Sparkasse will keine Löcher im Netz

Früher haben einem hier Kundenberater finanziell auf die Sprünge geholfen, heute spricht allenfalls noch der Automat: Die Sparkassen-Filiale an der Rellinghauser Straße, gleich neben dem Bahnhof Süd, ist seit Ende Januar dicht. Schade für die Kundschaft in der Nachbarschaft, aber nur ein Einzelfall, versichert man in der Zentrale am III. Hagen: Das Netz, so heißt es, bleibt eng geknüpft.

Das ist in Zeiten wie diesen nicht unbedingt selbstverständlich, wie ein Blick nach Duisburg zeigt: Dort will man binnen sieben Jahren die Hälfte der Filialen aufgeben.

Auf Essen übertragen hieße das: Von derzeit noch 51 Geschäftsstellen der Sparkasse Essen müssten 25 dran glauben. Ein Kahlschlag, von dem das Kreditinstitut erklärtermaßen nichts wissen will. Was nicht bedeutet, dass das Netz gänzlich unangetastet bleibt. Das zeigt das Beispiel vom Bahnhof Süd, das zeigt aber auch ein Blick nach Frintrop, wo eine neue moderne Geschäftsstelle zwei alte ersetzt hat.

Ähnlich behutsam könnte es auch andernorts laufen, obwohl es feste Pläne nicht gibt. Man will, sagt Vorstandschef Hans Martz, auch künftig mit Kundennähe und dem „mit Abstand dichtesten Filialnetz in Essen“ punkten: „Wir behalten die Entwicklung aber im Auge und werden uns, wie in der Vergangenheit, primär am Nutzungsverhalten und den Kundenbedürfnissen orientieren.“

Die Kundschaft aber spart sich immer öfter den Gang in die Filiale und erledigt ihre Bankgeschäfte zunehmend am PC. So zählte die Sparkasse Essen vergangenes Jahr rund 133.000 Kunden, die das Online-Banking nutzen – zehn Jahre zuvor, 2004, waren es nur 58.000.

Das Filialnetz ist seither um acht auf nunmehr 51 Geschäftsstellen gestutzt worden, daneben gibt es noch 34 Selbstbedienungs-Standorte mit Automaten-Service.

Dass diese Service-Qualität bezahlt sein will, liegt auf der Hand, doch genau das fällt der Branche immer schwerer. Die Zinsspanne schrumpft, die Rentabilität sinkt. Binnen zehn Jahren sank etwa der Zinsüberschuss der Sparkasse Essen von 158 Millionen (2004) auf 134 Millionen Euro (2014). Der Provisionsüberschuss immerhin stieg im gleichen Zeitraum: von 36 Millionen (2004) auf 46 Millionen Euro (2014). Unterm Strich aber rutschte der Gewinn der Sparkasse von 22,9 Millionen Euro im Jahre 2004 um gut ein Drittel auf 14,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr ab – zumindest nach den vorläufigen Zahlen.

Dass es in diesem Jahr sehr viel besser läuft, ist nicht anzunehmen. Doch ausgerechnet jetzt hält auch noch die Stadt die Hand auf: Drei Millionen Euro aus dem Sparkassen-Gewinn sollen in die schwindsüchtige Stadtkasse fließen, so hat es der Rat im Etat einkalkuliert.

Woher nehmen? Unter anderem von den stadtweit 200.000 Privatkunden: Die zahlen ab 1. Juli bei vier von sechs Konten-Modellen zwischen 50 Cent und zwei Euro mehr pro Monat, Schüler und Studenten bleiben weiter verschont. „Das ist maßvoll“, heißt es. Daneben wird im Haus gespart, aber größere Maschen im Netz? Nein.

Die Sparkasse weiß: Je weiter die Maschen, desto mehr Fische flutschen durch.