Wirtschaft
Solarien wehren sich gegen „Bräunungssteuer“
10.09.2010 | 06:47 Uhr 2010-09-10T06:47:00+0200
Essen.Als erste Stadt in Deutschland plant Essen, eine Vergnügungssteuer für gewerbliche Solarien einzuführen. Die Idee stammt aus den USA, wo die „Bräunungssteuer“ Mitte 2010 eingeführt wurde. Die Betreiber in Essen laufen Sturm.
Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen gibt es immer einen, der den Anfang machen muss. Und der saß in diesem Fall jenseits des großen Teiches: Dort, in den USA, reifte vor einem Jahr der Plan, kosmetische Schönheitsoperationen zu besteuern, aber dann, der Himmel weiß warum, überlegte es sich die Regierung doch noch anders – und führte zur Jahresmitte 2010 ersatzweise eine zehnprozentige Bräunungssteuer („Tanning Tax“) ein. Die hiesige Solarien-Branche schüttelte den Kopf und versuchte es mit ein wenig Spott: „So etwas kann in Deutschland nicht passieren!“, hieß es in den Solarien-News. „Oder?“
Und ob: Als erste Stadt in Deutschland schickt sich dieser Tage die Stadt Essen an, eine Vergnügungssteuer für gewerblich genutzte Solarien einzuführen. 20 Euro pro Monat und Sonnenbank soll der Steuersatz betragen – zu entrichten von klassischen Sonnenstudios genauso wie etwa von Fitnessclubs, die derlei Gerätschaften „zur Bestrahlung des Körpers mit UV-Licht“ neben anderen Aktivitäten anbieten.
Volksgesundheit im Blick
Die Stadt verspricht sich von der neuen Steuer jährliche Einnahmen in einer Höhe von rund 150.000 Euro – und dazu eine gewisse Eindämmung des Sonnenstudio-Markts zwischen Karnap und Kettwig „aus Gründen der Volksgesundheit“.
Formulierungen wie diese entlocken Leopold Bergmann nur tiefe Seufzer: Er verantwortet die Internetseite des Photomed Bundesfachverbands Solarien und Besonnung e.V. , dem etwa ein Viertel der rund 50 Essener Sonnenstudios angeschlossen sind. Und Bergmann weiß nur zu gut, dass die sonnigsten Tage der Solarien-Branche längst vorbei sind: Binnen acht, neun Jahren hätte sich die Zahl der bundesweit bis zu 9000 Sonnenstudios auf jetzt noch etwa 4200 mehr als halbiert.
Gründe? Ein gnadenloser (Preis-)Wettbewerb auf einem mit Sonnenbänken überversorgten Markt und die „einseitige und militante Anti-Solarien-Stimmung der Hautarzt-Verbände“, wie Bergmann es nennt. Das Geschäft für ein Produkt oder eine Dienstleistung läuft eben nicht sonderlich prickelnd, wenn alle Welt es mit Krebsgefahr und Hautalterung in Verbindung bringt.
So ging die Statistik anno 2002 noch von durchschnittlich zwei bis drei Sonnenbank-Besuchen pro Einwohner aus, für Essen wären das 1,1 bis 1,7 Millionen Besuche. Die Zahl dürfte sich eher verringert haben, viele Studios krebsen am Existenzminimum, glaubt Branchen-Experte Bergmann: „Die meisten Studios sind eben Kleinstbetriebe mit sieben, acht Bänken, die Kapitalausstattung ist oft minimal.“
20 Euro pro Monat und Bank? „Das wäre womöglich für viele Studios der letzte Schubser über die Klippe, ich kann mir nicht vorstellen, dass das in dieser Größenordnung kommt.“ Und das nicht nur, weil es für die Stadt derzeit offenbar keine Handhabe gibt, einen Solariums-Besuch samt offizieller Sonnenbank-Zählung zu erzwingen. Es geht auch um die Frage, ob die Steuer eine „erdrosselnde Wirkung“ haben könnte, das wäre nämlich rechtlich nicht zulässig.
Die Stadt winkt schon im Vorfeld ab: Bei geschätzt rund 328 Betriebsstunden im Monat ergebe sich eine Steuerlast von sechs Cent je Gerät und Betriebsstunde, dies „stünde einem wirtschaftlichen Betrieb nicht entgegen“, heißt es. Branchen-Fachmann Bergmann widerspricht und kündigt schon jetzt Widerstand an: „Eine Klage ist durchaus möglich.“
Land muss Steuer-Premiere absegnen
Wenn die Branche schon über rechtliche Bedenken gegen die Solariensteuer fabuliert – handelt es sich bei den 150.000 Euro von der Sonnenbank also nur um Scheingewinne? Die Antwort auf diese Frage steht noch einige Zeit aus, denn zunächst muss der Rat am 22. September die Einführung der im Grundsatz bereits abgesegneten Sonnenbank-Steuer beschließen. Danach müssten – da die Steuer noch nirgends erhoben wird – sowohl das Innen- wie auch das Finanzministerium NRW die Steuer genehmigen. Dass die Chancen dafür so schlecht nicht stehen, zeigt eine andere gestern veröffentlichte Entscheidung: Danach geben die beiden besagten Ministerien grünes Licht für die so genannte „Übernachtungssteuer“, bei der die Stadt Köln im März Vorreiter spielte.
