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Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei

15.11.2012 | 16:00 Uhr
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
Foto: Olaf Fuhrmann

Essen.   Stadt und Polizei haben fünf Jahre lang alle 558 Einbahnstraßen zwischen Karnap und Kettwig geprüft. In 252 Fällen dürfen nun Fahrradfahrer in Gegenrichtung hineinfahren. Doch ausgerechnet in den grünen Stadtteilen an der Ruhr und am See bleibt auch für Radler eine Einbahnstraße eine Einbahnstraße.

Dass es in Einbahnstraßen immer nur streng in eine Richtung geht, diese Zeiten sind in Essen für Radfahrer endgültig vorbei. Die Verhältnisse in fast jeder zweiten der 558 Einbahnstraßen zwischen Karnap und Kettwig haben sich grundlegend geändert, ein „Verbot der Einfahrt“ gilt für die Pedalklasse hier jedenfalls nicht mehr.

Dabei hat es sich die Stadt alles andere als leicht gemacht: Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe, an der sich auch die Essener Polizei beteiligte, bereiste und begutachtete seit 2007 sämtliche Einbahnstraßen. Vor wenigen Wochen legte sie ihr Ergebnis vor. Heute wird sich erstmals der Ausschuss für Stadtentwicklung mit der neuen Offenheit auf 252 Straßen befassen.

"Keine relevanten Zahlen"

Pauschal alle Einfahrtverbote für den Radverkehr aufzuheben, dieser Schritt ging Polizei und Stadt doch zu weit. Das wäre laut Straßenverkehrsordnung (StVO) zwar dort möglich gewesen, wo Tempo 30 gilt, doch schreibt die StVO auch vor, die Regelung sofort wieder einzukassieren, sollte es vermehrt zu Unfällen kommen. Eine erste Auswertung der Unfallzahlen von 2008 bis September 2012 ergab jedoch, dass sich in den bis dahin geöffneten 187 Einbahnstraßen gerade einmal in sechs Straßen jeweils ein Unfall ereignete.

Meldung vom 15.11.12
Radler und Fußgänger zahlen Bußgeld

Fußgänger und Radfahrer leben gefährlich, Tendenz steigend: Als die Polizei zum Jahresbeginn über die Unfallzahlen 2011 Bilanz zog, sah man in Mülheim auf 104 verunglückte Fußgänger und 109 an Verkehrsunfällen beteiligte Radfahrer zurück.

„Das sind wirklich keine relevanten Zahlen“, meint Essens Stadtdirektor Hans-Jürgen Best, der ein „besseres Verständnis“ der Autofahrer beobachtet, weil immer mehr Essener in ihrer Freizeit aufs Rad umsteigen: „Wir nähern uns langsam der holländischen Sichtweise auf den Radverkehr.“ Die Öffnung der Einbahnstraßen verbessere die Qualität des Radwegenetzes erheblich: „Wir sch affen mit wenig Aufwand neue Wege.“

„Wir können hier sicher noch mehr schaffen“

 In vielen Fällen hätten Zusatzschilder ausgereicht, einige Straßen habe die Stadt zu Fahrradstraßen umgewidmet, nur in 20 Fällen musste in Bordsteinradwege oder Radfahrstreifen investiert werden. Mancherorts allerdings blieben Einbahnstraßen auch aus Kostengründen verschlossen.

Auch Grünen-Ratsherr Rolf Fliß lobt die Initiative und die Arbeit von Stadt und Polizei, fordert aber auch, die Liste noch einmal durchzugehen: „Wir können hier sicher noch mehr schaffen.“ Einfach nur ärgerlich findet der umweltpolitische Sprecher der Grünen allerdings die „Ignoranz“ in den Bezirksvertretungen Ruhrhalbinsel und Werden/Kettwig, die eine Begutachtung ihrer Einbahnstraßen ablehnten: „Ganz Essen öffnet sich den Radfahrern, macht damit gute Erfahrungen, und ausgerechnet im Süden der Stadt verweigern sich CDU und FDP. Das ist eindeutig der falsche Weg.“

