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Grünpflege

Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten

11.11.2010 | 10:23 Uhr
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
Konzept Grün und Gruga

Essen.Ende der 90er Jahre wucherte das Grün in Essen. Die drastischen finanziellen Einschnitte in der städtischen Grünpflege könnten in diese Zeiten zurückführen. Am Erscheinungsbild der Stadt wird es jedenfalls nicht spurlos vorüber gehen.

Info
Immer mehr Grün

Der Eigenbetrieb Grün und Gruga pflegt und unterhält im Auftrag der Stadt 1300 Hektar Grün. Die Fläche ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Anfang der 80er Jahre waren es nur 800 Hektar. Der Trend zu mehr Grün setzt sich fort zum Beispiel durch den Krupp-Park und den Park im Universitätsviertel. Die Stadt. 2010 zahlt die Stadt dem Eigenbetrieb 23,3 Millionen Euro.

„Es wird anders“, sagt Bernd Schmidt-Knop und fügt hinzu: „Unsere Ressourcen reichen nicht mehr aus, um den Standard, den wir heute gewohnt sind, zu erhalten.“ Für den Leiter des Eigenbetriebes Grün und Gruga, der für gewöhnlich lieber leise Töne anschlägt, sind dies bemerkenswerte Worte. Die städtische Grünpflege steht vor drastischen finanziellen Einschnitten. So viel steht fest: Am Erscheinungsbild der Stadt wird dies nicht spurlos vorüber gehen.

Wer sich heute bereits ein Bild davon machen möchte, was da auf die Stadt zukommt, muss nur in seinem Gedächtnis kramen. Ende der 90er Jahre wucherte das Grün allerorten, wirkten Grünanlagen und Grünstreifen ungepflegt und verwahrlost. Die CDU-Kampagne für eine saubere Stadt, die Wolfgang Reiniger 1999 sensationell ins Amt des Oberbürgermeister trug, hatte auch in der mangelnden Grünpflege ihre Wurzeln.

Für den bescheidenen Pflegestandard gab es Gründe. Seinerzeit hatte die Bundesregierung ihre Politik zur Beschäftigungsförderung geändert; Grün und Gruga brachen jene Arbeitskräfte weg, die über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert wurden. Der Eigenbetrieb vergab fortan mehr Aufträge an private Garten- und Landschaftsbauunternehmen.

Vier Millionen Euro bis 2013 einsparen

Dies lasse sich heute nicht wiederholen. Im Gegenteil: Die Politik hat auch Grün und Gruga zum Sparen verdonnert. Aufaddiert bis zum Jahr 2013 soll die Grünpflege vier Millionen Euro einsparen. Die Konsequenzen führte Schmidt-Knop jüngst dem zuständigen Fachausschuss des Stadtrates mit drastischen Bildern vor Augen. Die Entscheidungsträger nahmen es betroffen zur Kenntnis. Spielraum für Korrekturen bleibt ihnen kaum, sind die Einsparungen doch nur ein Baustein im Sparkonzept des Kämmerers.

Weil 80 Prozent der Aufwendungen bei Grün und Gruga unter der Kategorie Pflichtaufgabe fallen, ist die Zahl der Stellschrauben, an denen die Werkleitung drehen kann, überschaubar. Beispiele: Die Baumpflege an Straßen ist eine Pflichtaufgabe, da sie der Verkehrssicherheit dient. Der Bewuchs am Boden, „unterer Meter“ genannt, zählt nicht dazu. Im kommenden Jahr gibt es dafür noch Geld, dann laufen die Verträge mit Privatfirmen aus. Soll heißen: Nach 2011 werden nur noch Äste zurückgeschnitten oder - wenn nötig - Bäume gefällt.

Das Unterhalten von Aussichtsplätzen, Wetterschutzhäuschen oder Laufstrecken in den Wäldern zählt ebenfalls nicht zu den Pflichtaufgaben. Infrastruktur, die allein der Erholung dient, soll deshalb aufgegeben werden. Waldwege sollen nur noch so hergerichtet werden, dass sie schwere Forstmaschinen tragen können; ein grober Untergrund genügt. Darunter leiden dürften Jogger und Spaziergänger.

Auch bei der klassischen Waldwirtschaft, einer Pflichtaufgabe, sägt Grün und Gruga an den Kosten und sieht sich deshalb zukünftig häufiger zu Kahlschlägen gezwungen.

Niedrigere Standards

Jeden zehnten Spielplatz will der Betrieb aufgeben und den Pflegestandard in der Grünpflege insgesamt senken. Das gilt für repräsentative Stadtparks wie für weniger prächtige Grünanlagen. Die Bezirksvertretungen sollen mitreden. In den kommenden Wochen kommt es dort zum Schwur. Es wird anders. Besser wird es nicht.

