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RWE-Aktien

Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile

13.05.2013 | 09:00 Uhr
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
Muss die Stadt Essen RWE-Aktien im großen Stil abwerten?Foto: Oliver Berg

Essen.   Ein finanzielles Horror-Szenario gewinnt für den Etat der Stadt Essen an Kontur. Auslöser ist die RWE-Aktie, die im Wert stark gesunken ist. Ein neues Gesetz schreibt bei einer dauernden Wertminderung jetzt außerplanmäßige Abschreibungen vor. Müsste die Stadt ihre RWE-Anteile abwerten, würde sie rund 564 Millionen Euro an Eigenkapital verlieren.

Am Dienstag war doch noch alles prima: Das haben die Politiker an kleinen blauen Dreiecken ablesen können, die der Kämmerer ihnen per Projektor an die Wand werfen ließ: Die Dreiecke, sie markierten in einer ebenso schmucklosen wie beeindruckenden Grafik den angepeilten Aufschwung beim Eigenkapital der Stadt nach 2015.

Die Politik war’s zufrieden: Wir kriegen die finanzielle Kurve, so lautete die Losung, und dank historisch niedriger Zinsen sogar mit deutlich leiser quietschenden Reifen als anfänglich befürchtet. Was die Grafik nicht verriet: In kleinen Zirkeln nicht nur in Essen diskutieren die Finanzexperten eine ganz andere Datenreihe, ein regelrechtes finanzielles Horror-Szenario, das den Kurs der Stadtkasse nah an den Abgrund führt.

RWE-Aktienkurs um rund zwei Drittel gesunken

Auslöser dafür ist ein Wertpapier, das die Stadt lange als Tafelsilber für schlechte Zeiten hütete, das aber mittlerweile viel von seinem alten Glanz verloren hat: die RWE-Aktie. Mehr als 18,6 Millionen Stück davon nennen die Stadt oder städtische Tochterfirmen ihr eigen, und als es 2007 daran ging, für die Eröffnungsbilanz den Wert in die Bücher zu schreiben, da notierte man den damaligen Kurs von 75,92 Euro je Aktie.

Mehr als 1,4 Milliarden Euro waren das mithin unterm Strich, und bei diesem Wert blieb es in Zeiten, da das Papier sich bis auf 100 Euro hochschraubte, es blieb dabei, als im Zuge der Finanzkrise der Absturz kam und auch, als der Atom-GAU von Fukushima die Energieriesen hierzulande bis ins Mark traf. Heute dümpelt der RWE-Kurs bei 27,85 Euro – grob ein Drittel dessen, was Essen in den Büchern stehen hat.

Stadt will nicht verkaufen - Gesetz zwingt zur Abschreibung

Nun macht sich so ein Wertverlust ja erst dann wirklich bemerkbar, wenn der Aktieneigentümer sich anschickt, sein Papier zu verkaufen, was die Stadt bislang tunlichst vermied. Die Frage aber stand stets im Raum, ob man nicht seriöserweise den Buchwert korrigieren muss, um kein städtisches Vermögen vorzutäuschen, wo keines ist. Stadtkämmerer Lars Martin Klieve argumentierte zuletzt mit dem Hinweis darauf, der Ertragswert der RWE-Aktien liege deutlich oberhalb dessen, was zehnjährige Staatsanleihen einbringen würden. „Diese Rechtsposition ist unangegriffen“, betont der Finanzchef, „und auch durch die Kommunalaufsicht nicht beanstandet“.

Womöglich muss man sagen: noch nicht. Denn nach der jüngsten Änderung des Gesetzes übers Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) scheint die Rechtslage sich gedreht zu haben: Paragraph 35 Abs. 5 der Gemeinde-Haushaltsverordnung schreibt „bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung eines Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens“ jetzt außerplanmäßige Abschreibungen vor.

Die RWE-Aktie ist wohl so ein Fall. Erst vor dreieinhalb Wochen warnte RWE-Vorstandschef Peter Terium bei der Hauptversammlung in der Grugahalle, das Ergebnisniveau des Konzerns nach 2013 zu halten, sei „kaum möglich“.

  1. Seite 1: Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
    Seite 2: Andere Gemeinden erwägen Abschreibung

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Kommentare
16.05.2013
08:42
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von viwatrou | #15

Die kleine BV II hat schon vor Jahren in Haushaltsreden der SPD Fraktion auf dises problem hingewiesen. Sowohl der "Lokalchef" als auch intern sind sie dafür gescholten und hart angegangen worden.

Gehen geht dieses Verhalten des Kämmerers nur, weil bisher niemand klagt und es nur das Rechnungsprüfungamt als Abschlußprüfer gibt. Wie war das mit der einen und der anderen Krähe?

