Ratsbeschluss
Stadionneubau in Essen mit viel Wenn und Aber
05.03.2009 | 11:53 Uhr 2009-03-05T11:53:00+0100Essen. Mit großer Mehrheit, aber nicht ohne viele Wenn und Aber im Kleingedruckten, beschließt der Rat der Stadt Essen den Stadion-Neubau an der Hafenstraße für 20.000 Besucher und 31 Millionen Euro. Noch im Herbst sollen die Arbeiten beginnen und bis 2011 abgeschlossen sein.
Oliver Kahn, der unnachahmliche Fußballtitan, er würde nach dieser Ratssitzung vermutlich die Augen zu kleinen Schlitzen verengen, er würde sein säuerliches Lächeln aufsetzen, ein wenig fassungslos den Kopf schütteln und dann seufzend sagen: "Mund abputzen, drei Punkte."
Denn es war ein Sieg für den Sport, für Rot-Weiss Essen und alle Fußballfans - aber was für einer. Dreckig, linkisch, unfair, auch verletzend, ab und an sogar mit "rotwürdigen" Angriffen gegen den Mann: Angesichts der nahenden Kommunalwahl blieb die sportliche Fairness in der politischen Debatte ums neue Stadion gestern im Rat mehr als einmal auf der Strecke.
Und doch, es war wie beim Fußball: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Am Ende stand ein Sieg für all jene, denen ein neues Stadion an der Hafenstraße am Herzen liegt. Mit großer Mehrheit hat das Stadtparlament gestern dem 31-Millionen-Euro-Projekt eines Neubaus für das marode Georg-Melches-Stadion den Segen gegeben. Im Herbst 2009 sollen die Bagger rollen, und bis 2011 könnte dann das neue Fußballrund entstehen - in einer ersten Ausbauphase für 20 000 Besucher. Spielraum nach oben wäre genug: Bei entsprechendem sportlichen Erfolg soll der Bau auf ein Fassungsvermögen von bis zu 40 000 Besuchern ausbaubar sein.
Und doch: Noch gibt es ein paar Wenn und Aber, Vorbehaltskriterien, die erfüllt sein müssen, bevor das Projekt wirklich angepackt wird. Dazu zählt zum einen, dass die Sponsoren-Zusagen - kalkuliert wird derzeit mit insgesamt sieben Millionen Euro von privaten Dritten - in rechtsverbindlicher Form vorliegen. Stadtdirektor Christian Hülsmann, der sich gestern heftiger Angriffe der SPD erwehren musste, zeigte sich trotz der von Evonik vorerst zurückgezogenen Millionen zuversichtlich, dass sich diese Zusagen bis zum Spätsommer beibringen lassen.
Als Bedingung für den Baubeginn gilt auch ein erfolgreich abgeschlossenes Verfahren für die Spiellizenz zur Saison 2009/10, gilt der Umbau des Vereins RWE hin zu professionellen Strukturen und eine Einigung mit dem langjährigen Sponsor, der MK-Mediengruppe, die bislang als Bremsschuh für neue Sponsoren angesehen wurde.
Vor allem diese Bedingungen mochten SPD und Teile der FDP nicht mittragen.
Diskussion im Forum: Ein Stadion für Essen
12:50
Sie werden es nicht glauben, aber auch ich als RWE-Fan gehe in die Philharmonie und ins Aalto- . Grillo- ja selbst ins Rathaus-Theater. Allerdings wundert es mich nicht, wenn ich lichte Reihen in der Philharmonie sehe, bei Eintrittspreisen von um die 150,00 Euro, trotz jährlicher Subventionen durch die marode Stadt Essen-wie Sie schreiben- von fast 50 Mio. Euro, zum Beispiel wenn der Dirigent Masuhr aufspielt. Da ist wohl Ihre Sichtweise etwas aus dem Ruder gelaufen und sehr parteiisch.
14:00
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19:39
Ach ja, Argumente für das Stadion gibt es zuhauf. Gehen Sie doch einfach mal ins Theater. Die Karte wird übrigens aus Steuermitteln subventioniert. Dann haben Sie Ihren Beitrag für die TuP heraus. Was zahlen SIE eigentlich für das Stadion?
Im übrigen tut es nichts zu der Tatsache dass weder Stadt Essen noch der Sportverein RWE als wirtschaftlich erfolgreich zu bezeichnen sind - und genau da liegt das Problem.
17:51
Zu dieser Meinung möchte nich folgende Frage in den Raum Stellen: Haben vielleicht 1.000 Bürger das Recht, einen jährlichen Hochkulturetat für die TuP von fast 50 Millionen Euro zu erwarten? Ich glaube, dagegen sind die Baukosten für das neue Stadion der Stadt geradewegs als Kleingeld zu beziffern- nur eben für mehr Essener Steuerzahler.
11:09
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12:59
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11:58
@Klaus W.: Sicher ist eine vernünftige Recherche wichtig und richtig.
Und richtig ist auch, dass die Sanierungskosten und laufenden Kosten des alten Stadions einen unerträglichen Rahmen erreicht haben und ein Neubau womöglich die sinnvollste Alternative ist.
