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Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste

10.09.2012 | 18:27 Uhr
Schotten dicht: Am 2. September endete im Grugabad die Saison - eine schöneFoto: Ulrich von Born

Essen.   Die Essener Freibäder Grugabad, Kettwig und Oststadt waren am Wochenende trotz sommerlicher Temperaturen geschlossen. Eine spontane Verlängerung der Saison sei nicht ohne Weiteres möglich, teilen die städtischen Badbetreiber mit. Die privaten Freibäder reagierten spontan aufs gute Wetter – und wurden dafür belohnt.

Für Hannelore Rottmann war das vergangene Wochenende eins nach Maß: „Wir hatten Samstag 320 Besucher, Sonntag waren es 810! Das war so toll, dass ich mich freiwillig an die Kasse gesetzt habe.“ Rottmann ist die Vorsitzende des Schwimmvereins Steele 11, der das kleine Freibad zwischen Ruhr und Westfalenstraße betreibt. An Schwimmen sei in dem 8x25 Meter-Becken bei soviel Betrieb kaum zu denken, gibt sie freimütig zu. Aber die Leute hätten die Abkühlung genossen. „Ich bin froh, dass wir die Saison verlängert haben.“

800 Gäste im kleinen Steeler Bad

Mancher Essener dürfte sich gewundert haben, dass die städtischen Sport- und Bäderbetriebe sich nicht zu einer ähnlich spontanen Reaktion in der Lage sahen wie die privaten Bäderbetreiber (neben dem Steeler war auch das Freibad Hesse in Dellwig geöffnet). Bei Temperaturen an der 30-Grad-Marke waren das Gruga-Bad und die Außenbereiche der Schwimmzentren Kettwig und Oststadt geschlossen. „Das tut uns auch weh, so ein tolles Wochenende nicht mitzunehmen, nach der mauen Saison “, sagt Michael Ruhl, Abteilungsleiter bei den Bäderbetrieben.

Als man die Verträge mit den 43 Saisonkräften Ende August beendete, habe sich das gute Wetter noch nicht absehen lassen. „Wir haben uns die Prognosen von drei bis vier Wetterdiensten angeguckt und beschlossen, am 2. September den Betrieb einzustellen. Danach waren unsere Saisonkräfte weg.“ Um eine Saisonverlängerung zu planen, brauche man „etwas Vorlauf“.

Kommentar
Planwirtschaft am Pool

Sommer ist, wenn wir das vorgesehen haben, so lautet offenbar die städtische Planwirtschaft am Pool. Ist es im September planwidrig heiß und trocken, bleiben die Freibäder geschlossen.

Nur die störrischen Badegäste verstehen diese Logik mal wieder nicht: Vor Jahren schon protestierten sie (mit Erfolg), als die Freibäder morgens geschlossen bleiben sollten. Nun sprangen sie auf der Suche nach Abkühlung in die Ruhr oder planschten im überfüllten Mini-Bad in Steele. Wenn sich dort 800 Menschen tummeln, ist das eine schöne Belohnung für die Flexibilität des Vereins, dessen Vorsitzende selbst an der Kasse Platz nahm. Das sind die „anderen personelle Bedingungen“, auf die die Bäderbetriebe neidisch schauen.

Ein wenig mehr Pioniergeist und Spontaneität dürften auch die Bäderbetriebe zeigen, selbst wenn das zugegebenermaßen in Zeiten knapper finanzieller und personeller Ressourcen nicht immer leicht ist. Wir sind gespannt, wie die Flexibilität 2013 aussehen wird.