Dazu kommt, dass in der Verwaltung ein "Gewinn" entsteht und argumentiert wird, wenn ein geringerer Zinsaufwand fällig wird. Das merken aber nur wenige und die im wirtschaftlichen so erfahrene CDU und der Exlehrer und Exdezernent des EBB blikcen diese Zusammenhänge schon lange nicht.

DerKämmerer Klieve ist viel mehr damit beschäftigt zu schauen, wo er Landesfinazminister werden kann (z. B. RP) - nurgewinnt die CDU ja seit Jahren keine Landtagswahlen mehr. So ein Mist wir wären ihn so gerne los!!

1 Antwort
Wie war das mit der einen und der anderen Krähe?
von netzschrecken | #15-1

Wäre doch neu, daß die SPD wirtschaftliche Zusammenhänge besser "blicken" würde als andere Parteien. Persönliche Bereicherung und Vorteilsnahme im Amt sind eher ein Problem des fehlenden harten Durchgreifens der Gesetzgebung.
Und wenn dieses Durchgreifen in den "Hochburg-Zeiten" der SPD erfolgt wäre, gäbe es diese Partei womöglich gar nicht mehr ;-)

14.05.2013
23:58
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von trickflyer | #14

aber wie im richtigen leben.....man redet sch....schön.

14.05.2013
15:57
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von ruhry | #13

Ein rechtzeitiges Abstoßen der Aktien, z. B. zum Schuldenabbau, hätte aber auch bedeutet, das liebgewonnene Aufsichtsratspöstchen mit all den sonstigen Privilegien und Netzwerken verloren gegangen werden. Und da den meisten das Hemd näher sitzt als die Jacke...

13.05.2013
22:33
Wenn Großaktionäre
von netzschrecken | #12

Verluste hinnehmen müssen, gibt es 2 Möglichkeiten:
1. Sie haben es gewusst. Dann gab es private Gewinne auf Kosten des Großaktionärs.
2. Sie haben es nicht gewusst. Wie kann man Großaktionär sein und nichts wissen?

;-)

13.05.2013
21:33
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von Muelheim_01 | #11

Aktien sind und bleiben ein Risiko hinsichtlich Kursverlauf, dass sollte jedem bekannt sein.

Man kann nicht auf der einen Seite Aktien verkaufen, um von den Kursgewinnen einen Profit zu machen und gleichzeitig den fehlenden Einnahmen der Dividenden nachtrauern.

Vielleicht sollt die Stadt jetzt noch mehr RWE Aktien kaufen, da der Kurs ja ziemlich weit unten ist. Aber man bekommt ja dann auch die Dividende .... und der Kurs geht bestimmt wieder hoch, spätestens dann, wenn die Stellen der Mitarbeiter abgebaut worden sind bzw. outgesourced / nearshored worden sind ..

13.05.2013
17:59
Aufmerksamer2013
von schRuessler | #10

Na, ganz so aufmerksam waren Sie in den letzten Jahren wohl doch nicht.

Der Verkauf der RWE-Aktien zur Schuldenreduktion stand ja immer mal auf der Tagesordnung. Er wurde aber abgelehnt, weil die dadurch entstehende Zinsersparnis geringer war als die dadurch entgehenden Dividenden.

13.05.2013
16:15
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von Aufmerksamer2013 | #9

Selber schuld wer mit Aktien Spielt und das nicht aus der Schweiz mit Black€, kann keine Großen Gewinne machen. Aber mal im Ernst welcher Dorftrottel hat gesagt das die RWE Aktie Gewinne macht ? Die ist seit 20 Jahren nur ein Verlustpapier, die angeblichen Gewinne, wurden durch den Kursverlust mehr als aufgefressen, da wäre ja eine Shell oder Aral besser gewesen, ja selbst wetten auf dem Euro hätten mehr gebracht. Die hätten ja auch eher die 590 Millionen in Sonnen oder Windstrom investiert , waren die Schon Schuldenfrei. Hier müsste sowas verboten werden.

4 Antworten
Manche verstehen nicht was ein "Buchwert" ist...
von Finnjet | #9-1

Es ist immer lustig zu lesen, wie wenig Ahnung manche von Aktiien sowie von Rendite haben.
Die Stadt Essen hat JAHRZEHNTE schon die RWE-Aktien und jedes Jahr eine nette Dividende bekommen, die im Haushalt verbraten wurden. Wenn man die Summe der jährlichen Dividenden in Abhängigkeit zum DAMALIGEN Kaufpreis sieht, hat essen schön Geld verdient. Als 2007 eine Eröffnungsbilanz erstellt wurde, MUSSTE man den damaligen Kurswert zugrundelegen. Essen hat nur buchhalterisch Geld seitdem verloren, nicht real. Aber für manche Kommentoren geht es vielleicht auch nur darum, mal wieder über das böse RWE herzuziehen....

