Stadt Essen hat Brandschutz-Auflagen fünf Jahre ignoriert
31.12.2012 | 11:25 Uhr 2012-12-31T11:25:00+0100
Essen. Vor fünf Jahren bescheinigte ein Gutachter dem Essener "Haus des Sports" manngifache Mängel in Sachen Brandschutz. Verbessert wurde offenbar bis heute nichts. Warum sich so lange niemand um die Auflagen scherte, ist derzeit ein Rätsel.
Ob wirklich was anbrennen kann in einem Schwimmbad voller Wasser – diese neckische Frage haben sie sich dann doch verkniffen. Denn selbst mit einer gehörigen Portion Galgenhumor lässt sich nur der Kopf schütteln über den sorglosen Umgang der Stadt mit dem Brandschutz im „Haus des Sports“.
Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass ein Gutachten der betagten 50er-Jahre-Immobilie an der Steeler Straße mannigfache Mängel bescheinigte, fünf Jahre, in denen nach NRZ-Informationen nichts passierte, obwohl das Haus nicht nur das geräumige Hauptbad beherbergt, sondern auch Trainingsräume für andere Sportler, Büros des Essener Sportbundes und eine Kindertagesstätte.
Brandschau der Feuerwehr förderte Mängel erneut zu Tage
Und obwohl sich so manche Filzstift-Markierung des Gutachters an Türen über all die Jahre lesbar erhielt, fiel erst Mitte Dezember bei einer neuerlichen Brandschau der Feuerwehr auf, dass von den Auflagen keine einzige erfüllt worden war.
Das war dann alles andere als eine schöne vorweihnachtliche Bescherung für die Verantwortlichen, die sich in der Woche vor Heiligabend zur Krisensitzung trafen. Und offenbar binnen zwei Wochen so viel auf die Reihe bekamen, dass am kommenden Mittwoch das neue Jahr im „Haus des Sports“ nicht mit einer zwangsweisen Stilllegung beginnt.
Seit 1882 gibt es an der Steeler Straße ein Bad, der aktuelle Bau entstand 1958 als stadtweit größte Schwimm-Adresse. Weil der Sanierungsbedarf auf über 16 Millionen Euro geschätzt wird, soll ein Neubau auf dem Thurmfeld Ersatz bieten. Der Landschaftsverband prüft: Denkmal oder nicht?
Immerhin, bis auf weiteres werden Brandwachen nötig sein und ein behelfsmäßiger Notausgang vor der Fassadenfront, bis ein zugemauerter Fluchtweg wieder aufgebrochen und andere Brandschutzauflagen, die etwa die Gefahr einer Verrauchung abwenden sollen, erfüllt sind.
Warum sich fünf Jahre lang niemand um die Auflagen des Brandschutz-Gutachtens scherte, ist derzeit ein Rätsel. Möglich, dass die Beteiligten sich nicht mehr für Um- oder Ausbauten ins Zeug legten, weil schon damals die Debatte um einen Neubau als Ersatz fürs Hauptbad geführt wurde. Und wer investiert schon gerne erkleckliche Summen in eine marode Immobilie, die er am liebsten lieber heute als morgen dem Erdboden gleichmachen will?
Debatte um Denkmalschutz für Essener Hauptbad
Ob es dazu überhaupt kommt, kommen darf, entscheidet sich nicht zuletzt in der Debatte um die Denkmalwürdigkeit des Hauptbades. Und weiteres Zuwarten wird wohl kaum geduldet – schließlich steht das als Hauptbad-Ersatz gedachte Hallenbad am Thurmfeld voraussichtlich erst 2015 zur Verfügung.
Unangenehmen Fragen müssen sich aber nicht nur die Sport- und Bäderbetriebe stellen, die ihre Immobilien selbst bewirtschaften. Im Raum steht auch die Frage, warum die Feuerwehr fünf Jahre lang keinen Grund sah, ihre eigenen Auflagen mal zu kontrollieren.

20:54
Auch im Klinikum Niederberg in Velbert wurde infolge einer Brandschau vor ca.10 Jahren ein Brandschutzkonzept erstellt, dessen Umsetzung 10,5 Mio. Euro Kosten verursachen würde (konnte man damals in der WAZ lesen). Die Brandschutzmängel mussten gemäß einer Baugenehmigung innerhalb von 10 Jahren beseitigt werden. Dies ist aber bis heute nicht geschehen.
