Stadt Essen legt U-Bahn-Nordstrecke im Sommer still
22.02.2012 | 12:03 Uhr 2012-02-22T12:03:00+0100
Essen. Weil fünf oberirdische Hochbahnsteige dringend saniert werden müssen, setzt die Evag den Bahnverkehr in den Sommerferien auf der Nordstrecke aus. Dabei ist die mit 55.000 Fahrgästen am Tag meist genutzte Strecke im Essener Liniennetz erst 2001 eröffnet worden.
Das Altenessener Schützenkönigspaar Günther I und Emanuela I zählte zu den allerersten Fahrgästen. Und natürlich der Oberbürgermeister , begleitet von zahlreich vertretender lokaler Prominenz. Die Eröffnung der U-Bahn-Nordstrecke im September 2001 war ein gefeiertes Ereignis, schließlich war vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung mehr als ein Jahrzehnt vergangen.
Genauso lange ist die Nordstrecke nun in Betrieb. Dass sie im kommenden Sommer für lange sechs Wochen stillgelegt werden muss, weil die Hochbahnsteige sanierungsbedürftig sind, dies hatte nach solch kurzer Zeit aber wohl niemand erwartet.
Busersatzverkehr in den Sommerferien
An den fünf oberirdischen Bahnsteigen - II. Schichtstraße, Heßlerstraße, Arenberg-straße, Boyer Straße und Alte Landstraße - bröselt der Beton an tragenden Teilen, und das teilweise so stark, dass eine Sanierung nach Einschätzung von Experten nicht mehr länger warten kann.
Für die mit 55 000 Fahrgästen pro Tag meist genutzte Strecke im Liniennetz der Essener Verkehrs-AG heißt das: In den Sommerferien fahren Busse statt Bahnen, Evag -Kunden müssen also umsteigen. Dass unter den Fahrgästen außerhalb der Ferienzeit eine beträchtliche Zahl Schüler sein dürfte, macht es für jene, die von der Vollsperrung betroffen sind, nicht besser. „Da kommt einiges auf uns zu“, sagt Evag-Sprecher Olaf Frei. Schließlich steht in den Sommerferien wegen Bauarbeiten an den Helbingbrücken zeitgleich die Sperrung der A 40 an.
Ursache für Schäden unbekannt
Erste Schäden an den Hochbahnsteigen waren nach Angaben der Verwaltung bereits 2010 aufgefallen, als sich an den Kanten Betonplatten lösten. „Es bestand aber keine akute Gefahr“, so Rainer Wienke, Abteilungsleiter im Amt für Straßenbau und Verkehrstechnik. Die Verwaltung entschied sich, die Sanierung erst einmal hinten an zu stellen; mitten im Kulturhauptstadtjahr wollte die Stadt die Nordstrecke nicht stilllegen. Mittlerweile sind Betonfertigteile - so genannte T-Profile - aber dermaßen beschädigt, dass die Bahnsteigkanten abgesägt und neu betoniert werden müssen.
Verursacht wurden die Schäden offenbar durch Tausalz, das durch die Isolierung in den Beton eindringen konnte, was nicht hätte passieren dürfen. Ob Planungsfehler dafür verantwortlich zu machen sind, eine mangelhafte Bauausführung oder minderwertiges Material verwendet wurde? Dies konnte laut Wienke auch ein Gutachter nicht zweifelsfrei klären.
Baufirmen beteiligen sich an Sanierung
Auffällig ist, dass die Hochbahnsteige im weiteren Verlauf der U-Bahnstrecke in Holsterhausen und auf der Margarethenhöhe keine vergleichbaren Schäden aufweisen. Möglicherweise wurde sei dort eine andere Beton-Marge verwendet worden, heißt es.
Bevor es auf einen Rechtsstreit hinauslief, einigte die Stadt sich mit einer der ausführenden Baufirmen auf einen außergerichtlichen Vergleich: Beide Seiten teilen sich nach Angaben der Verwaltung die Kosten in Höhe von 225 000 Euro zu gleichen Teilen.
Eine weiteres Unternehmen, welches für den Bau beiden Hochbahnsteige an der Heßlerstraße und der II. Schichtstraße verantwortlich zeichnet, ist laut Wienke nicht mehr am Markt tätig. Da ist es aus Sicht der Stadt ein glücklicher Umstand, dass ausgerechnet an diesen beiden Bahnsteigen die Schäden weniger gravierend seien als an den übrigen drei im Norden.
