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Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen

22.10.2012 | 12:00 Uhr
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
Vor zwei Jahren sprachen sich noch 64 Prozent der Befragten im NRZ-Bürgerbarometer gegen den Stadionneubau aus, aktuell nur noch 26 Prozent.Foto: Hans Blossey

Essen.   Ein neues Stadion für einen insolventen Viertligisten? Rund 42,5 Millionen Euro für ein paar fußballverrückte RWE-Fans? Wie sich die Zeiten ändern: Vielleicht spielen die Rot-Weißen in diesem Jahr noch nicht mit um den Aufstieg, aber an der Hafenstraße ist viel vom neuen Wind zu spüren, zu dem ganz entscheidend auch das neue Stadion beigetragen hat.

Die Insolvenz? Fast schon vergessen, die Fans strömen in Scharen ins neue Haus: Nahezu ausverkauft gegen Union Berlin, rund 8200 selbst gegen Wiedenbrück (!), nein, die Stadt hat ihren Frieden gemacht mit dem Verein und vor allem mit der Entscheidung, in Bergeborbeck das alte Georg-Melches abzureißen, und als Stadt in ein „Stadion Essen“ zu investieren. Dies wird auch im NRZ-Bürgerbarometer deutlich.

Gaben vor zwei Jahren noch 64 Prozent der Befragten an, dass es aus ihrer Sicht falsch sei, das Stadion an der Hafenstraße aus Stadtmitteln zu finanzieren, halten nunmehr gerade einmal 26 Prozent der 521 befragten NRZ-Leser die Entscheidung für falsch. Immerhin 39 Prozent halten den Neubau für richtig, der Durchschnittswert beträgt 2,67 Prozent. Dass im Norden „Ja, auf jeden Fall“ häufiger als Antwort gegeben wurde (30 Prozent) als im Süden (22 Prozent), hat kaum Einfluss auf das Bild: Im Norden ist auch die Fraktion der Stadion-Gegner größer als im Süden (etwa 17 zu 12 Prozent).

Männer sind eher als Frauen fürs neue Grün, jüngere Befragte freuen sich eher als ältere über die neue Spielstätte, vor allem die 50 bis 59-Jährigen halten die Entscheidung noch am ehesten für falsch. Aber schon die 60-Jährigen neigen zu einem altersmilden Urteil: Hier ist die Zustimmung zum neuen Stadion fast so hoch wie bei den 20-Jährigen.

"Das alte Georg-Melches Stadion hatte einfach mehr Flair"

Die Wege sind andere geworden, die Sitzschalen auch und wer an Spieltagen die Bottroper Straße entlang fährt, der wird nun nicht mehr durch die beleuchteten Flutlichtmasten auf den Spielbetrieb im Georg-Melches Stadion hingewiesen. Vieles hat sich geändert, manches wird gelobt, manches kritisiert, wie die NRZ-Umfrage vor dem Heimspiel gegen den SC Wiedenbrück zeigt.

„Ich wäre heute lieber nebenan, das alte Georg-Melches Stadion hatte einfach mehr Flair“, wirft Andrea Zabinski am Fuße der neuen Haupttribüne nostalgisch einen Blick zur Seite, wo die alte Tribüne im Schatten des Neubaus steht. Die Zukunft heißt Stadion Essen. „Darauf haben wir jahrelang gewartet“, freut sich Daniel Mund. Sein Kumpel Tobias Lakks schränkt ein: „Allerdings ist der Ablauf noch etwas fremd, man hat sich noch nicht so gefunden, das ändert sich hoffentlich, wenn die vierte Tribüne steht.“

Deren Rohbau nimmt Formen an, die Lücken werden kleiner, zur Rückrunde könnte der 42,5-Millionen-Bau fertig sein und Essen wieder ein echtes Fußballstadion mit vier Tribünen haben. Ob die Investition richtig war, darüber herrscht bei den RWE-Fans Klarheit. „Schon alleine wegen der neuen Logen und dem Fanshop, das ist alles moderner und professioneller“, freut sich Gerry Mönning, der seit 27 Jahren an die Hafenstraße pilgert.

  1. Seite 1: Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
    Seite 2: Verein beantwortet die Frage mit einem klaren „Ja“

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Kommentare
25.10.2012
23:17
1980yann | #23
von peerbeinstueck | #24

Was ist das für eine, sorry, bescheuerte Frage?
Wo habe ich geschrieben, dass die Zuschauer die Verschuldung der Stadt Essen senken?
Ich habe die Zuschauerzahlen angeführt, um auf die überdurchschnittliche Fußballbegeisterung in unserer Stadt hinzuweisen, die ein ganz wichtiges Argument für den Stadionbau ist.

