Spöring Band mit komponierten Wahlheimatgefühlen

In Rüttenscheid fühlt sich die gebürtige Oldenburgerin Imke Johanne Spöring inzwischen sehr zuhause.
In Rüttenscheid fühlt sich die gebürtige Oldenburgerin Imke Johanne Spöring inzwischen sehr zuhause.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In ihren Liedern streift Imke Johanne Spöring von Essen aus bis ins Universum. Und sucht musikalische Möglichkeiten abseits der ausgetreten Klangpfade.

Essen.. Wenn Imke Johanne Spöring ihre „Wahlheimatgefühle“ besingt, dann wachsen Eisblumen an den Fenstern und die Stiefel knirschen im Schnee. Es muss sehr kalt und sehr märchenhaft gewesen sein, als sie dieses warme, heimatliche Gefühl eines morgens beim Joggen in Rüttenscheid überkommen hat. Da war sie also angekommen in Essen und ein schöner neuer Stadtgeschichten-Song im komplexen Klang-Kosmos der Imke Spöring geboren, der von Schrebergärten und Flaschensammlern erzählt. Ein Heimatlied, aber eines, das von taufrischem musikalischen Raureif überzogen ist statt in gefälligen Rhythmen und Reimen zu baden.

Und was führt eine gebürtige Oldenburgerin nach Essen? Zunächst einmal das Studium an der Folkwang-Universität. 2005 hat sie begonnen, in Werden Jazz mit Hauptfach Gesang zu studieren. Und bald entschieden, dass man nicht schnurstraks auf ein musikalisches Ziel hinsteuern muss, wenn man nicht irgendwann in der kreativen Sackgasse landen will. Imke Spöring mag lieber die schmalen Nebenwege und kleinen Improvisations-Gässchen, auf denen man mit Gleichgesinnten so wunderbar spielen kann. Jazz und Folk, Latin und Pop oder am liebsten alles miteinander.

Songs sind mehr Dialog als Vortrag

Der Auftritt ihrer „Spöring Band“ hat deshalb auch nichts von der klassischen Aufteilung mit der Frontfrau im Mittelpunkt und Musikern, die im Hintergrund für die solide Begleitung sorgen. Die Songs der „Spöring Band“ sind mehr Dialog als Vortrag. Eine klangmalerische Begegnung von Vocals, Vibraphon und Gitarre, mal rein akustisch, mal getragen von den Versen der Imke Spöring.

Schon die Kombination der Instrumente ist auf deutschen Bühnen höchst ungewöhnlich, die Arrangements kommen nicht minder experimentierfreudig daher. „Einige Leute finden unsere Musik gewöhnungsbedürftig“. lächelt Spöring. Aber genau das ist ja ihre Absicht. Neue Möglichkeiten erproben statt immer nur alte Hörgewohnheiten zu bedienen und das am liebsten mit unterschiedlichen Stilen und Sprachen. Barfuß, „Descalza“, tänzelt Imke Spöring da über Tonleitern und Klangrenzen. „Das Lied wollte einfach spanisch klingen.“ Die fremden Sprachen arbeiten in ihr, seit sie Reisen nach Brasilien, Bolivien, nach Australien, Indien und Libanon gemacht haben. Am Ende hat es die Weltenbummlerin immer wieder nach Essen geführt: irgendwie mittendrin und voller Menschen, mit denen man Neues ausprobieren kann.

Neben der „Spöring Band“ pflegt die 33-Jährige die Zusammenarbeit mit Formationen wie Borboletas, sie leitet die Pop -und Jazzchöre „Urban Voices“ und hofft mit dem A-cappella-Ensemble „Add One“ auf den Einzug in den Wettbewerb „Jugend kulturell Förderpreis“.

Spöring klingt weit über die Stadtgrenzen hinaus

Gesungen hat sie dabei früh und gern, die Mutter hat sie irgendwann in den einzigen Jazzclub der Stadt mitgenommen. Danach war der Werdegang beschlossen. Die erste eigene Band, etliche Workshops und viele künstlerische Begegnungen später klingt der Name Spöring heute schon weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Man muss inspiriert bleiben, auch wenn sich langsam alles setzt“, sagt die Sängerin und tüftelt weiter an ihren Klang-Exkursionen. „Er nimmt mich mit in seinem großen Auto“ heißt dann so ein schöner, abgehobener Song der Spöring Band und führt von Essen bis ins Universum.