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Stadt Essen will die Zahl der Förderschulen reduzieren

18.06.2012 | 06:00 Uhr
Stadt Essen will die Zahl der Förderschulen reduzieren
Blick in den Unterricht – das Schulleben wird sich durch die UN-Konvention langfristig verändern. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Sechs der 19 städtischen Förderschulen haben bereits jetzt zu wenig Schüler. Deshalb plant die Stadt Essen, die Zahl der Förderschulen drastisch zu reduzieren. Entsprechend wurde und wird das Angebot an weiterführenden Schulen ausgeweitet. Inklusion ist das Stichwort.

Die Stadt plant, die Zahl der Förderschulen zum Schuljahr 2013/14 deutlich zu reduzieren. Rund ein Drittel der 19 städtischen Förderschulen könnten davon betroffen sein. Sechs Förderschulen haben bereits jetzt zu wenig Schüler.

Über Förderschulen, die bis 2006 noch „Sonderschulen“ hießen, ist in der breiten Öffentlichkeit relativ wenig bekannt, obwohl es in Essen in etwa gleich viele Förderschulen wie Gymnasien gibt. Unterrichtet werden nicht nur Kinder und Jugendliche mit schweren geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten. Man spricht von Schülern mit „emotionalem und sozialem Förderbedarf“. Ein anderer Großteil von Förderschulen hat Bedarf im Bereich „Lernen“; das heißt: Diese Schüler lernen langsamer als andere – sind aber ansonsten, salopp formuliert: „Ganz normal.“

14 Grundschulen in Essen bieten derzeit den „Gemeinsamen Unterricht“ von behinderten und nicht-behinderten Kindern an. Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ sind grundsätzlich gute Kandidaten, die nach der Grundschule möglicherweise nicht in einer Förderschule, sondern an einer regulären Schule unterkommen könnten - als Teil einer „integrativen“ Lerngruppe innerhalb einer Klasse.

„Bei uns melden sich immer mehr Eltern, die nach Plätzen in integrativen Lerngruppen fragen“, berichtet Regine Möllenbeck vom städtischen Bildungsbüro.

„Ganz ohne Förderschulen wird es aber nicht gehen“

Entsprechend wurde und wird das Angebot an weiterführenden Schulen ausgeweitet: Die Gesamtschule Bockmühle richtet im kommenden Schuljahr erstmals vier Gruppen mit je fünf Schülern in ihrem Fünfer-Jahrgang ein. Gestartet war man im laufenden Schuljahr mit zwei Gruppen. Auch die Helene-Lange-Realschule (Steele) und das Krupp-Gymnasium (Frohnhausen) richten wieder integrative Gruppen ein. In Holsterhausen (Gesamtschule) und am Schulzentrum Stoppenberg gibt es diese Gruppen schon länger. Der Unterricht wird großteils auch von Sonderpädagogen begleitet.

Diese neue Bewegung, als „Inklusion“ überschrieben und durch eine UN-Konvention in Deutschland seit 2009 verbindlich, lässt die Zahl der Schüler an Förderschulen sinken. „Ganz ohne Förderschulen wird es aber nicht gehen“, sagt Susanne Röder, die Leiterin der Förderschule am Steeler Tor. Dort fing man bereits 2008 an, die Lehrer auch zu den umliegenden, regulären Schulen zu schicken – stundenweise werden dort Schüler betreut, die Wackelkandidaten sind und Gefahr laufen, auf die Förderschule wechseln zu müssen. Die Konsequenz: Die Zahl der Schüler am Steeler Tor ist kontinuierlich gesunken. So, dass einige Lehrer ausschließlich vorbeugend an regulären Schulen arbeiten können.

Martin Spletter

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2012-06-18 06:00
Inklusion,behindert,nichtbehindert,Schulen,Unterricht,Pädagogik
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