Stadion-Skandal: CDU empfindet Beraterhonorare als anrüchig

Die Kosten für das Stadion Essen
Die Kosten für das Stadion Essen
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Thomas Kufen, OB-Kandidat der Essener CDU, fordert Aufklärung angesichts der auf 64 Millionen Euro gestiegenen Kosten für das Stadion Essen.

Essen.. Angesichts der auf 64 Millionen Euro gestiegenen Kosten für das neue Stadion an der Hafenstraße und das „Projekt Fußball“ insgesamt, fordert der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Thomas Kufen, schonungslose Aufklärung darüber, wie es zu dieser exorbitanten Summe kommen konnte. Offensichtlich sei es bei der städtischen „Grundstücksverwaltung Essen“ (GVE), in deren Verantwortung das Projekt liegt, „auf eine Million mehr oder weniger nicht angekommen“, formulierte Kufen im Gespräch mit der WAZ.

Kufen, der auch Kandidat seiner Partei für das Amt des Oberbürgermeisters ist, distanzierte sich dabei ausdrücklich von der Entscheidung von Amtsinhaber Reinhard Paß (SPD), den beurlaubten Geschäftsführer der GVE, Andreas Hillebrand, bei der Stadtverwaltung weiterzubeschäftigen. „Wir fühlen uns als CDU getäuscht“, sagte Kufen in Anspielung auf die unterschiedlichen Kostenrechnungen zum Stadionprojekt, die Wirtschaftsprüfer entdeckt hatten. Im Raum steht der Verdacht, Hillebrand habe dem Aufsichtsrat nur eine „geschönte Rechnung“ präsentiert.

GVE-Affäre Kufen fordert Oberbürgermeister Reinhard Paß deshalb auf, das Rechnungsprüfungsamt einzuschalten. In der Pflicht sieht der Fraktionschef aber vor allem den Ex-GVE-Chef; nur er könne letztendlich Aufklärung liefern. Den CDU-Fraktionschef treiben nicht nur die Bau- und Bau-Nebenkosten für das Stadion an, die sich nunmehr auf 49,5 Millionen Euro belaufen. Mehr als nur verwundert zeigt sich Kufen über die exorbitanten Beraterkosten für das „Projekt Fußball“, die dem Stadionbau vorangingen. Von 4,7 Millionen Euro habe das Beratungsunternehmen Roland Berger 3,3 Millionen Euro erhalten. Kufen äußerte den Verdacht, dass bei der GVE Geld aus anderen Projekt verbucht worden sei.

„Im Raum stehe der Vorwurf, dass Kosten für andere Projekte im Stadionprojekt versteckt wurden“

Ohne Zweifel, Unternehmensberater verdienen gutes Geld. Mit ein, zwei Klicks finden sich im Internet Tagessätze von 1000 bis 3000 Euro. CDU-Fraktionschef Thomas Kufen hat sich den Spaß erlaubt, auszurechnen, was die Berater von Roland Berger von der „Grundstücksverwaltung Essen“ für das „Projekt Fußball“ erhalten haben. Wobei das Vergnügen ein zweifelhaftes war angesichts eines Honorars, das sich auf 3,3 Millionen Euro summieren soll. „Diese Zahl überrascht alle“, sagt Kufen. Hätten dafür rein rechnerisch doch drei Berater an 550 Arbeitstagen von morgens bis abends für die GVE tätig sein müssen. Weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass es so war, sprach Kufen einen Verdacht aus, der es in sich hat, sollte er sich als wahr erweisen: „Im Raum stehe der Vorwurf, dass Kosten für andere Projekte im Stadionprojekt versteckt wurden.“ Der Skandal wäre komplett.

Um welche anderen Projekte es sich dabei gehandelt haben könnte? Er wolle da nicht spekulieren, sagt Kufen, um im nächsten Satz daran zu erinnern, dass Roland Berger auch aktuell bei der Stadt im Geschäft ist. Die Berater begleiten den „Strategieprozess Essen 2030“ von Oberbürgermeister Reinhard Paß. Mit dieser Anspielung offenbart Kufen seine Doppelrolle: Er setzt sich an die Spitze jener, die nach Aufklärung rufen und gibt gleichzeitig den Wahlkämpfer, der Paß das Amt streitig macht.

Auf der Gehaltsliste stand auch Fußballweltmeister Thomas Strunz

Diese Strategie ist für die CDU und für ihren Kandidaten nicht frei von Risiken. Das „Projekt Fußball“, das nichts anderes umschreibt als das Bemühen, den Traditionsverein Rot-Weiss Essen finanziell über Wasser zu halten, fällt in die Amtszeit von Paß’ Vorgänger, Wolfgang Reiniger (CDU) und Stadtdirektor Christian Hülsmann, heute Aufsichtsratsvorsitzender von RWE. Damals gab die GVE offenbar viel Geld aus für Beraterhonorare. Auf der Gehaltsliste stand auch ein Fußballweltmeister namens Thomas Strunz, in dessen Glanz sich mancher der damals Verantwortlichen gerne sonnte.

Stadion Essen Erst Oberbürgermeister Reinhard Paß drehte den Geldhahn kurz nach seinem Amtsantritt 2009 ab, weil er schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen wollte, wie es im Volksmund heißt. Rot-Weiss Essen schlitterte in die Insolvenz. Paß nahm in Kauf, dass die GVE Millionen in den Wind schießen durfte, mit denen sie RWE aus den Verbindlichkeiten des Sportrechte-Inhabers Michael Kölmel freigekauft hatte, an den sich der Verein Jahre zuvor verkauft hatte. Auch von der GVE erworbene Rechte am Verkauf von Fanartikeln fielen zurück an den Verein.

Wo sind all die Millionen geblieben?

All dies gilt es aufzuarbeiten, wenn es darum geht, die Fragen zu beantworten, die nicht nur Kufen bewegen: Wo sind all die Millionen geblieben? Wofür genau haben die Berater ihr Geld bekommen? Was nur ein Teil der Geschichte wäre, über die längst Gazetten Land auf, Land ab berichten, wie Kufen anmerkt. Längst gereiche die ganze Geschichte zum Schaden der Stadt Essen und der Politik.

Dass auch die Regierungspräsidentin nicht amüsiert ist über das Finanzgebaren, hat die Stadt ja bereits schriftlich. Nun: „Transparenz lässt sich nachholen“. So hieß es 2012, als der Rat nachträglich Kosten von 3,9 Millionen Euro fürs Stadion absegnete. Der Satz stammt übrigens von Thomas Kufen.