Dass ausgerechnet in den grünen Stadtteilen an der Ruhr und am See auch für Radler eine Einbahnstraße eine Einbahnstraße bleibt, soll allerdings nicht das letzte Wort sein: „Wir werden das Thema in der Fraktion und in den Arbeitskreisen besprechen“, sagt Uwe Kutzner, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Auch im Süden sollte eine Prüfung möglich sein, wir wollen die Entwicklung des Radverkehrs natürlich unterstützen.“

Hans-Karl Reintjens



Kommentare
05.12.2012
14:51
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von dschidschi5 | #20

Hahaha - was ist das? Ein verspäteter Aprilscherz? Als wenn sich in Essen auch nur ein Fahrradfahrer an so etwas wie Verkehrsregeln halten würde. Da muss man als Fussgänger selbst auf dem Zebrastreifen beiseite springen, denn grüne Ampeln für Fussgänger ignoriert ein Fahrradfahrer genau so selbstverständlich, wie er den Bürgersteig dem Radweg vorzieht.

29.11.2012
11:50
Gebt alle Einbahnstraßen für Radler frei
von eimerweise | #19

...und hört auf, weiße Farbe auf die Fahrbahn zu malen oder neue Schilder aufzuhängen.
Die Regelung" "Wenn die Strasse zu eng ist haben Radler auszuweichen" genügt doch, und das Aktive Nachdenken im Straßenverkehr sollte sowieso endlich wieder gefördert werden.

25.11.2012
16:05
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von osis | #18

Und Autofahrer auch. Volksport vieler Autofahrer ist ja mittlerweile das mißachten der Stopplinie an der Ampel und vorrollen auf den Radschutzbereich.


Idioten gibt es bei allen Verkehrsteilnehmern, egal ob zu Fuß oder mit Fahrzeug. Auch toll: Ipod-Fußgänger, die ohne gucken auf die Strasse rennen. Haben ja nix gehört...

16.11.2012
18:16
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von John_Sheppard | #17

@16 - Zu schnell fahrende Autos oder Raser? Ich vergleich die Radrambos eher mit Raser und die brauchen wir auch nicht! Es ist Fakt, dass bereits ein kleines Fehlverhalten eines Radfahrers eher zu einer körperlichen Versehrtheit führt, als die eines Autofahrers. Wenn eine Einbahnstraße frei gegeben wird (und wir verengen immer mehr Fahrbahnen, streichen Parkflächen, bauen Schwellen ein usw), dann müsste ich auch mit dem Fahrzeug demnächst auch auf dem Bürgersteig parken, da es einige Stellen gibt, die nicht so stark Frequentiert sind. Ich halte da gar nichts von. Kommt mir oder Ihnen im Dunkeln ein Radfahrer ohne Licht in der Einbahn entgegen und es kommt zu einem folgenschweren Unfall, was ist dann? Richtig, das Geschreie groß. Radfahrer sollen sich zunächst erst einmal an die StVO halten, Rot heißt an der Ampel stehen bleiben, kein Queren der Kreuzung über Fußgängeramplen, keine Fußwege nutzen, Radwege in Fahrtrichtung nutzen und Licht ab Dämmerung ...

16.11.2012
17:57
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von bergerhausener | #16

Das ist eine Wahrnehmungsfrage. An zu schnell fahrende Autos haben wir uns ebenso gewöhnt, wie an auf Gehwegen abgestellten Autos. An Fehlverhalten von Radfahrern haben wir uns noch nicht gewöhnt, deswegen fällt es so auf. Das ist kein Verharmlosungsversuch. Radfahrer müssen sich deswegen strenger an Verkehrsregel halten, weil Sie sonst den "alle Radfahrer sind Rüpel"-Brüller in die Hand spielen.
Die Einbahnstraßen sind leider ein Beleg dafür, dass es gesetzliche Einschränkungen für Autos gibt, die den Radverkehr ohne Grund verhindern. Diese gehören alle auf den Prüfstand. Der Essener Süden ist ein Beleg dafür, das engstirnig Autofahrerpolitiker sinnvolle Regelungen unterbinden. Nicht jede Einbahnstraße muss freigegeben werden. Aber geprüft werden müssen alle. Jeder Radfaherr ist ein Autofahrer weniger im Stau. Dass sollte Autofetischisten doch freuen.

