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Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus

29.07.2010 | 18:48 Uhr
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
Silke Baumert (l.) und Sibylle Becker wollen eine private Kita gründen. Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool

Essen.Angesichts der Betreuungs-Unterversorgung ist die Stadt auf private Kita-Träger angewiesen. Doch die fühlen sich ausgebremst - zwei Erzieherinnen wurde eine Neugründung verwehrt, weil die Stadt ein leer stehendes Gebäude nicht vermieten will.

Angesichts der dramatischen Unterversorgung mit Kindergartenplätzen ist die Stadt auf das Engagement privater Träger angewiesen. Doch bisweilen fühlen sich die von städtischer Seite ausgebremst.

Nehmen wir Silke Baumert und Sibylle Becker, beide Erzieherinnen und Bewegungspädagoginnen. Jahrelang haben sie in Kindergärten zusammengearbeitet, auch in Leitungsfunktionen. Die Idee zur Gründung einer eigenen Kita hatte Silke Baumert: „Ich wollte ein Angebot für Kinder aus Kupferdreh, Heisingen und Byfang und dabei einen Schwerpunkt auf Bewegung setzen”. Sie lebt selbst in Kupferdreh, kennt die Nöte der Eltern und die amtlichen Zahlen: Bei den über Dreijährigen ist der Betreuungsbedarf dort laut Jugendamt zu 70,6 Prozent gedeckt, bei den unter Dreijährigen nur zu mageren 4,7 Prozent.

„Wir wollen bezahlbar bleiben“

Also erstellten Baumert und Becker einen Business-Plan, beantragten einen Förderkredit, kalkulierten Kosten und Beitragssätze. „Wir müssen teurer sein als ein öffentlicher Träger, wollen aber bezahlbar bleiben”, sagt Becker. Nach gründlicher Vorarbeit, verteilten sie im März erste Flyer. „Die Resonanz war riesig, und obwohl wir noch keine festen Verträge vergeben, sind schon 22 Kinder angemeldet.

Im Oktober sollte es losgehen, doch die Raum-Suche gestaltete sich schwierig. Zum ersten Objekt gab das Landesjugendamt sein Okay, das Essener Bauamt jedoch legte ein Veto gegen die Umnutzung der gewerblichen Räume ein. Immerhin wies das Amt auf ein Gebäude an der Anstockstraße 11, das leerstehe und von der städtischen Immobilienwirtschaft verwaltet werde. Becker und Baumert machten eine Begehung und waren begeistert: „Räume und Außenfläche sind großzügig; nebenan liegen Grundschule, Turnhalle und Schwimmbad!”

„Essen ist auf engagierte Träger angewiesen“

Ein Mietvertrag schien nah, doch dann erhielten sie eine Absage von Barbara Wolf von der Immobilienwirtschaft: „Eine Vermietung des Gebäudes kommt leider nicht infrage. Aufgrund der finanziellen Situation der Kommune werden leerstehende Objekte [...] ausschließlich zum Verkauf angeboten.” Fast wie Hohn klingt, dass in dem Brief vom 13. Juli auch steht: „Die Stadt ist beim Ausbau des Betreuungsangebotes [...] auf engagierte Träger angewiesen.”

Tatsächlich betont Jugendamtsleiterin Christina Bäuerle: „Wir haben ein dringendes Interesse an der Initiative und bauen auf eine Lösung.” Barbara Wolf von der Immobilienwirtschaft bleibt indes hart: „Unsere Maxime ist: nicht verpachten, sondern verkaufen.” Das gelte auch nach zwei Jahren Leerstand. Wie zwei Erzieherinnen den Preis (von offenbar über 500 000 Euro) stemmen sollten, bleibt rätselhaft. Sie könnten höchstens anbieten, als Mieter die Instandhaltungskosten zu tragen, sagen Baumert und Becker. Nun hoffen sie auf ein Signal der Stadt: „Wir müssen den Eltern ja sagen, wie’s weitergeht.“

Christina Wandt

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31.07.2010
09:11
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von Bonifratz | #12

Ein Gebäude, das seit 2 Jahren leer steht, ist eine Schande. Es verliert nur weiter an Wert und kostet Instandhaltung sowie Grundheizkosten. Ein Käufer ist offenbar nicht in Sicht, von Verhandlungen hat die Stadt auch nichts berichtet. Eine Nutzung als Kindergarten würde wenigstens Mieteinnahmen bringen - ganz abgesehen davon, dass wir einen Notstand bzgl. Kita-Plätzen haben!

30.07.2010
23:15
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von bertil | #11

@fischlaker:
Sie sind ein Privatmann; ich kann ihre Gier nach möglist hohem Ertrag verstehen.