Doch trotzdem hat das ganze einen schalen Nachgeschmack, wenn man sich mal die Vergangenheit ansieht:
Die meisten (alle?) Großprojekte, die in und von der Stadt Essen angeschoben wurden endeten nicht im vorgegebenen finanziellen Rahmen. Ich rede hier nicht von 1-2 Millionen Euro...sondern von deutlich höheren Summen. Wem kann man es da verübeln, wenn Kritik am Stadionbau geübt wird?
Warum muss die Stadt Kosten schultern, wo sie doch finanziell so blendend da steht? Geben Sie auch mehr Geld aus, als sie haben? Zahlen die Politiker am Ende die Zeche oder der Steuerzahler? Und was zahlen die hier so zahlreich auftretenden Fans? Haben 10.000 Fans das Recht ein Stadion zu fordern, von einer Stadt, die eigentlich Pleite ist? Und was ist mit dem Verein?
Kann man den Ankündigungen eines Vereins vertrauen, der es gelinde gesagt seit 30 Jahren nicht schafft wirtschaftlich professionelle Strukturen aufzubauen (Von den sportlichen gar nicht zu Reden)? Wie war es noch mit der RWESpendenbahn die vor einigen Jahren durch Essen fuhr um dem klammen Verein zu helfen?
Das sind alles Punkte, die Magenschmerzen verursachen und die dazu führen, dass diese Kritik am Neubau geübt wird. Daher ist das Misstrauen an Politik und Verein eindeutig berechtigt, so sehr ich RWE dieses schöne Stadion gönne.
10:34
An alle Experten die jammern es fließe zu wenig Geld in Bildung, Kindertagesstätten etc. hier eine Aflistung wo die Gelder des Konjunkturpaketes II eingesetzt werden. Auch nachzulesen an anderer Stelle.
Die Millionen können kommen: Einstimmig hat der Rat der Stadt am Mittwochabend beschlossen, wie er die finanziellen Segnungen des so genannten Konjunkturpakets II verteilen will. Wie berichtet, stehen für Essen 70,1 Millionen Euro bereit, von denen 41,8 Millionen schwerpunktmäßig in die Bildung fließen. Die übrigen 28,3 Millionen Euro kommen der übrigen Infrastruktur zugute. Für immerhin 28 der 70,1 Millionen Euro stehen die Nutznießer fest: 1,4 Millionen Euro fließen zur Sanierung von fünf Kindertagesstätten, knapp 18 Millionen Euro kommen 14 Schulen (darunter acht Grundschulen) zugute, für 2,0 Millionen Euro sollen Bismarck-, Krayer und Vogelheimer Straße lärmtechnisch saniert werden, und mit etwa 6,7 Millionen Euro schlagen Renovierungen in sieben Feuerwachen, in der Zeche Carl, dem Grillo-Theater, dem Rathaus Kray und der Turnhalle Marienstraße zu Buche. Weitere Details sollen die Fachausschüsse beschließen, weitere Empfänger will der Rat im April festlegen.
Noch Fragen? Bitte demnächst erst informieren, dann Kommentar abgeben.
10:27
So sehr ich Essen und dem RWE ein neues Stadion gönne, so sehr kommen mir auch die Zweifel:
1. Die Baukosten sind mit 31 Mios wahrscheinlich wieder schöngerechnet. Wie wir von anderen Projekten schmerzlich wissen, werden es am Ende wahrscheinlich 50 Mio.
2. 31 Mio geteilt durch 20.000 Plätze = 1.550,- Euro / Plastksessel.
3. Diese Entscheidung ist klar in Richtung Wahlkampf orientiert. Die Stimmen der RWE-Fans sind der CDU damit schon Mal sicher obwohl gerade diese Partei die Leistungen für den Bürger drastisch gekürzt hat.
4. Im Masterplan-Sport wird die Schließung von Stadtteilsportplätzen und -bädern beschlossen weil zu teuer. Im Gegenzug wird ein Stadion für einen skandalgebeutelten 4. Liga verein gebaut.
5. Wo bleibt die Beteiligung der echten RWE-Fans? Auf Schalke konnte der Fan für 10,- Euro seinen Stein im Stadion kaufen. (Bevor jetzt wieder alle über Schalke meckern: die einzige gewonnene Deutsche Meisterschaft wurde unter einem Schalker Trainer gewonnen.)
00:20
ein trauriger tag für alle essener steuerzahler...wieder einmal wurde vor einer wahl dem lobbyismus und der wahltaktik der vorrang gegenüber der vernunft gegeben.....
was kommt als nächstes? goldene wasserhähne in der philhamonie? oder 200m² käfige für die haustiere der opernbesucher?
ich hoffe nur man denkt jetzt auch an die eishalle am westbahnhof..da ist ein neubau eher nötig wie a n der hafenstrasse,der kästen ist noch älter und verursacht ähnliche kosten.....aber das erreicht ja nicht so viele und man kann sich als politiker dann ja auch nicht in der viploge feiern lassen.....
arm hoch 3.....