Wenn Sie Fußballstadien generell als Verschwendung sehen, kann man ja froh sein, dass Sie nicht darüber zu befinden haben. Sonst gäbe es in Deutschland wohl schon bals keinen Fußball mehr.

25.10.2012
22:12
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von 1980yann | #23

@peerbeinstueck
Und 8.000 Zuschauer gegen wen auch immer senken die Verschuldung der Stadt Essen in welchem Umfang?
Es ist immer schwierig anderen Städten in ihre Geldverschwendung hineinzuquatschen, in der Stadt in der man lebt, hat man da schon eher das Recht, sich zu Wort zu melden. Falsche Entscheidungen werden nicht dadurch richtiger, dass man sie hier in Essen trifft.

In Bielefeld hat man übrigens gesehen, wozu sowas führt. Da stand auch so ein Verein kurz vor der Pleite - und hat dann versucht, aus die Stadt um Hilfsgelder zu erleichtern. Argument: wenn es uns nicht mehr gibt, könnt Ihr ja mal sehen, wer in dem Stadionneubau demnächst gegen Bälle tritt.

25.10.2012
18:33
1980yann | #21
von peerbeinstueck | #22

Ich habe schon verstanden, was Sie mit Zuschauer stapeln meinen.

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass im "Stadion Essen" trotz Viertklassigkeit mehr Zuschauer "gestapelt" werden als in manchen anderen Städten, wo die Klubs in höheren Ligen spielen? Über 8.000 Zuschauer, wenn der Gegner Hüls oder Wiedenbrück heißt, das soll erst mal einer nachmachen.

Und haben Sie mal recherchiert, wievile Millionen bzw Milliarden Steuergelder in den deutschen Fußballstadien stecken? Das ist doch hier keine Essener Besonderheit.

25.10.2012
14:23
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von 1980yann | #21

@peerbeinstueck
Ich habe an keiner Stelle gefordert, der Saalbau hätte unprofessionell renoviert werden sollen. Diese Unterstellung ist böswillig.
Tatsache ist aber, dass die Saalbau-Miete verdammt teuer geworden ist: Karnevalsvereine, Sportbund, Parteien können ihn sich alle nicht mehr leisten. Zuvor konnten sie das - und das nicht nur durch einen "Ruinen-Rabatt". Der Saalbau hat die preisliche Liga gewechselt!

Für ein Fußballspiel braucht es nur Wiese, Tore, Umkleiden. Zuschauer stehen am Rand. Werden die Zuschauer mehr, kuckt irgendwann die zweite, dritte, vierte Reihe nur noch gegen die Hinterköpfe der Vordermänner - um ihnen das Zuschauen zu ermöglichen, werden die weiteren Reihe auf eine höhere Ebene gestellt. Das meine ich mit Stapeln! Und je mehr Reihen man braucht, desto höher müssen sie sein, desto teurer wird es - und bei Vereinen, bei denen sich dieser Aufwand lohnt, findet sich auch ein privater Investor.

25.10.2012
00:44
1980yann | #19
von peerbeinstueck | #20

Ja, ist schon wahr, ein Eimer Farbe und noch ein bisschen Klebeband zum Flicken hätte es beim Saalbau auch getan. Schließlich ist hier Provinz und das soll auch jeder sehen.

Und die Idee, "Zuschauer auf Tribünen zu stapeln", ist natürlich total bescheuert. keine andere Stadt würde auf so einen Unsinn kommen.

Mann, Mann!

24.10.2012
19:18
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von 1980yann | #19

@peerbeinstueck
Der alte Saalbau war baulich nicht mehr im besten Zustand, aber er hatte seinen Nutzerkreis! Statt einer Sanierung gab es dann eine Luxussanierung, für bisherige Mieter ist der Bau zu teuer geworden, der TuP-Betrieb ist defizitär. Auf jeden Euro Ticketeinnahme legt die Stadt ungefähr vier Euro Subvention drauf - würde ein EVAG-Chef am Jahresende ein solches Defizit pro Ticket präsentieren, der Kämmerer würde ihm persönlich den Kopf abbeißen.
Natürlich braucht eine Stadt auch Kulturangebot, und gerade eine Großstadt als Leuchtturm in der Region braucht auch ein umfassenderes Angebot. Im dichten Wald vieler Leuchttürme muss aber nicht jeder ein Vollanbieter sein, denn niemand ein unumstrittenes Einzugsgebiet im 360°-Umkreis.

In Bezug auf das Stadion hätte sich der Verein um Investoren bemühen müssen. Zum Spielen reichen Wiese, Tore und Umkleiden. Wenn es ein gutes Geschäftsmodell ist, Zuschauer auf Tribünen zu stapeln, fände sich sicher jemand. Wenn nicht, dann nicht.