Marcus Schymiczek

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Kommentare
17.11.2010
10:40
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Thomas Hübscher | #12

Erschreckenderweise, musste ich aus dem Bericht entnehmen, dass die Stadt Essen von ihrem mit großem Aufwand erstelltem Waldbewirtschaftungskonzept, dem Erholungsdauerwald, Abstand nehmen will und wieder Kahlschläge im Wald durchführen will.
Folgendes, sollte an dieser Stelle den verantwortlichen Politikern und Verwaltungsbeamten der Kämmerei klar werden, wer nach fast 200 Jahren nachhaltig schlechter Erfahrungen mit Kahlschlägen (auch in dieser Stadt) glaubt, er könne damit kurzfristiges Geld für seine Haushaltssanierung einsparen, ist schlicht auf dem Holzweg, und das dann auch wohlmöglich ohne genügend Holz (im Wald).
Von dem hervorragende Konzept des Erholungsdauerwaldes (Kahlschlags freie Wirtschaft), das die Mitarbeiter der Essener Forstverwaltung zusammen mit den Bürgern unter Begleitung von Prof. Dubbel in den vergangenen Jahren erarbeitet haben, darf auf keinen Fall abgewichen werden.
Ein wieder zurück zum Kahlschlag verfehlt den Sinn und Zweck von Waldwirtschaft in einem Ballungsraum. Kämmerer, und Politik, sollten in der Frage um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, in erster Linie auf das hervorragend qualifizierte forstliche Fachpersonal dieser Stadt vertrauen. Waldwirtschaft muss, das liegt in der Natur der Sache, langfristig betrieben werden und nicht alle 20 oder gar 5 Jahre neu ausgerichtet werden. Nachhaltige Waldwirtschaft heißt auf allen drei Feldern nachhaltig wirtschaften. Die wichtigen ökologischen und sozialen Funktionen (Raum zur Erholung, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Staubfilter und Wasserspeicher), des Waldes dürfen auf keinem Fall einem kurzfristigem Sparziel geopfert werden.
Wie uns die Pflasterung am Hauptbahnhof zeigt, verursacht auch eine zubetonierte und versiegelte Stadt Kosten, die pro Quadratmeter und Jahr deutlich über dem liegen dürften was ein Erholungsdauerwald kostet, der zu dem auch noch schöner anzusehen ist, als das verschmutzet Pflaster am Hauptbahnhof.
Investitionen in die Grünflächen und insbesondere in die Wälder unserer Stadt sind auch weiterhin notwendig um die Abwanderung der Bevölkerung ins Umland zu stoppen. Denn jeder Bürger der bleibt oder kommt, bringt der Stadt Einnahmen. Investitionen in den Wald unserer Stadt sind Investitionen in die Zukunft unserer Stadt, die Geduld brauchen, diese Geduld fehlt der Politik und Verwaltung zur Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl. Forstwirt Thomas Hübscher
Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Essen
Mitglied im Beirat bei der Unteren Landschaftsbehörde Essen

11.11.2010
23:29
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von ruhrnatur | #11

Zitat aus dem obigen Artikel: Auch bei der klassischen Waldwirtschaft, einer Pflichtaufgabe, sägt Grün und Gruga an den Kosten und sieht sich deshalb zukünftig häufiger zu Kahlschlägen gezwungen. Diese Äußerung von GGE steht im kompletten Widerspruch zum erst kürzlich mit großem Aufwand erstellten Dauerwaldkonzept, das für die Pflege in Städt. Wäldern gelten soll! http://www.essen.de/Deutsch/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Waldpflege.asp Ist das jetzt alles Schnee von gestern?

11.11.2010
21:37
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Rike57 | #10

...mein Mann, sollte es natürlich heißen!

11.11.2010
21:36
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Rike57 | #9

Also, ein Mann und ich, haben schon Anfang der 90ger Jahre ein Stück Wiese hinter unserem Haus, in Patenschaft zur Pflege übernommen.
Auch damals, lagen Wiesen, die nicht von den Straßen einsehbar waren, brach.Auf unsere Anfrage bei Grün und Gruga, warum diese Wiese nicht regelmäßig gemäht würde, hieß es, dieses sei eine Ökowiese, die müsste nur höchstens 2x im Jahr gemäht werden.Da wir damals 3 kleine Kinder hatten, haben wir die Patenschaft übernommen.Früher hatten wir für unsere Kinder einen Sandkasten und Schaukeln dort.Jetzt nutzen wir das Stück im Sommer als Garten, in dem wir unsere Freizeit mit Federball, lesen, Grillen und chillen verbringen.Das wäre schon mal eine Anregung für so manchen, der gerne einen Garten hätte.

