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Songs ohne Alterserscheinung

18.01.2013 | 00:11 Uhr
Songs ohne Alterserscheinung

Wen das Elend ins Ruhrgebiet geführt hat, der investiert anfangs vielleicht nicht allzu viel Zuneigung in diesen Landstrich. Mit einer Verpflichtung für „ Les Misérables“ im Duisburger Musicaltheater hat vor 15 Jahren auch für Inez Timmer die Begegnung mit dem Revier begonnen. Der spielfreie Montag war meist für einen Besuch in Essen reserviert. „Dann ging’s mit der ganzen Truppe nach Ikea“, erzählt Inez Timmer.

Roger Cicero war ihr Mitschüler

Trotz dieser Bindung an Billy & Co. – ein Leben im Ruhrgebiet hat sich die gebürtige Niederländerin damals nicht vorstellen können. Bis, wie so oft, die Liebe dazwischen kam. Seit über zehn Jahren wohnt die Musical-Darstellerin inzwischen in Essen. Und sucht immer wieder neue Spielorte, an denen sie ihre Kunst in Szene setzen kann. Das Rathaus-Theater beispielsweise, wo Timmer und Begleiterin Patti Martin am kommenden Sonntag mit „Patina“ auftreten. Lieber Patina als Botox, huldigen die Damen dieser durch Alterung entstandenen Verwitterungsschicht. Aber das Programm ist alles andere als eine Ansammlung von Klimakterium-Kalauern und Schwätzchen über Schweißschübe, sondern feiert die ewige Frische eines Genres, dem Timmer mit Witz, Schmiss und ausgebildeter Stimme huldigt: dem Musical, mal charmant verjuxt, mal innigst verjazzt, und immer schön in Swing gehalten.

Die Liebe zur Musik ist noch viel älter als die zum Ruhrgebiet, und doch hat sich die heute 57-Jährige viel Zeit genommen, bis zum Wechsel auf die Bühne. Elf Jahre hat sie zunächst einmal selbst unterrichtet, als Lehrerin für Englisch und Niederländisch, bis sie mit 32 das Pult doch noch mal gegen die Schulbank getauscht hat und ans Konservatorium in Hilversum wechselte. Mit Roger Cicero hat sie damals ein Duett für die Abschlussprüfung einstudiert. Der Jazz-Ausbildung folgte das erste Musical-Engagement bei „Cyrano“ unter der Ägide von Joop van den Ende.

Musical-Großproduktionen hat sie seither viele gemacht vom „Phantom der Oper“ bis „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg. Auch die erfolgreiche Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“, mit der sie im Rathaus-Theater auftritt, ist ein Dauerbrenner. Doch mindestens so lieb sind der Sängerin ihre kleinen Lieder-Abende. Mit Porter-Songs und Jazz-Standards, mit „Hello Dolly“ und dem „Bond“-Best-of. Mit eigenen und erfundenen Geschichten und schönen Schnurren aus dem Alltag einer Musical-Darstellerin, die schon mal Lehrerin war, bevor sie selber wieder in den Unterricht ging. „Was nicht immer ganz einfach war“, erzählt Timmer, „ich war ja oft so alt wie meine Lehrer und guck schon mal kritisch.“ Gelernt hat sie dabei vor allem eines – dass man seine besten Lebensentscheidungen oft nicht von langer Hand planen kann.

Martina Schürmann



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