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Jugendfußball

Spielabbruch in der E-Jugend – Erwachsene als Spielverderber

16.03.2015 | 20:54 Uhr
Spielabbruch in der E-Jugend – Erwachsene als Spielverderber
Das Archivbild zeigt ein E-Jugendspiel bei einer Stadtmeisterschaft, aber keines der Teams, die beim Abbruch in Essen-Karnap beteiligt waren. Auch Kinder und Jugendliche kämpfen um jeden Ball – vor den Augen parteiischer Eltern.Foto: Oliver Mengedoht

Essen.   Nach dem Spielabbruch zwischen Junioren des FC Karnap und der DJK Dellwig schildern Betreuer ihre Sicht. Jugend-Sportgericht: mehr üble Beleidigungen.

Nach dem Abbruch des Fußballspiels zwischen den E-Jugend-Mannschaften des FC Karnap 07/27 und der DJK Dellwig 1910 waren sich Verantwortliche beider Vereine am Montag trotz aller Meinungsverschiedenheiten in zwei Punkten einig. Erstens: Dass Zehn- und Elfjährige auf dem Platz zuschlagen, dass sich Eltern und Verwandte auf dem Feld fluchend und drohend vor weinenden Kindern gegenüberstehen – das haben Dennis Bruhnke (seit acht Jahren Jugendleiter des FC) und Andreas Ewert (Spielervater und seit sieben Jahren Trainer der Dellwiger Mannschaft) „noch nie erlebt“. Zweitens: Das darf nicht sein! Beide Vereine werden die Unsportlichkeiten mit Nachwuchskickern und Eltern aufarbeiten – final bei einem Freundschaftsspiel mit Pizzaessen.

Wer andere übel beleidigt, darf drei Monate nicht mitspielen

Wird die Sitzung der Spruchkammer zum Fall leiten: Thomas Weiz.

Was genau am Samstagmittag zehn Minuten vor Spielende beim Stand von 4:2 für Karnap geschehen ist, wird am Montag ein Sportgericht beschäftigen: Die Spruchjugendkammer (KJSK) des Fußballkreises Essen Nord/West „hat Vereinsvertreter für 18.45 Uhr vorgeladen“, berichtet der Vorsitzende der Kammer, Thomas Weiz. Das Schiedsgericht sperre jährlich etwa 20, 25 Jugendspieler – „die meisten wegen Beleidigungen. Wer auf dem Platz massiv beleidigt, darf drei Monate nicht mitspielen“, versichert Weiz.

Dieses Strafmaß gilt überall im Fußballverband Niederrhein (siehe unten). Die Höchststrafe im Jugendfußball, eine einjährige Sperre, musste Weiz während seiner dreijährigen Amtszeit noch nie verhängen. Ein Gewaltproblem sieht der 49-Jährige, selbst Schiedsrichter, auch deshalb im Essener Jugendfußball nicht.

Ausnahmen bestätigen diese Regel: Im Dezember sperrte die KJSK eine 15-Jährige für acht Monate, weil sie ihre Gegenspielerin beim Verabschiedungsritual mit der Faust niederstreckte.

„Die Hemmschwelle ist gesunken“

Kommentar
Gebt den Kindern das Spiel zurück!

Eltern wollen oft mehr als ihre Kinder. Besonders gut beobachten kann man das an den Wochenenden auf Fußballplätzen: Während die meisten Kinder einfach nur rennen, kicken und gerne auch mal gewinnen wollen, verderben ihnen einige Erwachsene den Spaß am Spiel. Ehrgeizige Trainer und Eltern rücken den Kindern auf die Pelle, gestikulieren wild und kommandieren lautstark: „Lauf!“ – „Schieß!“ – „Jetzt!“ Also ob die Kinder nicht selbst wüssten, dass sie laufen müssen. Das lernt jedes Kind unabhängig vom Talent spielend leicht – wenn es nicht dauernd abgelenkt und verunsichert wird. Vor allem Vereine und Trainer sind in der Pflicht: Sie sollten sich selbst im Griff haben und den Mut haben, übereifrige Eltern zurückzupfeifen. Gebt den Kindern das Spiel zurück!

Philipp Wahl

Was Weiz aber vor allem zu denken gibt: „Die Hemmschwelle, den Gegner ehrverletzend mit Beschimpfungen unter der Gürtellinie zu beleidigen, ist deutlich gesunken.“ Eine weitere Beobachtung: Viele Trainer und Eltern brächten von der Seitenlinie aus eine neue verbale Aggressivität ins Spiel. „Bei 80 Prozent ist es gesunde Verbissenheit, 20 Prozent übertreiben.“ Weiz hat schon Väter erlebt, die ihre Söhne zur Blutgrätsche auffordern („Hau ihn um!“) und einen Spielervater, der ein Gegentor per Fußabwehr verhindert: „Es gibt viel zu häufig einen Trainer und elf Co-Trainer, die alles besser wissen.“

Zurück nach Karnap am Samstag. Einen Schiedsrichter gab es nicht, ein Mitglied des FC Karnap half als Spielleiter aus. Das ist üblich so. Gäste-Trainer Andreas Ewert spricht von „einem harten Spiel mit strittigen Szenen“. Einen Heißsporn habe er wegen dessen nicht geahndeten Foulspiels vom Platz genommen: „Uns ist Fairplay ebenso wichtig wie der Spaß am Spiel“, versichert Ewert.

FC-Jugendleiter Dennis Bruhnke nennt die Partie „überhart“ und „hitzig“ – auch wegen der erwachsenen Zuschauer: (Fortsetzung auf Seite 2)

Kommentare
17.03.2015
13:04
Spielabbruch in der E-Jugend – Erwachsene als Spielverderber
von DanielRausE | #8

Ich sehe dieses ganze" Ohne schiri spielen" "Selbst regeln" etc als Problem. statt dessen sollte man den Kindern eben Repsekt vor Autoritäten...
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/spielabbruch-in-der-e-jugend-erwachsene-als-spielverderber-id10465670.html
2015-03-16 20:54
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