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Integration

Sprecher der Muslime fühlt sich beleidigt

06.05.2011 | 12:00 Uhr
Sprecher der Muslime fühlt sich beleidigt
Foto: Ulrich von Born

Essen. Muhammet Balaban entrüstet sich in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister über die Einladung zu einem Vortrag über „judenfeindliche Ressentiments“ im Islam .

Der Sprecher der „Kommission Islam und Moscheen in Essen“, Muhammet Balaban, fühlt sich durch die Arbeit der Gedenkstätte Alte Synagoge „persönlich beleidigt“. Jüngster Fall: Die Einladung des deutsch-israelischen Publizisten Chaim Noll, der am Donnerstag zum Thema „Antisemitismus heute“ sprechen soll. Balaban bringt der Ankündigungstext des Vortrags in Rage, in dem es heißt: „Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohammed im Islam eine fundamentale Rolle.“ Und: „Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden.“

Der Einladungstext ist sowohl mit dem Referenten als auch mit den Veranstaltern, der Alten Synagoge und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit abgestimmt. Balaban, der auch Vorsitzender des Integrationsrats ist, liest darin „Angriffe“ auf den Propheten, den Koran und „auf alle Muslime“ und hat deswegen gestern einen offenen Brief an den Oberbürgermeister Reinhard Paß geschickt – und mehr als 13 weitere Empfänger angefügt, darunter die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Leitung der Alten Synagoge. Die zeigte sich „überrascht“ von der Vehemenz der Entrüstung. Balaban schreibt an den OB, er fühle sich nicht nur vom Thema des Noll-Vortrags als Türke und Moslem gleichermaßen beleidigt, sondern generell von der Arbeit der Synagoge. Diese sei „zweckentfremdet“, verstecke sich hinter dem Recht auf Meinungsäußerung und säe „Misstrauen, Hass, Anfeindungen in unserer Gesellschaft“. Paß hat Balaban bereits geantwortet. Er erwarte, „dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht, als dies bisher der Fall war“.

Balaban hatte in der Vergangenheit mit der jüngst pensionierten Leiterin der Synagoge Edna Brocke heftige Dispute, weil sie auch Islamismus-Kritiker als Referenten geladen hatte. Der kommissarische Leiter der Alten Synagoge, Peter Schwiderowski, reagiert auf die jüngsten Anfeindungen mit einem Gesprächsangebot: „Herr Balaban ist gerne eingeladen, am Donnerstag bei uns mitzudiskutieren.“

Man lasse sich aber nicht einschüchtern. „Wenn wir offen über Antisemitismus und seine Ursprünge, ja auch wenn wir offen über Integration sprechen wollen, dann dürfen wir nicht die Probleme verschweigen“, sagt Peter Schwiderowski der NRZ. Muslimische Judenfeindlichkeit sei nicht der einzige Antisemitismus, aber er sei eben einer und müsse also solcher auch thematisiert werden dürfen. „Wir müssen uns mit den heutigen Bedrohungen auseinandersetzten“, sagt Schwiderowski, „alles andere hieße, sich in der Geschichte falsch einzurichten“.

Nikolaos Georgakis

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2011-05-06 12:00
Essen