24.10.2012
17:00
1980yann | #17
von peerbeinstueck | #18

Ich weiß ja nicht, wie sie sich das Gesicht einer Großstadt vorstellen. Stadion war ein Fehler, Philharmonie auch schon?
Und was ist mit Folkwang-Museum oder Aalto? Kosten auch nur Geld.

Also alles dichtmachen. Was brauchen wir so einen Quatsch. Wir haben ja das Einkaufscenter am Limbecker.

24.10.2012
14:59
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von 1980yann | #17

@peerbeinstueck
In Beitrag #6 hab ich doch bereits ausführlich geschrieben, dass die Stadt keine Fußballmannschaft hat, die das Stadion bespielen kann und dass es keine ausreichend solventen Mieter gibt, die die Kosten für Errichtung und Unterhalt in Form von Pachtzahlungen wieder einspielen können.
Die Philharmonie war auch schon ein großer Fehler, aber wenigstens sind Theater und Museen von der Stadt selbst genutzt, auch wenn die Sammlungen und Ensemble teilweise in GmbHs organisiert sind - so kontrolliert die Stadt diese zumindest.

Ohne ausreichende Sicherheiten (z.B. Fanbürgschaften) an jemanden zu verpachten, in dessen letzter Insolvenz man bereits Millionen verloren hat, ist der reine Wahnsinn.
Und da wäre es Wahnsinn, jetzt noch anzubauen!

24.10.2012
02:07
1980yann | #15
von peerbeinstueck | #16

"kein Stadion wäre doch eine sinnvolle Lösung gewesen"

Das ist argumentativ ein bisschen dünn. Ich hatte ja Argumente für das Stadion gebracht und wenn SIe mir da widersprechen wollen, wäre es nicht verboten, auch ein paar Argumente zu bringen.
Irgendwie kann ich Ihren Ausführungen nur entnehmen, dass Sie RWE oder vielleicht auch Fußball im allgemeinen nicht mögen.

Ein anderer mag keine Oper und ist gegen das Aalto, ein anderer mag kein Schauspiel und ist gegen das Grillo, einer mag vielleicht keine Bäume und meint, man könnte das Geld für die Gruga einsparen.
Irgendwie nicht so ganz überzeugend.

2 Antworten
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von dschidschi5 | #16-1

Vielleicht überzeugt Sie mein Argument: Warum sollte eine hochverschuldete Stadt Geld ausgeben, um einigen Wenigen ihr Hobby zu finanzieren? Fussballspielen kann man auf jeder Wiese und dabei zusehen auch. Aber heute muss es ja für jeden Vorortverein eine "Arena" sein, mit "Logen" für die VIPs"....
Und ja - man kann auch Theater spielen oder ein Konzert spielen auf der Wiese, aber dieser Vergleich wird immer "hinken", auch wenn man ihn noch so oft wiederholt.

Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von peerbeinstueck | #16-2

dschidschi5 | #16-1

Nein, überzeugt mich nicht.

Wo ist die Wiese in Essen, wo die 8000 Fans den Fußballern von RWE zugucken könnten?
Und RWE ist sogar in de 4. Liga noch ein Verein, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt.
Wie ich schon beschrieben habe, geht es ja nicht nur um Hobbys, sondern auch um die Attraktivität einer Stadt.
Genau wie beim Saalbau vor ein paar Jahren war dringender Handlungsbedarf, da der Ist-Zustand nicht mehr tragbar war. Da kann man nur investieren oder resignieren.

Und ich bin sehr froh, dass man sich beidesmal fürss Investieren entschieden hat.

23.10.2012
20:17
Stadt hat ihren Frieden gemacht mit RWE und dem Stadion Essen
von 1980yann | #15

@7
Na, ob dieser komische Verein je für eine steigende Pacht unterschreiben wird oder ob man das Geld nicht gleich verpulvert, wie es der Tradition entspricht.
"Uns" als Stadt geht es nicht besser als vor zwei Jahren, da die Stadt viele Millionen in der Vereinspleite verloren hat und dem Geld noch mehr hinterhergeworfen hat.
@8
Neu oder kein - kein Stadion wäre doch eine sinnvolle Lösung gewesen. Eine baurechtliche Palliativbegleitung hätte die Stadt ja durchaus leisten können.
@10
Und die Unterschriften sind wieviel wert? Die Nasen hätten mal besser Bürgschaften unterschrieben, damit die Stadt in den nächsten Jahrzehnten nicht bei den nächsten Insolvenzen auf offenen Pachtforderungen sitzen bleibt.
@14
Die Alternative wäre gewesen, die neuen Schulden gar nicht erst zu machen.

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