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Sozialkompetenz wird immer wichtiger

30.07.2010 | 07:03 Uhr
Sozialkompetenz wird immer wichtiger

Essen.Schon vor dem Start ins Berufsleben pauken viele Essener Lehrlinge Umgangsformen und Teamfähigkeit. Damit sie nächste Woche einen optimalen Start am Arbeitsplatz haben.

Eigentlich könnte Katharina Möller heute am Strand liegen, Sehenswürdigkeiten erkunden oder in den Bergen wandern. Ihre duale Ausbildung als Bürokauffrau an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) Essen, die die 19-Jährige Abiturientin mit einem BWL-Studium koppelt, startet erst am kommenden Montag. Wenn Katharina Möller also wollte, könnte sie sich in den letzten Tagen vor dem Berufseinstieg dem Müßiggang hingeben.

Stattdessen sitzt die Mülheimerin mit 22 anderen Teilnehmern im Seminarraum. Sie alle sind von ihren zukünftigen Arbeitgebern geschickt worden, um „Fit für die Ausbildung“ zu werden, wie der Titel des dreitägigen Kurses verheißt.

Vorne steht Trainerin Inke Greve und sammelt die Gedanken der jungen Leute zum Stichwort „Teamfähigkeit“. Die Liste ist lang: Höflichkeit steht da zum Beispiel, Verlässlichkeit oder Kompromissfähigkeit. Eine junge Frau zeigt auf: „Wer teamfähig sein will, muss auch seine eigenen Stärken und Schwächen kennen.“ Allgemeines Nicken in den Reihen. Inke Greve sagt „Bingo“, wie immer, wenn sie eine Antwort gut findet. Dann schreibt sie mit ihrem Filzstift die etwas sperrige Formulierung „Bewusstheit der eigenen Ressourcen“ auf die Folie.

Ausbildungsbetriebe sind fordernder geworden

Teamfähigkeit – das ist eine der klassischen Sozialkompetenzen. Und auf diese, neudeutsch „soft skills“ genannten Fähigkeiten kommt es heutzutage an auf dem Ausbildungsmarkt. Deswegen ist der Sozialkompetenz dieser zweite Kurstag gewidmet, an dem neben der Kommunikation im Team auch die Konfliktfähigkeit auf dem Programm steht.

Inke Greve ist schon lange im Geschäft als Trainerin. Sie kann also auf viel Erfahrung zurückblicken, wenn sie sagt: „Früher standen in den Ausbildungsbetrieben noch die fachlichen Fähigkeiten im Vordergrund. Soziale Kompetenzen und Umgangsformen wurden einfach vorausgesetzt. Doch das hat sich in den letzten Jahren massiv verändert.“

Woran das liegt? „Einerseits sind die Ausbildungsbetriebe sicherlich fordernder geworden und haben höhere Ansprüche an ihre Auszubildenden. Andererseits haben viele Schulabgänger heute aber wirkliche Mängel, was Sozialkompetenzen und Umgangsformen angeht.“

Genug der Theorie – jetzt ist Praxis angesagt. Kundenorientiertes Kommunikationsverhalten sollen die Teilnehmer lernen, denn viele von ihnen zieht es in den kaufmännischen Bereich.

Wie trifft man am Telefon den richtigen Ton?

Inke Greve teilt den Kurs in zwei Gruppen: Die eine wartet vor der Tür, während die Trainerin, eine studierte Psychologin, der anderen erklärt, worum es geht. „Wenn Leute sich in einem Gespräch wohl fühlen, nehmen sie unterbewusst automatisch die Haltung ihres Gegenübers an.“

Deswegen sollen die Eingeweihten ihren Partner in ein Gespräch verwickeln. Wobei es nicht auf den Inhalt ankommt. Sondern darauf, unauffällig Mimik und Gestik des Gegenübers zu imitieren, „ohne den Anderen nachzuäffen.“

Also sitzen sich die Paare gegenüber: Schlägt der eine die Beine übereinander, tut es ihm der andere gleich. Kratzt sich der eine am Kopf, bekommt auch der andere Juckreiz. Das sieht lustig aus – aber es wirkt. „Habt ihr euch wohl gefühlt“, fragt Inka Greve nach der Übung. Alle nicken. „Und was war die Aufgabe eurer Gespächspartner?“ „Uns in einen Smalltalk zu verwickeln“, antwortet ein Teilnehmer. Als sie den wahren Hintergrund des Rollenspiels erfahren, staunen alle. Denn keiner hat es bemerkt.

„Die Schule hat mich ganz gut aufs Berufsleben vorbereitet. Manche Dinge, die ich hier lerne sind also nur eine Vertiefung für mich.“ Wie man am Telefon den richtigen Ton trifft zum Beispiel. Oder wie man’s mit dem Siezen oder Duzen der Kollegen hält. Andere hingegen sind ihr völlig neu. Deswegen ist sie froh, dass sie ja gesagt hat, als das FOM ihr den Workshop angeboten hat. „Denn das Seminar gibt mir viele Dinge mit auf den Weg, die mir den Berufseinstieg erleichtern werden.“ Was sind dagegen schon ein paar Tage Strand, Sightseeing oder Bergwandern.

Matthias Wenten

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Kommentare
30.07.2010
17:42
Sozialkompetenz wird immer wichtiger
von Forstmann12 | #2

@sozi komp: Und Powerpoint! Das ist ganz besonders wichtig für BWLer....und umso mehr an der FOM, schließlich erwirbt man dort einen Hochschulabschluß.... wohlgemerkt.

30.07.2010
11:42
Sozialkompetenz wird immer wichtiger
von sozi kompi | #1

Heutzutage braucht keiner mehr was lernen, wissen oder können. Hauptsache Sozialkompetenz!

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