Stadt Essen nimmt neuen Anlauf für mehr Wohnen und Gewerbe

Am Heuweg in Essen-Überruhr könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen. Die Planungsverwaltung bringt die Fläche neben anderen in die Diskussion.
Am Heuweg in Essen-Überruhr könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen. Die Planungsverwaltung bringt die Fläche neben anderen in die Diskussion.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Planungsverwaltung hat eine Liste mit Grundstücken vorgelegt, die bebaut werden könnten. Das könnte erneut Proteste auslösen. Denn mit Eigentümern und Nutzern wurde noch nicht gesprochen. Erst einmal ist die Politik am Zug.

Essen.. Ob die Transparente und Protestplakate von damals noch in den Kellern lagern? 2008 gingen die Anwohner vom Heuweg in Überruhr auf die Straße, weil auf dem Acker vor ihrer Haustür ein Gewerbegebiet entstehen sollte. Der Plan der Verwaltung verschwand daraufhin in der Schublade. Nun liegt er wieder auf dem Tisch.

Die neun Hektar große landwirtschaftliche Nutzfläche am Ausgang der Maria-Juchacz-Straße ist eine von sieben Flächen, welche die städtische Planungsverwaltung der Politik für die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben ans Herz legt. Für diesen Zweck erachten die Planer im Deutschlandhaus summa summarum 81,8 Hektar – gelegen vornehmlich im Essener Süden, wo die Nachfrage nach verkehrsgünstig gelegenen Grundstücken besonders hoch sei – als potenziell für geeignet.

Wirtschaftsförderungsgesellschaft: Essen braucht mehr Platz für Gewerbe

„Ob die Politik das genauso sieht, muss man sehen“, sagt Planungsdezernent Hans-Jürgen Best in diplomatischer Zurückhaltung. Dabei weiß Essens Chefplaner nur zu gut, dass Druck im Kessel ist; spätestens, seit Dietmar Düdden, der Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, mit einem durch Gutachten untermauerten Hilferuf an die Öffentlichkeit ging, der da lautet: Essen braucht mehr Platz für Gewerbe. Und diesmal, unter der neuen Mehrheit aus SPD und CDU im Rat der Stadt, dürfte ein solcher Ruf auf offene Ohren stoßen.

Was die Planungsverwaltung in diesem Wissen aus dem Hut gezaubert hat, dürfte im Fachausschuss allerdings kaum für Ooohs und Aaahs sorgen. Neben dem Acker am Heuweg, tauchen auch altbekannte Freiflächen an der Straße Im Teelbruch in Kettwig und an der Hatzper Straße entlang der A 52 auf. Auch dort hatte sich vor Jahren gegen die Ansiedlung von Gewerbe Bürgerprotest formiert. Fast entschuldigend formuliert Roland Graf, Leiter des Stadtplanungsamtes: „Wir können die Stadt nicht neu erfinden.“

Auch Überraschendes steht auf der Liste

Mit Protesten dürfte also zu rechnen sein. Ein Ausschlusskriterium bei der Standortsuche war das jedoch nicht, versichert Planungsdezernent Best. Das gilt auch für potenzielle Wohnbauflächen, die ebenfalls gesucht und nach Überzeugung der Planer auch gefunden wurden. 54,5 Hektar haben sie dafür ausgeguckt. Auch unter diesen Flächen finden sich bekannte Namen: der Sportplatz An der Windmühle in Burgaltendorf zum Beispiel oder der Acker am Sachsenring in Freisenbruch, den die Politik bei der Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplanes noch als zu wertvoll erachtet hat, um darauf Häuschen bauen zu lassen.

Doch auch Überraschendes steht auf der Liste. Überraschend vor allem für jene, die besagte Flächen heute nutzen. Das dürfte zum Beispiel für die Laubenpieper in der Kleingartenanlage am Weidkamp, Ecke Levinstraße in Borbeck gelten. Dort könnten nach Überzeugung der Planer auch Einfamilienhäuser statt Lauben stehen. Noch sei weder mit den Eigentümern gesprochen worden, noch mit den Nutzern, räumt Best ein. Die Debatte aber ist eröffnet. Gut möglich also, dass sie die alten Transparente wieder ausrollen, nicht nur am Heuweg. Der Planungsdezernent setzt davor ein Aber: „Es kann nicht sein, dass der Lauteste als erster Recht bekommt.“