Nur buchhalterisch Geld seitdem verloren???
von vaikl2 | #9-2

Was faseln Sie da? Essen und übrigens auch Dortmund haben seit zig Jahren die Dividenden als reale Einnahmen verbucht und die Beteiligung über dubiose interne Deals sogar noch erhöht, um sich bloß die Steuerreduzierung für Mehrheitseigner zu sichern.

Gleichzeitig sind die zwingenden Kapitalbewertungs-Anpassungen in voller Kenntnis der Gesetzeslage einfach unterlassen worden. Ein Steuerfahnder hätte bei Privatpersonen jetzt schon das Glänzen in seinen Augen...

vaikl2: lesen Sie mal genauer!
von Finnjet | #9-3

Es ging nur um die Erwiderung des Gefasels, dass die RWE-Aktie angeblich seit 20 Jahren nur ein Verlustbringer ist. Das ist sie nicht.
Ob man schon 2008 eine Bilanzberichtigung hätte vornehmen müssen, steht hier nicht zur Debatte. Aber vielleicht sind Sie ja Steuerfahnder.....na dann mal ran!

@Finnjet | #9-3
von vaikl2 | #9-4

Ich *kann* genau lesen, deswegen hatte ich Ihren "buchhalterisch"-Satz zitiert. Der dann korrekt lauten müsste: "Die Städte haben schwere Verluste in den letzten Jahren durch buchhalterische Tricks und Lügen verschleiert".

13.05.2013
15:15
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von Ruhrpottraudi | #8

Herr Klieve macht einen guten Job. Vielleicht sogar besser als all seine Vorgänger.
Und auch besser als viele der andere FÜhrungskräfte in der Verwaltung.

Trotzdem muß man realistisch bleiben. Die Werte müssen an realistisches Niveau angepasst weren. Evtl. kann man ja in wenigen Jahren wieder noch oben korrigieren.

Auch wenn das mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Stillhalten ist ein Fehler, der uns dann eben später wieder einholen wird.

13.05.2013
14:49
"nach der jüngsten Änderung", bla
von vaikl2 | #7

Die Kernaussage des §35 Absatz 5 GemHVO NRW über die außerplanmäßigen Abschreibungen bei voraussichtlich dauernden Wertminderungen existiert **seit 2004**!!!!

Wenn nun Jemand wirklich behaupten sollte, da wäre "jüngst" erst etwas zum Nachteil der Kommunen geändert worden, ist das eine glatte Lüge und ich kapiere nicht, wieso sich die WAZ diesen Bären auf ihren fetten Wohlstandsbauch binden lässt. Hat man da der Politik vielleicht versprochen, ebenso erst sehr spät auf die RWE-Problematik hinzuweisen?? Das Problem hat ja schließlich nicht nur Essen allein...

2 Antworten
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von amo17 | #7-1

Interessanter Weise hatte die Aktie 2004 den gleichen Wert wie heute.

@amo17 | #7-1
von vaikl2 | #7-2

Aber nicht mehr in 2007 für Essen und in 2009 für Dortmund. Trotzdem muss den Kämmerern der Inhalt des §35(5) mind. schon zu diesen Zeitpunkten bekannt gewesen sein.

13.05.2013
14:16
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von Erika_Denter | #6

Mir stellt sich die Frage, WARUM der Kämmerer über diese Entwicklung nicht von sich aus informiert hat. Die Gesetzesänderung sollte er wohl mitbekommen haben. Und die Diskussionen (und daraus folgenden Abwertungen) in anderen Städten doch wohl auch.

Sollten wir unwissend bleiben, womöglich so lange, bis die 123 Millionen für die Messe in trockenen Tüchern sind?

2 Antworten
Stadt Essen droht Millionen-Abwertung ihrer RWE-Anteile
von amo17 | #6-1

Unsinn, jeder in der Stadt weiss über die RWE Aktien und deren Wert Bescheid.

Wenn das Eigenkapital anders bewertet wird, gibt es auch schlechtere Kreditkonditionen.

@amo17 | #6-1
von vaikl2 | #6-2

Ach, und deshalb verschweigt man mal so eben die notwendige Bewertungs-Anpassung?? Bananenrepublik allez??

Es weiß eben *kaum* Jemand über die Beteiligungsstruktur der RWE Bescheid, weil in den letzten Jahren auch nur ganz selten die Öffentlichkeit und die Räte vor Entscheidungen über z.B. einen Aktienzukauf ins Licht gesetzt wurden.

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