20:43
Ohne es genauer zu wissen sollte man die Dinge nicht durcheinanderwerfen.
Die Feuerwehr erstellt keine GUTACHTEN.
Wurde vor 5 Jahren ein GUTACHTEN erstellt, wurde es vermutlich durch ein damit beauftragtes Ingenieurbüro, den TÜV oder einen VDS- zertifizierten Branschutz- Sachverständigen erstellt.
Eine Brandschau durch die Feuerwehr ist etwas völlig anderes und erfolgt i. d. R. lediglich im Rahmen einer Begehung. Natürlich ist es mehr als bedenklich, wenn nun die seinerzeit beanstandeten Dinge unbearbeitet aufpoppen, die Verantwortung liegt aber auf Seiten der Bauverwaltung, nicht der Feuerwehr.
16:24
Auch die Feuerwehr gehört zur Essener Stadtverwaltung und dort wird halt genauso gearbeitet.
Nur schade dass nicht gerade wieder ein Hamster aus einem Gully gerettet werden kann - da wäre die Presse besser.
09:19
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
nur so am rande.der autor spielt für die nrz.
Naja, WAZ, NRZ oder sonst wer. Kritik - absolut berechtigt - scheint hier ja nicht erwünscht.
Selber nicht wirklich richtig seinen Job nachgehen, aber anderen Behörden vorwerfen genau dieses eben vorwerfen...
Und schon wird der Kommentar blockiert, wenn man dies hier veröffentlicht. Billig.
07:58
Essen setzt Prioritäten.
Der Termin für die teure Umstellung Ökostrom wurde mit Sicherheit eingehalten.
06:21
Herr Kintscher - die Frage nach der Feuerwehr-Kontrolle ist echt GUT !
Man sendet doch all morgendlich sogar in Form von Dienstgrad-Bediensteten "biologische Brandmelder" zum Bad ab , die auf den Bahnen 1 bis 8 intensiv gegen die Fluten und gegen das Eigengewicht arbeiten und ich hoffe im Ernstfall auch gegen Feuer ! :) Darüberhinaus würde diese Tatsache auch beim einfachem Bürger mit Bezahlpflicht , den kostenlosen Einlass der "Brandmelder" mit mehr Verständnis ausstatten .
Also , hier von vernachlässigter Sorgfalt zu besprechen ................. ??
Die Frage nach der "Feuerwehr-Kontrolle" ist nicht "GUT" sondern eher ein Armutszeugnis was (guten) Journalismus angeht....
Die Frage hätte auch ein Herr Kintscher stellen können, hat er wohl aber nicht. Oder, er läßt die Antwort einfach unter gehen, damit sich dieser Artikel "dramatischer" liest.
Hätte Herr Kintscher seinen Job richtig gemacht, wüßten auch Sie, daß die 5-Jährige Kontrollfrist eine gesetzliche ist, niedergeschrieben im FSHG NRW (§6).
Die Durchführung und laufende Überwachung von seiten der Feuerwehr geforderten baulichen Änderungen, obliegt im übrigen auch nicht der Feuerwehr selber, sondern z.b. der Bauaufsichtsbehörde.
Die Feuerwehr muß nur alle 5 Jahre kontrolieren, wie es denn nun aussieht. Im einzelnen, kann die Kontrolle auch eher stattfinden. Was wohl hier nun wohl auch passieren wird....
Die Leute, die regelmäßig Dienstsport im Stadtbad betreiben, gehören selten dem Vorbeugenden Brandschutz an und wißen auch so nicht über evtl. Mängel bescheid.
das nicht Bescheid-Wissen trifft auch auf die zu, die eigentlich Bescheid wissen sollten. und die Bauaufsichtsbehörde kann Text-Bausteine aus dem Schreib-Programm zusammenstellen, aber die Bedeutung bleibt auch denen verschlossen.
Sie scheinen im Thema zu sein , was für mich aber völlig uninteressant ist , weil mein Kommentar alles andere als ernst oder fachlich gemeint war - dies habe ich in weiser Voraussicht gegenüber Antworten Ihrer "Qualität" mit dem Smile :) gekennzeichnet ! Natürlich ist Ihr letzter Absatz mehr als nachvollziehbar - die Berufsfeuerwehr mit hohem Anerkennungswert in der Bevölkerung hat selbstredend mehrere Abteilungen ect. !
Frohes Neues mit wenigen Einsätzen !!!