Künftige Schäden vermeiden
Für die Zukunft will man an allen fünf Bahnsteigen vorbauen: Damit erst gar kein Tausalz mehr in das Bauwerk eindringen kann, sollen die Platten an den Bahnsteigkanten durch ein durchgängiges Betonteil ersetzt und dieses versiegelt werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Arbeiten in sechs Wochen über die Bühne gehen.
Von einer Wiedereröffnungsfeier ist übrigens keine Rede.
22:48
Arg, da war ich beim Lesen des Artikels froh, dass ich diese Strecke seit 1 1/2 Jahren nicht mehr fahre und stelle dann durch den Kommentar von drmccoy fest, dass meine stattdessen genutzte S6 auch im Sommer nicht fährt - und dass der Zeitaufwand dabei sicher deutlich mehr ist als von der U11 in den Bus umzusteigen...
15:27
Fusch am Bau ?!
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13:24
Es ist schon ärgerlich das da nun saniert werden muss, aber es betrifft ja nur die Bahnsteige und zum Glück sind noch einige Firmen greifbar, die mit für die Schäden noch auf kommen müssen. Aber zeigt einen auch dass vor allen im Baubereich der Preisdruck auf Dauer nicht wirklich gut ist.
Zumindest ist es löblich das man nun in einen Rutsch das alles saniert und nicht wie auf der U18 über Jahre macht, dann lieber 6 -7 Wochen SEV und wieder für Jahre Ruhe.
Dennoch aus heutiger Sicht hätte man sich die Stadtbahn sparen können, vor allen in Altenessen gab es neben dem Stadtzentrum eine Bahntrasse, wo die Straßenbahn ja mal drauf sollte. Heute stehen da Bäume drauf …
10:43
Hätten unsere Fortschrittsgläubigen mal das gewachsene, dichte oberirdische Meterspur-Straßenbahnnetz im Revier belassen. Das wäre preisgünstiger und sinnvoller gewesen als der nichtsnutze, teuere U-Bahnflickenteppich. Allein die mit fast 40 Jahren Betriebszeit inzwischen völlig veraltete Signaltechnik auf etlichen U-Bahnstrecken wird bald erhebliche Kopfschmerzen bereiten. Die Straßenbahn braucht so etwas nicht. Unzählige Fahrtreppen und Aufzüge, die durch Vandalismus mehr außer Betrieb sind, als dass die älter werdende Bevölkerung sie nutzen kann, kommen dazu. Das wird spaßig...
10:32
Ich freue mich schon auf den Sommer 2012, wo die U - Bahn Nordstrecke stillgelegt ist, die U 18 nur alle 15min fährt, die S 6 ihren Betrieb einstellt, Die S 9 soll ja auch noch irgendwann ein paar Tage nicht fahren und zu allem Überfluss die A 40 gesperrt wird. Und dann kommt noch die Großmesse von Thyssen-Krupp wo 300.000 Besucher erwartet werden. Doch wie die Menschen von A nach B kommen ist allen Beteiligten völlig egal.
14:09
Tja und verlierer ist wieder der Arbeitnehmer, der auf den ÖPNV setzt. Macht ja auch nichts wenn man schon einiges an Kohle investiert da kann man auch mal wieder ein wenig komfort einbüßen...
13:54
... nicht nur in Essen, wo eine gerade erst errichtet U-Bahnstrecke wegen schwerer Baumängel im Sommer stillgelegt werden muss und die B1/A40 wegen dringend notwendiger Reparaturen im Sommer mit einer Vollsperrung bedacht wird. Das alles zeigt nur, dass es langsam Zeit wird sich über andere Strukturen des Staates und der Gesellschaft Gedanken zu machen. Im Ostblock und in der DDR hat es übrigens ab 1986 auch so angefangen ........
12:58
einmal so bauen wie eine öffentliche körperschaft.aua aua aua.egal was.es bricht nach kurzer zeit in sich zusammen.hätte essen die pyramiden gebaut.....es gäbe sie nicht.nur vollpfosten am werk.
12:16
Die Überschrift ist zu reißerisch. Eine Sanierung ist keine Stillegung. Und nebenbei bemerkt ist die EVAG auch nicht die Stadt... Ein wenig mehr Sorgfalt wäre wünschenswert...
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Seh ich genau so wie "schriftsetzer"
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...den Sommer haben sie jetzt nachträglich in die Überschrift gefrickelt... ;-)