Sparzwang - Essener Gemeinde muss Immobilien verkaufen

Auch auf der Fläche der evangelischen Gemeinde in Gerschede muss man sich Gedanken über die Zukunft machen. Das große Mietshaus am rechten Bildrand ist bereits verkauft.
Auch auf der Fläche der evangelischen Gemeinde in Gerschede muss man sich Gedanken über die Zukunft machen. Das große Mietshaus am rechten Bildrand ist bereits verkauft.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die evangelische Gemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede muss sich von Häusern trennen. Mit dem Verkauf eines Mietshauses ist erster Schritt getan.

Essen.. Für Udo Vogel und seine Nachbarn gab es in diesem Jahr ein Weihnachtsgeschenk besonderer Art: In den kommenden sechs Jahren soll die Miete für die 42 Parteien im Mehrfamilienhaus an der Samoastraße 11 stabil bleiben – das ist bei einem Eigentümerwechsel wohl so wahrscheinlich wie Schneefall im Hochsommer. Für die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede ist der Verkauf der Wohnimmobilie jedoch nur der erste Schritt in ihr zukünftiges, neu geordnetes Gemeinschaftsleben.

„Als ich vom Sparzwang der Gemeinde gehört habe, sind bei mir sofort die Alarmglocken angegangen“, berichtet Udo Vogel. Seit 2011 wohnt der gehbehinderte Mann in dem unverputzten Mehrfamilien-Wohnblock direkt neben dem Gerscheder Gelände der Dreier-Gemeinde. Die muss sparen, sogar mehr noch, sie muss sich von Steinen trennen. Acht Jahre, nachdem die Landessynode das „Neue Kirchliche Finanzwesen“ eingeführt hat, waren auch die Dellwiger, Frintroper und Gerscheder an der Reihe, für alle Immobilien Rücklagen bilden zu müssen.

„Man muss die Mitglieder fragen: Würdet ihr mitgehen, egal wo es hingeht?“

„Wir haben ein Drittel weniger Gläubige im Vergleich zu den Hoch-Zeiten – bei gleichem Gebäudestand“, erläutert Pfarrer Rolf Brandt. Schmerzhafte Verhandlungen gehören bei dem Vorsitzenden des Presbyteriums mittlerweile zum Alltag. Gemeindeeinrichtungen lassen sich nicht so einfach veräußern. „Beim Mietshaus Samoastraße war uns wichtig, dass wir einen sozial verantwortungsbewussten Partner finden – das ist uns gelungen“, stellt er fest.

Udo Vogel kann dem nur zustimmen. Der neue Eigentümer, eine Immobilienverwaltung aus Oberhausen, hat sich bereits persönlich vorgestellt, die sozial ausgerichtete Unternehmensphilosophie erläutert und bei dieser Gelegenheit nicht nur Eindruck vor Ort gemacht, sondern auch schon im November das verfrühte Weihnachtsgeschenk zugesagt.

4000 Gläubige und zwei Pfarrstellen weniger

Pfarrer Rolf Brandt weiß aber, dass dies für die Gemeinde nur der erste Schritt war. Und er weiß auch, dass man sich leichter von Mietshäusern trennt, als von Gebäuden, die direkt für das Gemeindeleben genutzt werden. Und hier, so ist zu befürchten, wird man wohl auch einen Schnitt machen müssen. Da ist Dialog gefordert.

„Man muss die Mitglieder fragen: Würdet ihr mitgehen, egal wo es hingeht? Klar aber ist, dass es weitergeht, es sind ja auch nicht die ganz großen Entfernungen“, sagt Brandt. Wie sich das Gemeindeleben in den kommenden Jahrzehnten genau strukturieren wird, verrät er noch nicht. „Wir werden die Maßnahmen in den kommenden Monaten auf einer Gemeindeversammlung bekannt geben“, kündigt er an. Weihnachtsgeschenke wird es dann wohl keine mehr geben.