@1 von NIchtWahrOder , in den 90ger Jahren, war angeblich auch kein Geld für Grünanlagen und Kinderspielplätze da, eigentlich war noch nie dafür Geld vorhanden.
Das hat jetzt nichts mit der Kulturhauptstadt 2010, oder mit dem Stadionneubau, oder mit Theater o., Museen zu tun!!!

11.11.2010
19:44
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Altenessener | #8

Die sinnlosesten Einschnitte bei Grün&Gruga fand ich ja, als im Juni oder Juli im nördlichen Teil des Kaiser-Wilhelm-Parks über die Hälfte der - völlig intakten - Bänke und Mülleimer (!!) ersatzlos demontiert wurden.
Wie viele Artikel waren im Sommer allein hier auf DerWesten über Müllberge in Parks? Da war von verstärkter Ordnungsamtpräsenz und was weiß ich die Rede - und dann kommen rund um die große Wiese nahe des Gymnasiums ein Großteil der Papierkörbe weg. Ist es billiger, noch mehr Müll auf den Wiesen aufzuheben als aus den Mülleimern?!?
Dass gespart werden muss ist ja bekannt, aber das WIE ist immer eine Diskussion wert...

11.11.2010
17:22
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von ks | #7

will der Autor uns mit der oberen Bildreihe das Ableben eines konkreten Spielplatzes unterjubeln? Bei der gezeigten Anlage handelt es sich um den (übrigens in den letzten 2 Jahren erneuerten) Spielplatz Virchowstr./Schönleinstr (Haumannwiesen). Der Spielplatz erfreut sich bester Gesundheit, auch dank der ehrenamtlich tätigen Spielplatzpaten. Zumindestens das 3. Foto in der Reihe hat mit der Anlage nichts zu tun.
Also was soll diese Manipulation?
Es mag die genannten Fälle geben, dann sollte sich der Herr Autor aber doch bitte auch wenigstens ein bischen journalistische Mühe machen und einen konkreten Fall seriös recherchieren anstatt den Lesern eine am Bürotisch konstruierte Montage unterzujubeln.
Diese Art der Berichterstattung bekomme ich auch umsonst in den lokalen Käseblättern Südanzeiger & Co.

11.11.2010
16:35
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Pixie | #6

@borbecker:

das kann Essen nun mal nicht selber veranlassen. Das ist Bundessache.

Und jetzt mal bitte Butter bei die Fische, wie der Essener Rat aus der Nummer Grün & Gruga rauskommen kann.
Übrigens könnten die anderen Fachbereiche (Soziales, Kultur...) ähnliche Bilder vorweisen...

11.11.2010
15:27
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von BorbeckerBefreiungsFront | #5

Zu #4
Abschaffung der Priviligierung der Hoteliers
Erhöhung des Spitzensteuersätze
Einführen der Vermögenssteuer
Solidarpakt 2 auch für westdeutsche Städte
uvm,
ist alles in der politischen Diskussion. Aber die, die es durchsetzen wollen, schaffen es nicht.
Ich bin nicht für den schlanken Staat, sondern für einen Staat der seinen Aufgaben (Sicherheit, Ordnung, Bildung uvm) nachkommt.
Und von dem Geld, was wir der HRE gegeben haben, könnten wir doch ein paar Blümchen in Essen pflanzen.

11.11.2010
14:06
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von Wochenend-Essener | #4

Jeder, der jetzt diesem Konzept zustimmt, trägt die Verantwortung dafür, dass die Stadt Essen weiter den Bach runtergeht.

Und wer dagegen ist, nimmt das Geld woher? Wo bleiben denn die Vorschläge der Stänkerer, sparen will niemand, aber Geld herbeizaubern hat bis jetzt auch noch keiner geschafft. Ja wat denn.

11.11.2010
12:19
Sparkurs zwingt Grün & Gruga zu Einschnitten
von BorbeckerBefreiungsFront | #3

Jetzt kann man sich ja rausreden mit Sparzwängen und das ist halt so. Aber egal ob SPD (Schröder) oder CDU (Merkel) regierten (die Grünen und FDP fanden das auch immer toll und haben nichts dagegegen getan), den Städten geht es finanziell schlecht.
Jeder, der jetzt diesem Konzept zustimmt, trägt die Verantwortung dafür, dass die Stadt Essen weiter den Bach runtergeht.
Wie sich eine Stadt darstellt, sind nicht nur die Großprojekte. Gaffities, ungepflegte Parks, Dreck gehören auch zum Eindruck.
Welche Art von Bürger sollen eigentlich eine solche Politik akzeptieren?
Bitte um Vorschläge, wen ich demnächst wählen soll.

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