Spenden nach „Ela“: Essener forsten Stadtwald wieder auf

Oberhalb des Baldeneysees hat Pfingststurm Ela 2014 verheerende Schäden angerichtet. Rund um die Korte-Klippe wird nun nachgepflanzt. Bürger haben dafür Spenden gesammelt.
Oberhalb des Baldeneysees hat Pfingststurm Ela 2014 verheerende Schäden angerichtet. Rund um die Korte-Klippe wird nun nachgepflanzt. Bürger haben dafür Spenden gesammelt.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
  • Bürgerschaft Heisingen sammelte 8000 Euro, damit Wald an der Korte-Klippe wieder aufgeforstet werden kann
  • Rund 3000 Bäumen werden Mitte März gepflanzt
  • Auch in anderen Stadtteilen setzen sich Bürger für Aufforstung ein

Essen.. Es war der Tag nach „Ela“, der Tag nach dem verheerenden Pfingststurm 2014, der Günter Kirsten die Tränen in die Augen trieb. Als der Vorsitzende der Bürgerschaft Heisingen sah, was der Orkan im Stadtwald rund um die Korte-Klippe, dem beliebten Aussichtspunkt hoch oben über dem Baldeneysee, angerichtete hatte, rang Kirsten um Fassung. Vielen Bürgern aus Heisingen wird es genau so ergangen sein, und nicht nur denen. Günter Kirsten und seine Mitstreiter aus der Bürgerschaft verfielen nicht in tiefe Depression, sondern schritten zur Tat. 8000 Euro sammelten sie an Spenden, damit das Waldstück unweit der Heisinger Straße wieder aufgeforstet werden kann. „Die Resonanz war enorm“, freut sich Kirsten. Die ersten von rund 3000 Bäumen werden Mitte März gepflanzt.

Und das ist nur ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement nach Ela, für das Umweltdezernentin Simone Raskob sich am Freitag im Namen der Stadt bei den Initiatoren bedankte.

130 Jahre alte Buchen lagen darnieder

Auch im Kellermannsbusch greifen Bürger im März zu Spaten und Schaufel. Ela hatte das 1,6 Hektar große Wäldchen nahe der Frankenstraße verwüstet. 130 Jahre alte Buchen lagen darnieder, woraufhin Anwohner die Bürgerinitiative Waldfreunde ins Leben riefen. 8500 Euro haben sie zusammen getragen, berichtet Fritz Germann, der Sprecher der Initiative.

Im Kettwiger Forst werden ebenfalls Bäume nachgepflanzt. Dort hat der Rotaract Club Essen die Initiative ergriffen. Das Ziel: 2030 Bäume, die ersten sollen im Herbst Wurzeln schlagen, kündigt Daniel Gerasch an. Dafür ausgeguckt hat der Forstbetrieb eine Fläche an der Straße An der Nittlau.

Gemessen am Schaden, den Ela angerichtet hat, mögen dies nur zarte Pflänzchen sein, die bald wachsen. Tobias Hartung, Förster beim städtischen Eigenbetrieb Grün und Gruga, schätzt, dass 10 bis 20 Prozent des 1700 Hektar großen Essener Waldes durch den Pfingststurm zerstört wurden. Das Schadensbild ist alles andere als einheitlich. An einigen Stellen hat Ela ganze Flächen rasiert, an anderen hat es nur einige wenige Stämme erwischt. Häufig waren es große Bäume mit prächtigen Kronen, in die der Wind griff wie in ein Segel. Eine Inventur steht noch aus.

Arten, die sich gut an Klimaveränderungen anpassen

Wie es nach Ela weiter gehen soll im Wald, ist durchaus umstritten. Grün und Gruga hat dazu zwei Workshops organisiert und diverse Interessengruppen beteiligt, darunter Umweltverbände und Bürgerinitiativen, die eigene Vorstellungen zum Umgang mit dem Wald haben. Grün und Gruga sollte ihn sich selbst überlassen, meinen einige.

Die Vorschläge sollen Eingang finden ins neue Forstbetriebswerk, betont Raskob. Die nun anstehenden Aufforstungen stünden dem nicht entgegen. Die Umweltdezernentin spricht von „punktuellen Nachpflanzungen“, allesamt auf Flächen, die es besonders hart getroffen hat. Was auch für die so genannte Prozessschutzfläche unweit der Korte-Klippe gilt. Auch dort blieb kaum ein Baum unbeschadet stehen. Diese Totholzinsel bleibe aber weiterhin unangetastet, aufgeforstet wird sie nicht, unterstreicht Raskob.

Umweltschutz Gepflanzt werden auf den dafür ausgeguckten Flächen Traubeneichen und Winterlinden. Arten, die sich nach Überzeugung von Förster Tobias Hartung besonders gut an die Klimaveränderungen anpassen. Denn Experten gehen davon aus, dass sich extreme Stürme wie Ela wiederholen werden.

80 bis 120 Zentimeter groß und drei bis vier Jahre jung sind Bäume, die bald ins Erdreich gesetzt werden. „Bis das richtig dicke Kameraden sind, vergehen 100 Jahre“, sagt Hartung. Aber Zeit ist eben relativ.