Stadion: Jetzt sind’s 64 Millionen Euro

Was der Fußball seinen Fans wert ist, lässt sich morgen im Stadion an der Hafenstraße besichtigen: RWE gegen RWO, zwei Viertligisten nur, aber das Haus ist voll.

Was das „Projekt Fußball“ der Stadt Essen wert war, weiß hingegen immer noch keiner ganz genau. Mit jeder Prüfungsrunde schrauben sich die Kosten weiter in die Höhe. Gestern, zur Aufsichtsrats-Sitzung der städtischen Grundstücksverwaltung GVE ein neuer Höchststand: 64 Millionen Euro – fünf Millionen mehr als noch vor ein paar Wochen gemeldet.

Der neue Betrag setzt sich nach einer offiziell Aufstellung der GVE aus drei Blöcken zusammen: den 49,5 Millionen Euro für Bau- und Baunebenkosten samt Grundstück, weiteren 2,9 Millionen Euro, die für die Prüfung der Standsicherheit und Baugrund-Untersuchungen anfielen, sowie 11,6 Millionen für Vorlauf- und Beratungskosten. In letzterem Betrag enthalten sind 6,9 Millionen Euro, die zum Ankauf von Vermarktungsrechten, Darlehensforderungen und Merchandising-Artikeln dienten.

Ist dies das Ende der Rechnung? Vielleicht nicht: Dem Vernehmen nach gilt noch eine letzte Summe von rund 1,3 Millionen Euro als „Risikobetrag“ – strittige Rechnungen, bei denen noch nicht ganz klar ist, ob sie gerechtfertigt sind, sowie mögliche Steuernachforderungen.

Der Aufsichtsrat kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus – und erfährt allenfalls schwachen Trost aus dem Kommentar, der gestern einem Berater entfuhr: „Der Aufsichtsrat hat gemerkt, was er merken konnte.“ Denn offensichtlich gab es zwischen Juni 2011 und März 2012 für vier Quartale jeweils zwei unterschiedliche Fassungen an Kostenberichten, wie die GVE mitteilte.

Dies nährt im Aufsichtsgremium den Verdacht, dass man vom einstigen GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand hinsichtlich der wahren Stadion-Kosten womöglich bewusst getäuscht wurde. Die Aufsichtsratschefin der GVE, Barbara Rörig, kündigte deshalb gestern neue Prüfungen an: „Wir erwarten uns weitere Erkenntnisse, ob und in welchem Umfang das Aufsichtsgremium in Bezug auf die Kosten des Stadionneubaus in den zurückliegenden Jahren unzureichend oder gar falsch informiert wurde“.

Teurer als gedacht fällt – wie berichtet – auch der Stadionbetrieb aus: Aufwendungen von 3,9 Millionen Euro (darin 2,1 Millionen an Abschreibungen) stehen 1,1 Millionen an Erträgen gegenüber. Unterm Strich ein Minus von 2,8 Millionen Euro im Jahr.

Volles Haus, leere Kasse.