16.11.2012
16:48
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von John_Sheppard | #15

@14 - fahren ohne Licht, als Teststelle empfehle ich die RÜ an den Kreuzungen, da können Sie gleich dazu noch sehen, dass den meisten Radfahrern Ampeln egal sind. kreuz und quer ist doch einfacher und wozu überhaupt einen Radweg und dann auch noch in die richtige Richtung befahren? OK; alle über einen Kamm scheeren wäre falsch, Eltern mit Kinder verhalten sich vorbildlich, aber was ist mit den Möchtegernerennradfahrer, die im Frühjahr über die Strassen wie ein Plage herfallen? Die interessiert keine StVO (Teststelle Werdener Ruhrbrücke, Kreuzung Bahnhof) und darauf angesprochen (rote Ampel, Kreuzung quer gefahren) werden diese Pseudosportler auch noch aggressiv (Von Androhung von Schlägen bis anspucken war alles schon dabei). Härtere Kontrollen bei Radfahrern sollten bzw. müsssen aus meiner Sicht kommen. Im fließenden Verkehr im Vergleich mit einem Auto, ziehen sie immer den Kürzeren, egal wer in dem Moment Schuld hat, aber ein richtiges Verhalten, mindert die Gefahr!

16.11.2012
15:53
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von Nobot | #14

@13 - natürlich kann man sich über sowas aufregen, mache ich auch, denn ich denke auch, Radfahrer die gehören nicht auf den Gehweg.

Aber unsere lieben Autofahrerdauermotzfreunde, die selber nie auf dem Drahtesel sitzen und herrschaftlich motzen, die sollten durchaus auch mal die Seiten wechseln. Dann können die auch mal motzen, haben aber mit Sicherheit erlebt, dass Radfahren zu allererst mal gefährlich ist, nämlich wegen der lieben Autofahrer.

16.11.2012
15:01
@11
von Kommentierer | #13

Ich bin "leidenschaftlicher" ;o) Fußgänger.

Von welchen Fahrradfahrern auf Straßen reden Sie?

Auf meinem Weg von/zur Arbeit werde ich durchschnittlich von 1-2 Fahrradfahrern pro Weg auf dem Gehweg fast plattgefahren.

Klar bei der Ausstattung dieser Räder ist die Nutzung auf der Straße ja auch lebensgefährlich (keine Beleuchtung).

Und wenn mal eine da ist, verursacht der Dynamo ja einen enormen Extraaufwand beim Treten (batteriebertriebenes Licht ist wahrscheinlich zu teuer).

Also MUSS man ja quasi auf dem Gehweg fahren. Aber was wollen die doofen Fußgänger hier ?

1 Antwort
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von osis | #13-1

Das ist technischer Unsinn. Viel mehr ist es als Lifestylefrage zu sehen. Nabendynamos ist kaum zu merken. Und die modernen Seitenläufer ebenfalls nicht mehr so auffällig.

Und es gibt auch genug lebensmüde Fußgänger die auf dem Geh-und Radweg durch die Gegend torkeln und beim klingeln lospöbeln...

Klischees wollen gepflegt werd ...

16.11.2012
11:16
Stadt Essen gibt Einbahnstraßen für Radler frei
von Kajovo | #12

Die Radfahrer machen doch sowieso was sie wollen, daher hätten sich Polizei und Stadt das ganze sparen können. Der Fußgänger als Bürger dritter Klasse ist der beschmierte: Straßen für Autos und Radfahrer, Bürgersteig: für Autos zum Parken, für Radfahrer zum Rasen und naja dazwischen dürfen sich dann auch noch ein paar Fußgänger bewegen.

16.11.2012
08:31
Zum Verständnis
von Nobot | #11

Gutes, wichtiges Thema, endlich kommt mal was in Gang!

An alle motzenden Autofahrer hier die Bitte, doch mal einen Selbstversuch zu starten:
Leihen Sie sich doch mal ein Fahrrad und fahren sie zur Hauptverkehrszeit einmal quer durch die Innenstadt. 20 Minuten reichen völlig aus, meist schon 5 und sie werden feststellen, wer hier fährt, wie er will und als würde die Straße ihm oder ihr gehören.

Viel Vergnügen.

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