrlich, merkt hier einer noch, dass die Stadt mit diesem Projekt keineswegs das Allgemeinwohl unterstützen würde, falls sie das Gebäude einfach mal so zur Verfügung stellen würden?
Die beiden Damen sind keine freien Träger (Kirche, Stadt, Elterninitiative), sondern stellen später einen privat-gewerblichen Betrieb dar. Hier werden später richtig fette Kindergartenbeiträge fällig. OttoNormal kann dort seine Kinder nicht unterbringen (können schon, aber nicht bezahlen...), daher wundere ich mich hier über die breite Unterstützung.
Die Stadt muss ausschreiben, damit jeder das gleiche Recht hat. Das hat nichts mit sozialistischen Verhältnissen zu tun, eher etwas mit demokratischen. ich möchte schon sicher gestellt wissen, das mein Geld nicht an einen Unternehmer verschenkt wird, wenn ich mehr bekommen könnte....
17:45
Die Stadt handelt immer richtig, denn sowas passiert doch mit Sinn und Verstand.
16:49
Wie wahr #5-8 ! Ich habe den Eindruck, dass hier wahre Vollprofis am Werk sind.
15:51
Wann stellen die beiden Erzieherinnen endlich ihren Hartz 4 Antrag und geben Ruhe? Sie müßten doch längst merken, daß Ihr Engagement unerwünscht ist und ihr Anliegen in der Stadtverwaltung nur unnötige Arbeit verursacht!
Unfaßbar in welchen fast sozialistischen Verhältnissen wir hier leben ....
15:37
Vollpfosten allesamt :-)))
15:29
Wen wunderts?
15:04
Zum Kotzen: Dann sollen sich die Zuständigen halt umentscheiden und das Ding halt vermieten. Mieteinnahmen und bezahlte Nebenkosten statt Unterhaltskosten für den Leerstand. Es scheint sich ja offensichtlich auch für eine Investorin zu rechen, warum dann nicht für die Stadt.
Aber das setzt ja Flexibilität und Denken voraus ... Das sind genau die Stellen wo Geld schlichweg vernichtet wird.