Staatsanwältin fordert sieben Jahre Haft für Helge Achenbach

Betrugsprozess gegen Achenbach: Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Geständnis des Kunstberaters unzufrieden.
Betrugsprozess gegen Achenbach: Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Geständnis des Kunstberaters unzufrieden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Kunstberater soll den Aldi-Erben Berthold Albrecht um 23 Millionen Euro betrogen haben. Dafür will ihn die Anklage noch lange im Gefängnis sehen.

Essen.. Für den seit neun Monaten in U-Haft sitzenden Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach wird es eng. Vor dem Landgericht Essen sieht Staatsanwältin Valeria Sonntag die Anklagevorwürfe nach 14 Tagen Beweisaufnahme voll bestätigt. Sie forderte wegen Betruges, Untreue und Urkundenfälschung eine Haftstrafe von sieben Jahren Gefängnis. Für seinen Mitangeklagten Stefan H.-L. sah sie eine Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten Haft als angemessen an.

Der 62 Jahre alte Achenbach habe in Bezug auf den Essener Aldi-Erben Berthold Albrecht “von Anfang an betrügerisch” gehandelt, sagte sie am Donnerstag in ihrem gut einstündigen Plädoyer.

Achenbach, der noch im Frühsommer im Auftrag des Deutschen Fußballbundes das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft mit Kunst ausgestattet hatte, wird vorgeworfen, den im Jahre 2012 verstorbenen Essener Milliardär mit der Vermittlung von Kunstwerken und Oldtimern um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Außerdem soll er zwei weitere wohlhabende Familien, darunter den Pharma-Unternehmer Boehringer, allein mit Kunstwerken um weitere 1,3 Millionen Euro geschädigt haben.

Das Geständnis genügte der Staatsanwaltschaft nicht

Das Geständnis Achenbachs zu Beginn des Prozesses stufte die Anklägerin als unzureichend ein: “Der Beweiswert seiner Angaben tendiert gegen Null. Er hat viele Einzelheiten bewusst verschwiegen.”

Achenbach hatte Berthold Albrecht 2007 kennengelernt, beide freundeten sich an. Laut Staatsanwältin Sonntag pries Achenbach sich als erfahrenen Kunstberater an. Er hätte so Albrecht dazu veranlasst, ihn beim Aufbau einer Kunst- und Oldtimersammlung als Wertanlage einzuschalten. Albrecht hätte vor allem vermeiden wollen, dass er selbst als Käufer auftreten und wegen seines Reichtums einen “Albrecht-Aufschlag” hätte zahlen müssen.

Durch Restaurants in wirtschaftliche Notlage geraten

Vereinbart worden sei, dass Achenbach die Wertgegenstände zum Einkaufspreis weitergibt und dafür fünf bis sieben Prozent Provision kassiert. Tatsächlich hätte Achenbach die Einkaufsrechnungen gefälscht und den Rechnungsbetrag zu seinen Gunsten unzulässig erhöht, sagte Sonntag. So hätte er nicht nur die Differenz kassiert, sondern auch noch eine höhere Provision berechnet.

Vor allem durch seine fehlgeschlagenen Engagements in der Gastronomie mit seinen Düsseldorfer “Monkey’s-Restaurants” sei Achenbach in eine wirtschaftliche Notlage geraten, die er bei seinen Bekannten stillschweigend ausgleichen wollte: ”Er nutzte das Vertrauen seiner wohlhabenden Freunde aus.” Dass Berthold Albrecht als erfahrener Geschäftsmann über Jahre keinen Verdacht geschöpft habe, zeige, wie groß das Vertrauen war, das Achenbach ausgenutzt habe.