Stadt Essen will Feste absagen, sobald Windstärke 6 droht

Gefahr durch Bäume? Beim Rü-Fest und anderen Veranstaltungen dieser Art könnten künftig kurzfristige Absagen drohen, wenn Windstärke 6 prognostiziert wird.
Gefahr durch Bäume? Beim Rü-Fest und anderen Veranstaltungen dieser Art könnten künftig kurzfristige Absagen drohen, wenn Windstärke 6 prognostiziert wird.
Foto: Kerstin Kokoska
Was wir bereits wissen
Behörde verschärft Genehmigungspraxis weiter und nennt als Grund Spätfolgen von „Ela“. Vereine sind empört: Veranstaltungen auf dieser Basis nicht mehr machbar.

Essen.. Neue Erschwernis für die Veranstalter von Straßen- und Stadtteilfesten: Die Stadt Essen versieht ihre Erlaubnis-Bescheide seit 1. Mai mit einer weiteren „aufschiebenden Bedingung“: Spätestens zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung ist durch Abfrage beim Deutschen Wetterdienst sicherzustellen, dass Windstärke 6 während und kurz nach der Veranstaltung nicht erreicht wird - weder konstant noch in einzelnen Böen. Wenn doch, dürfe das Fest nicht stattfinden.

Diese Anordnung gilt, sofern es im Bereich des Festes größere Bäume ab vier Metern Höhe gibt, was im öffentlichen Raum fast überall der Fall ist. Windstärke 6 wird definiert als „starker Wind“ mit Geschwindigkeiten von 39 bis 49 km/h und kommt vor allem in Böen durchaus öfter vor. Merkmale von Windstärke 6: „Äste schwanken, Regenschirme sind schwer zu halten“.

Begründung für Verschärfung: Spätfolgen von Sturm Ela

Dieter Schmitz, Leiter des zuständigen Amtes für Straßenbau und Verkehrstechnik, begründet auch diese Verschärfung mit den Spätfolgen von Sturm Ela. „Unsere Kollegen von Grün und Gruga haben uns plausibel nachgewiesen, dass viele Baumkronen vorgeschädigt sind und schon ab Windstärke 6 die Gefahr eines Astbruchs nicht auszuschließen ist.“ Daher habe man handeln müssen. Wenn ein Fest dennoch stattfinde, trage der Veranstalter die Verantwortung für mögliche Unfallfolgen. „Wir als Stadt können und werden das nicht kontrollieren.“

In einem offenen Brief an OB Reinhard Paß haben die Essener Bürger- und Verkehrsvereine die erneute Verschärfung als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet. Nach Ela seien die Bäume im öffentlichen Raum gutachterlich überprüft worden und müssten jetzt eigentlich sogar sicherer sein als in den Jahren vor dem Sturm. „In den Stadtteilen werden fast ausnahmslos immer die gleichen Bereiche für Veranstaltungen in Anspruch genommen, also Flächen, die bereits 2014 entweder durch Ihre Fachbehörde oder gar durch uns als Veranstalter (und auf unsere Kosten) auf Ast- und Stammbruch und dergleichen überprüft worden sind“, heißt es in dem Brief. Und weiter: „Angesichts solcher Bedingungen kann man eigentlich den Mitgliedsvereinen nur empfehlen, keine Veranstaltungen in den Stadtteilen mehr durchzuführen.“

Angst um die Stadtkultur in Essen

Das Risiko sei zu groß, Stunden vor einer Veranstaltung plötzlich ohne Genehmigung dazustehen, keine Einnahmen zu haben und womöglich gegenüber Musikern oder Beschickern von Kaufständen regresspflichtig zu sein. „Was all das für die Stadtkultur in Essen bedeutet, brauchen wir Ihnen, lieber Herr Oberbürgermeister, nicht zu verdeutlichen.“

Dieter Schmitz versteht den Ärger und spricht von einem „Dilemma“. Vielleicht könne die Stadt künftig die Regelung wieder einkassieren, wenn alle Bäume in Essen wirklich hieb- und stichfest überprüft sind. In diesem Jahr sei das aber auf keinen Fall leistbar.