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Stadt lässt Kettwigs Eltern im Stich

28.02.2011 | 16:32 Uhr
Stadt lässt Kettwigs Eltern im Stich
Ein freier Platz im Kindergarten ist in Kettwig fast wie ein Lottogewinn.

Essen-Kettwig. „Ein Kind hat vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch einer Kindertageseinrichtung. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendämter) haben darauf hinzuwirken, dass für diese Altersgruppe ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen oder ergänzend Förderung in Kindertagespflege zur Verfügung steht“ - soweit die Theorie, bzw. der Paragraph 24 des Sozialgesetzbuches.

Zu wenig freie Plätze

Doch die Realität sieht deutlich anders aus. Heike Kappert ist Leiterin der Kindertagesstätten St. Joseph und St. Matthias und führt gemeinsam mit Susan Buchner-Rak das Kinder- und Familienzentrum Kettwig. Gespräche mit verzweifelten Eltern sind mittlerweile zum Tagesgeschäft geworden, denn „das Problem ist allzu offensichtlich - wir haben einfach zu wenig freie Plätze in Kettwig“.

In ihren Einrichtungen sind die Aufnahmeverfahren bereits abgeschlossen. 20 Plätze konnte sie in St. Matthias vergeben, 14 in St. Joseph. Zu wenig. „Die Stadt ist natürlich in der Pflicht, wenn Eltern ihren Rechtsanspruch auf die Betreuung der über Dreijährigen geltend machen. Aber die Kassen sind leer.“

In Kettwig kommt die Kommune dieser Pflicht allerdings nur auf Sparflamme nach. Lediglich im Kettwiger Rathaus am Bürgermeister-Fiedler-Platz gibt es eine städtische Betreuung - und zwar montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr. Berufstätigen Eltern, die in der Mehrzahl sind, vergeht bei diesem ziemlich überschaubaren Angebot sicherlich die gute Laune.

Die Nachwuchsbetreuung liegt also entweder in kirchlicher Hand oder wird privat organisiert. Eine Tagesmutter oder die Unterbringung in privaten Einrichtungen können sich allerdings nicht alle Eltern leisten. Also sind die Plätze in den Kettwiger Gemeinde-KiTas heiß begehrt. Ein Ausweichen auf andere Stadtteile, in denen es mit dem Angebot an freien Plätzen zudem oft nicht besser aussieht, „widerspricht dem Sinn und Zweck eines Kindergartens“, sagt Heike Kappert. Die Kinder sollen wohnortnah untergebracht werden, um dort die oft ersten sozialen Kontakte zu knüpfen.

71 Anmeldungen für 17 freie Plätze - so sieht es in der Evangelischen KiTa Corneliusstraße aus. Frustierend für Leiterin Sabine Hanitzsch. „Wir betreiben in Kettwig Mangelverwaltung. Allein Erziehende, Eltern, die beide arbeiten - der Druck ist oft enorm. Aber noch hat keiner geklagt, dabei haben sie wirklich einen Rechtsanspruch...“

Sabine Moseler-Worm

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