Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Städtische...

Spitzengehälter kommen in Essen auf den Prüfstand

19.10.2011 | 19:01 Uhr
Spitzengehälter kommen in Essen auf den Prüfstand

Essen.Die Gehälter und Vergünstigungen von Geschäftsführern und Führungskräften der städtischen Tochtergesellschaften kommen auf den Prüfstand. Ein entsprechender Antrag der SPD fand im Rat eine breite Zustimmung. „Wir wünschen mehr Gerechtigkeit“, formulierte Fraktionsvorsitzender Rainer Marschan. Marschan ließ allerdings offen, was die SPD darunter versteht.

Verdienen die Spitzenkräfte im Reigen der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (EVV) also mehr als sie verdienen? Oder bedient die SPD nur Volkes Stimme? Als die WAZ im vergangenen Jahr die Einkommensverhältnisse der städtischen Geschäftsführer offen legte, mochte so mancher Parteigenosse seinen Augen nicht trauen, berichtet Arturo Holuigue de la Vega, Finanzexperte seiner Fraktion den Antrag mitformuliert hat. Beispiele: 301 000 Euro pro Jahr verdient Stadtwerkechef Bernhard Görgens laut Beteiligungsbericht 2010, mit 178 000 Euro wird Messe-Chef Frank Thorwirt entlohnt, Eva Sunderbrink erhält als Geschäftsführerin der Essen Marketing GmbH 142 000 Euro. Ist das angemessen oder gar „gerecht“?

„Sonderleistungen müssen weg"

Die EVV sah sich jedenfalls veranlasst, prüfen zu lassen, ob die Bezüge aus dem Rahmen fallen oder im selben bleiben. Denn anders als Amtsleiter oder Dezernenten können Geschäftsführer aushandeln, wie viel sie verdienen. Überraschend oder nicht: Die beauftragte Unternehmensberatung kam zu dem Ergebnis, dass die Gehälter im Durchschnitt vergleichbarer kommunaler Unternehmen liegen. Das gelte auch für Führungskräfte aus der „zweiten Reihe“.

Kein Grund zur Aufregung? Die Prüfer ließen aber außen vor, was sonst so drinsteht in den Verträgen: Zulagen, Pensionsansprüche... Auch solche „Vorzüge und Privilegien aus dem Beamtenstatus“ gehörten auf den Prüfstand, sagt Udo Bayer vom Essener Bürgerbündnis (EBB). Für die SPD wird Finanzmann de la Vega deutlicher: „Sonderleistungen müssen weg.“ So könne in Zeiten von Riester-Rente auch von Führungskräften städtischer Gesellschaften erwartet werden, dass sie privat Vorsorge treffen. Auch ein Rückkehrrecht in den warmen Schoß der Mutter Stadt, wie es sich der ein oder andere vertraglich zusichern ließ, sei „nicht mehr zeitgemäß“. „Wenn schon privat“, sagt de la Vega, „dann richtig“.

Dass niemand jemandem etwas wegnehmen wolle, wie es SPD-Ratsherr Harald Hoppensack im Rat formulierte, dürfte allenfalls für jene gelten, die sicher im Chefsessel sitzen. An ihren Verträgen lässt sich nicht rütteln. Was die Gehälter ihrer Nachfolger angeht, steht die Stadt mit Udo Bayers Worten vor der Frage: rauf oder runter? „Am Ende muss man Farbe bekennen.“

Marcus Schymiczek

Facebook
 
Kommentare
20.10.2011
18:58
Spitzengehälter kommen auf den Prüfstand
von BOLA | #5

Mal ganz sachlich: 1. bis auf einige Ausreißer (nach oben und nach unten) halten sich die angegebenen Gehälter einigermaßen im Rahmen. 2. Gleichwohl bleibt unklar nach welchen Kriterien hier die Höhe jeweils festgelegt wurde (die Verantwortung in der Funktion kann es offenbar nicht sein) 3. Allerdings erzeugt die Tabelle ein völlig falsches Bild: Fakt ist, das sich eine EMG als verlustbringende Bespaßungsgesellschaft 2 (in Worten:zwei) Geschäftsführer und einen Prokuristen leistet! Hier müssen wohl eher ca. € 350.000 Zusatzleistungen in Ansatz gebracht werden. Mindestens einer davon kann nicht einmal einen Text korrekt vom Blatt ablesen. Ersteres gilt auch für die EWG und andere Töchter. 4. Der Personalstamm und die damit insgesamt verbundenen Kosten sollten ebenfalls betrachtet werden. Neben den bereits erwähnten brilliert hier auch die Messe Essen. Man schaue sich mal die Personalstruktur im Verhältnis zur vermarktbaren Fläche an. Das hier der städtische Verlustbringer Nr. 1 auch beim Quotienten aller vergleichbaren Messen den ersten Platz belegt, wundert nicht. Soviel steht also fest: zum Aufräumen reichen 4 Wochen nicht. Wir sind gespannt, ob das überhaupt ein Politiker wirklich ernst meint!

20.10.2011
11:00
Spitzengehälter kommen in Essen auf den Prüfstand
von trickflyer | #4

da liegt doch jede menge einsparpotential.dafür muss man nicht via internet nach lösungen suchen,die dann noch von otto normalo geliefert werden sollen.

20.10.2011
09:20
Spitzengehälter kommen auf den Prüfstand
von Don-Tango | #3

Sehr gut! Senkt die Gehälter für die Nachfolger ab, damit sich dann auch nur die vierte oder fünfte Garde bewirbt. Wann kapiert auch der letzte neidische Sozi, dass man gute Leute in verantwortungsvollen Positionen auch entsprechend bezahlen muss. Sonst bekommt man das, was überbleibt. Vergleicht man die im Artikel genannten Gehälter mit denen aus der freien Wirtschaft in vergleichbaren Positionen, arbeiten die Herrschaften bei den städtischen Töchtern schon für ein Butterbrot...

19.10.2011
21:16
Spitzengehälter kommen auf den Prüfstand
von daphnina | #2

Die Spitzenverdiener der städtischen Tochtergesellschaften sollen durchleuchtet werden. Dabei will man die Gehälter und Vergünstigungen in Erfahrung bringen.
Dabei muss allerdings auch berücksichtigt werden, welche Vergütung erhält dieser Personenkreis aus Aufsichtsratstätigkeit in Gesellschaften in denen sie als Mitglied/Vertreter tätig sind.

Scheinbar ausgeklammert vom Untersuchungsauftrag ist die Sparkasse Essen.
Obwohl die Stadt Essen Gewährträger der Sparkasse ist, werden die Vorstände und deren Einkommen, Nebeneinkommen, Vergünstigungen usw.. nicht bekannt werden.

19.10.2011
20:19
Spitzengehälter kommen auf den Prüfstand
von charlieharper | #1

Na endlich, das wurde aber auch mal langsam Zeit.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/5178974/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.
Geeignet, aber unerwünscht
Personal
Der Essener Westen soll eine neue Verwaltungsbeauftragte bekommen, doch die Bezirkspolitiker sind damit nicht einverstanden. Nun schießen sie scharf gegen OB Paß und die Verwaltung.
Foto