In Essen wurde diese Bettensteuer ursprünglich auch diskutiert, zumal die auf Bundesebene beschlossenen Steuererleichterungen für Hotels manche politischen Bedenken hinwegfegte. Die Ratsmehrheit von CDU, Grünen, FDP und Bürger Bündnis verzichtete am Ende jedoch auf die Einführung, weil man dies im Kulturhauptstadtjahr als falsches Signal empfunden hätte. Für 2012 ist eine Wiedervorlage geplant.

14:24
Macht doch alle den Laden zu. Dann haben die blinden Verordneten das Gegenteil erreicht. Gibt es nur noch mangelhafte Verordneten-Köpfe??? Wann wird die Verordneten-Zusatzabgabe eingeführt? Das Volk wäre mit großer Mehrheit dafür.
23:03
Hat schon einmal jemand davon gehört, dass sonnenbaden im Herbst oder Winter sogar gesund ist und gegen Depressionen schützt? Vielleicht bekommen die Sonnenbankbetreiber in diesen Jahreszeiten ja die monatlich 20 € von der Krankenkassen erstattet.
07:19
Hallo,
wenn ich die Kommentare hier lese zu Thema Sonnenstudio kann ich nur den Kopf schuetteln!
Manno, soviel Unwissenheit auf einem Haufen!
09:28
Das einzig richtige wäre eine Melanom - Steuer für Solarien die den Krankenkassen zur Behandlung Hautkrebserkrankter zugeführt wird.
09:28
Hab ich da was verpasst!?
Ist den schon wieder 1. April!?
Wenn ich mir diese lächerliche Summe von 150.000€ betrachte kommt mir doch glatt der Gedanke, daß etwa 3 Migranten-Familien diese Summe locker für sich im Jahr beanspruchen.
Glück auf
23:36
@ 7
Trotzdem werden durch diese steuer jobs der unterschicht verbrannt. man kann ja auflagen einführen. damit die geräte richtig eingestellt sind. und personal kann man ausbilden!!!!
20:03
Nachdem die Bettensteuer ein bundesweiter Brüller war, ist man in den Chefetagen auf die Idee gekommen, dieses nochzu toppen.
Die Bräunungssteuer!
Die eigentliche Besteuerung der Betten und Bräuner ist gar nicht das Ziel dieser Maßnahmen!
Zielsetzung ist es, den Bund (also den Steuerzahler) zur Kasse zu bitten.
Denn, lacht die Republik wieder, wird die Stadt bundesweite Vergnügungssteuer einfordern.
#31, die Toilettensteuer ist ein guter Einfall. Wird bestimmt nicht ungehört bleiben. Körperausscheidungen werden nach Gewicht, bzw. nach Volumen besteuert.
Das treibt die Vergnügungssteuer wiederum in ungeahnte Höhen.
19:34
Schlimmer gehts nimmer! Was faellt den Politikern sonst noch ein. Toilettensteuer? Es reicht!!
19:20
Das Niveau mancher Beiträge ist unterirdisch. es geht doch nicht um die Frage, ob man Sonnenstudios mag oder nicht. Es geht auch nicht um die Frage ob HartzIV-Bezieher ein Recht auf Sonnenbräune haben.
Es geht darum, dass die Stadtverwaltung nach neuen Geldquellen sucht und hierbei nicht davor zurückschreckt eine Branche ins Visier zu nehmen, die keine große Lobby hat. Die Hotelbesitzer waren besser in CDU und FDP organisiert. Das ganze Projekt noch mit dem Hinweis auf die Volksgesundheit als Präventionsmassnahme zu verkaufen ist einfach eine Frechheit. Der Endverbraucher wird die Steuer nicht bemerken, weil der Wettbewerb es nicht zulässt, dass derartige Belastungen auf den Kunden abgewälzt werden. Allenfalls gehen einige Betriebe pleite. Deren zerstörte Existenz ist dann der Erfolg gegen die Sonnensucht. Darüber hinaus zieren leere Ladenlokale eine Stadt ungemein. Zur Kontrolle und zur Bearbeitung benötigt die Stadt 4 Mitarbeiter (Innen- und Aussendienst). Der OB wird ja wohl nicht selber kontrollieren wollen. 4 x 2000,00 Euro x12 Monate= 96.000,00 Euro.
Diese Rechnung zeigt worum es geht. Nicht um Mehreinnahmen oder Sparen, sondern um die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Verwaltung. Die reale Mehreinnahme in Höhe von circa 50.000,00 Euro p.a. führt dazu, dass in 10 Jahren der Verlust, den der neue Rathauseingang verursacht hat, ausgeglichen wird.
Wenn der OB und seine Mitarbeiter weniger Fehler machen würden und die Anzahl von städtischen Mitarbeiter gesenkt würde, dann wäre der Haushalt auch nicht in einem erbärmlichen Zustand.
Wir zahlen keine Steuern, wir finanzieren das Missmanagement der Verwaltung. Leider sind die Ratsmitglieder nicht in der Lage zu rechnen. Sie würden sonst erkennen, was tatsächlich in dieser Stadt los ist. Dafür gibt es aber Sitzungsgeld. Gute Arbeit muss natürliche entlohnt werden.
19:13
Die Steuern sind richtig!
Wie auch die Bettensteuer!
Da ich mich nicht braten lasse und auch keinen Hotelurlaub mehr mache, stört es mich nicht!
Die Flugabgabe sollte auch erhöht werden, da ich nicht fliege!
Mich stört eine höhere Tabaksteuer!!!
Mit diesem Tenor habe ich mal versucht mich dem allgemeinen Treend anzuschließen, immer nur die anderen zu schröpfen, nur nicht mich!