Die Stadt Essen hingegen sind WIR; hier hat m.E. die derzeitige Unterversorgung an KITA Plätzen mehr Gewicht als ihre persönlichen Profitansprüche.

Also mal ganz ruhig an der Bahnsteigkante und nicht private Interessen mit öffentlichen Aufgaben vermengen.

Denn wenn die Stadt Essen nur nachvollziebare entschlossene Entscheidungen treffen würde wären so manche Sachen (Aalto, Anzahl der städtischen Bediensteten, Öffnungszeiten der städtischen Einrichtungen, neur Rathauseingang, Anzahl der städtischen Beteiligungsgesellschaften incl. Geschäftsführer und Dienstwagen usw.) schlichtweg nicht möglich.

30.07.2010
17:41
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von fischlaker | #10

Es ist Sommerloch. Man merkt das Dinge die in einer Stadtteilzeitung schon überflüssig sind, nun stadtweit in der Presse und im Internet verbreitet werden.
Die Entscheidung der Stadt ist nachvollziehbar. Ich würde eine Immobilie, die ich beabsichtige zu verkaufen, auch vorher nicht vermieten. Das vermindert meine Verkaufsmöglichkeiten. Und das die Damen nicht in der Lage sind ein Kaufangebot abzugeben, kann nicht Problem der Stadt sein. Dieses nachvollziehbare, entschlossene Handeln wünsche ich mir öfter von der Stadt.

30.07.2010
17:02
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von supertrouperII | #9

@Egon Erwin Kirsch: Ich organisiere mich nicht unabhängig von staatlichen Stellen. Viel schlimmer: Ich kann diesen Staat und sein Gebaren schlicht und ergreifend nicht mehr ernst nehmen. Viele Mitbürger denken ebenso, aber den meisten fehlt einfach die Chuzpe, dieses auch öffentlich zu sagen.
Mal Hand aufs Herz: Was will unser Staat den machen, wenn den keiner mehr Ernst nimmt?

30.07.2010
16:00
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von Egon Erwin Kisch | #8

@supertrouperII: Sich möglichst unabhängig von irrational und nicht mehr im Sinne des Gemeinwohl handelnden staatlichen Stellen bzw. Kommunnen zu organisieren ist sicher richtig.

Eine Alternative dazu wäre, dass sich möglichst viele normale Bürger in irgendeiner der größeren Parteien (mittlerweile egal in welcher) engagieren und versuchen die weltfremden, oligarchischen und teils korrupten Strukturen durch vernünftige Ideen und demokratisches Handeln abzulösen.

30.07.2010
13:44
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von unterheidhauser | #7

Vielleicht verkauft die Stadt das Gebäude - wie das Parkhaus Rottstraße - für 1 EURO !

30.07.2010
13:19
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von supertrouperII | #6

@ anonymous99: Ihre Argumentre sind ja okay, dumm nur dass es weder die Stadt E$ssen noch sonst irgendeine Kommune interessiert, was wirklich auf den Nägeln brennt.DEswegen kann ich jedem nur empfehlen, die Kommunen total zu ignorieren, private Kitas auch nur rein privat auf die Beine zu stellen und abzurechnen. Bei den Kommunen wirst Du doch eh nur verarscht. Offengesagt: Ich vermute gaaaaanz stark, dass selbst eine Rechtverbindlichkeit den Kommunen völlig schnuppe ist. Das einzige was diese Körperschaften öffentlichen Rechts wirklich können, ist die Hand aufzuhalten ohne jedwede Gegenleistung dafür zu bringen.

30.07.2010
12:54
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von anonymous99 | #5

Da eine ausreichende Kinderbetreuung auch im Sinne der Stadt ist bzw. bald ja auch rechtsverbindlich ist, sollte die Stadt solche Bestrebungen auch fördern. Beispielsweise eben durch vergünstigte Mietkonditionen. Von daher ist es völlig verständlich sich an die Stadt zu wenden.

30.07.2010
12:53
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von Europleitegeier | #4

Stadt Essen,nichts bewegen,aber alles unterbinden was kein Geld einbringt.Armselig!

30.07.2010
12:51
Stadt Essen bremst neue Privat-Kita aus
von Egon Erwin Kisch | #3

Die städtische Immobilienwirtschaft (Vertreten durch Frau Wolf) hat die städtischen Immobilien der Stadt Essen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger zu verwalten. Angesichts der dramatischen Unterversorgung mit KITA scheint dies im oben geschilderten Fall jedoch nicht so zu sein.
Daher sollte man über die entsprechenden Parteien und Mandatsträger im Rat der Stadt Essen eine entsprechende Forderung für die Vermietung des Objektes stellen, damit die dringend benötigte KITA endlich entstehen kann.

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