„Ein paar Tausend wären wohl gekommen“

Selbst bei den Schwimmzentren Kettwig und Oststadt, die ganzjährig betrieben werden, sei es nicht einfach möglich, die Außenbecken länger freizugeben. Angesichts der knappen Personaldecke lasse sich das nicht mit den Stammkräften stemmen. Die Vereine, die Steele und Hesse betreiben, hätten „andere personelle Bedingungen“. Im Übrigen hält Ruhl den Vergleich von städtischen und privaten Bädern für falsch: „Es ist eher so: Es gibt fünf Freibäder in Essen, und zwei davon waren am Wochenende geöffnet.“ Mit Erfolg, sei hinzugefügt: „Hesse“ zählte allein am Sonntag über 1000 Gäste – eine hübsche Zahl für einen Tag, wenn man bedenkt, dass in der gesamten Saison gut 40.000 Gäste kamen.

Auch Michael Ruhl weiß ja, wie rasch ein paar schöne Tage eine miese Bilanz polieren können: Allein am 19. August, einem heißen Sonntag, kamen rund 13.000 Gäste ins Grugabad. „Das war allerdings in den Ferien, so viele wären es an diesem Sonntag nicht geworden.“ Trotzdem ärgere er sich, dass man diesen Spätsommertag nicht mitgenommen habe: „Ein paar Tausend wären wohl gekommen.“

„Wir werden 2013 flexibler“

Was bleibe sei leiser Grimm und das Versprechen, es 2013 besser zu machen: „Wir analysieren das und gucken, wie wir nächste Saison flexibler reagieren können.“

So schön ist der Sommer

 

Christina Wandt



Kommentare
12.09.2012
14:22
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von mit_offenen_Augen | #16

Wer mal über den Tellerrand guckt der sieht,
dass selbst in Düsseldorf ein oder ? Freibad geschlossen blieben.

http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/strandbad-blieb-bei-fast-30-grad-dicht-id7084989.html

12.09.2012
10:02
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von jochen45128 | #15

na ja, man sieht ja an der Hitliste deer Städte, auf welchem Platz Essen gelandet ist. Keine Fettnäpfchen, keine Panne der Verwaltung...immer wieder zeigt sich das Problem: Essen ist die am schlechtesten verwaltet Stadt....Baumfällung überall gleich (stimmt nicht), dreckige Fussbodenbeläge am Bahnhof, Strassenumbenennung gegen die Bürger, und klar: auch wenn es Hitzerekorde gibt pennen die Beamten im Rathaus, die bekommen die Hitze gar nicht mit und lassen das GRUGA Bad zu, klar, es kostet sonst. Die Bürger werden doch aufgerufen, die Gruga zu pflegen, die Strassen zu säubern, warum nicht auch, in den Bädern aufzupassen??? Nur eines Tages verwalten dann die Bürger sich selbst und schaffen das Rathaus ab....Niemandem würde es auffallen....der letzte Rang den Essen "erreicht" hat, hat es zu Recht bekommen, nur schade für ALLE, die hier leben müssen!

11.09.2012
20:57
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von bloss-keine-Katsche | #14

da haben einige wirklich keine Ahnung was alles bei einem Badbetrieb von Nöten ist.
So wie bei den Sauerländern, die ja Schneekanonen haben (was für ein ökologischer Wahnsinn), müssten die Bäderbetriebe riesige Solarien aufhängen können.
Mitoffenen Augen hat wohl ein Einziger ein wenig Ahnung.
Eine Woche, 14, Tage, 3 Wochen lang den kompletten technischen Dienst aufrechterhalten, um evtl. einen oder 2 Tag noch einmal ein paar Hundert ins Wasser zu lassen. wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?!?!
Leute, bei aller Liebe, es gibt wirklich wichtigeres als dem "Wutbürger" jeden querhängenden Furz weg zu massieren.
Es gibt im Umfeld genung Bäder die man hätte besuchen können, selbst in Essen.

11.09.2012
17:21
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von drmccoy | #13

Dank des Klimawandels haben wir doch nun schon häufiger erlebt, das es ziemlich warme Tage im September und auch Oktober gab. Und da kann die Stadt nicht drauf reagieren?

11.09.2012
15:00
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von trickflyer | #12

zu der nummer hätte man die uhr stellen können.das war doch schon im januar klar,das sowas nicht funktioniert.ich weiss nix,ich kann nix....ich bin beamter bei der stadt.

11.09.2012
14:16
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von pirast | #11

Wenn es die privaten Betreiber schaffen, sollte es für die Stadt Essen auch irgendwie möglich sein. Letztes Jahr war die Situation ähnlich (Grugabad hatte trotz tollem Wetter geschlossen).
Wichtig ist, dass wenn es zu einer Verlängerung der Saison kommt, dies auch ausreichend kommuniziert wird, zum Beispiel mit Facebook, damit auch junge Leute erreicht werden.
Wie eine offene Kommunikation / Marketing über soziale Netzwerke funktionieren kann zeigt Seaside Beach Baldeney mit seinem Facebook-Engagement.

11.09.2012
10:03
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von Guntram | #10

Man muss hierbei mehrere Aspekte sehen. Es ist natürlich ziemlich betonkopfhaft von der Stadt, sich einfach auf den Standpunkt zu stellen: Wenn Schluss, dann Schluss. Sowas kann sich nur ein städtischer Betreiber leisten. Aber man muss ja bedenken, dann im Falle eines Unfalls alle laut schreien, wieso nicht genug Rettungskräfte vor Ort weil, weil man die schon in Urlaub geschickt hat. Aber es gibt ein gutes Gegenbeispiel, wie man spontan mit Saisonverlängerungen umgehen kann. In Winterberg z.B. gibt es ein offizielles Saisonende für den Winterbetrieb. Wenn aber darüber hinaus noch kalte Tage zu erwarten sind, laufen auch die Schneekanonen und die Lifte länger. Einschließlich Bergwacht. Man schickt eben nicht vorsorglich alle Mitarbeiter zum geplanten Saisonende direkt in den Urlaub, denn dort denkt man unternehmerisch, und nimmt jede Schneeflocke mit, die sich ankündigt. Mit großem Erfolg für beide Seiten.

1 Antwort
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von amo17 | #10-1

KEINE Bedenken äußern und erzählen, warum etwas nicht geht. DAS ist der falsche Arbeitsschwerpunkt.
Überlegen wie man damit zurecht kommt.
Ich gehe jede Wette ein, dass bei allen Mitarbeitern, denen zum Ende des Augustes gekündigt wurde, vorher nicht gefragt wurde, ob sie im Sep./Okt. auf Stundenbasis arbeiten wollen/können.

11.09.2012
09:33
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von OmenEstNomen | #9

Wurde für so etwas nicht die Leiharbeit eingeführt? xD

11.09.2012
08:32
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von carnie | #8

Flexibel reagieren ist da nicht schwer erfordert nur ein wenig Initiative. Man ruft die 43 ehemaligen Saisonmitarbeiter einfach morgens an und fragt wer auf Stundenbasis spntan arbeiten möchte. Schwimmmeister könnte da schon schwieriger werden, aber warum dafür nicht Feuerwehrbeamte dienstverpflichten. Da gibt es ja hoffentlich auch Rettungsschwimmer. Ich denke kaum das die etwas dagegen haben, anstatt auf der Rettungswache rumzuhängen, schön in der Sonne im Freibad zu hocken.

1 Antwort
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von amo17 | #8-1

Genau, da muss einer mal zum Telefonhörer greifen und auch spontan reagieren.

11.09.2012
08:17
Stadt Essen verprellt mit geschlossenen Bädern die Gäste
von Tulpe74 | #7

Tja, liebe Stadt Essen-wir brauchen das Geld ja auch nicht.
Ich sehe mit diesem Verhalten nur meine Meinung bestätigt, das ihr das neue Stadtbad nur auf die lange Bank schiebt.
Gehen wir halt unser Geld nach Oberhausen oder sonst wo hin bringen-ihr braucht ja unser Geld nicht

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