Sogar der Eiserne Gustav machte hier Pause

Freisenbruch..  Wer sich auf die Suche nach den Wurzeln der Gaststätte Haus Springob macht, der muss tief graben. Immerhin existiert das Gasthaus an der Bochumer Landstraße in Freisenbruch schon seit 150 Jahren und zählt damit zu den traditionsreichsten Gastronomien in Essen überhaupt. Ob Haus Springob gar die älteste, noch existierende Wirtschaft der Stadt ist, darüber kann auch ihr aktueller Wirt, Holger Rzimski, nur Vermutungen anstellen: „Unmöglich ist das nicht.“

Zumal an gleicher Stelle wohl schon deutlich früher kühle Getränke serviert wurden. Dies erfuhr Wilhelm Hagmeyer, der für Wirt Rzimski eine Jubiläumszeitung inklusive Chronik schrieb, bei einem Besuch im Essener Katasteramt. „Bereits 1821 wird dort ein Haus erwähnt, dass wohl auch einen Schankraum hatte.“ Schließlich galt die Kreuzung des „Hellwegs“ und der Bochumer Straße, wie sie früher hieß, schon immer als „verkehrsreiche Ecke“.

Fakt ist, dass Heinrich Springob das Grundstück im Jahr 1860 von einem gewissen Ökonomie-Rat Schäper aus Kray-Leithe erwarb, um dort fünf Jahre später ein Haus samt Gaststätte zu bauen und auch selbst zu bewirtschaften. Als Heinrich 1905 verstarb, heiratete seine Ehefrau Agnes den Bergmann Möller: was dem Gasthaus schnell den Spitznamen „Kumpel Möller“ einbrachte, da dort fortan viele Bergleute verkehrten und logierten. Heute trägt der neu gestaltete Biergarten des Hauses diesen Namen.

Im Jahre 1919 übernahmen der Wattenscheider Friedrich Springob und seine Frau Clara den Tresen. Doch das Wirtshausglück währte nicht lange: Als Friedrich 1924 verstarb, war sein Sohn Felix elf Jahre alt. So musste Mutter Clara den Betrieb alleine stemmen.

Dem Geschäft tat dies keinen Abbruch. Als der „Eiserne Gustav“, Deutschlands ältester Droschkenkutscher, am 1. April 1928 von Berlin aus durch Deutschland nach Paris fuhr, legte er im Haus Springob einen Zwischenstopp ein. Der Futtertrog seines Pferdes „Grasmus“ befindet sich noch heute im Besitz der Familie Springob/Renzel.

Die Gaststätte war beliebt. Auch beim Gänsereiter-Club Freisenbruch, der das Haus Springob heute wieder als Stammhaus nutzt. Mit dem frühen Ende Friedrichs gingen die Karnevalisten in ihrer typischen Art und Weise um: Eine Anzeige in der Gänsereiter-Zeitung kündigt 1928 eine närrische Feier im Restaurant „Zur abgebrannten und wiederaufgebauten Witwe“ an. In der Tat war die Gaststätte zwischen den Jahren 1927 und 1928 zur Hälfte abgebrannt. Im „Neubau“ befindet sich heute ein Kosmetikstudio.

Mit Friedrichs Sohn Felix Springob - im Hotel Kaiserhof in Wuppertal als Page und Kellner ausgebildet - und Gattin Paula übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die nächste Generation. Nach einem achtjährigen Intermezzo - es servierten die Eheleute Fegbeitel - übernahmen ab Januar 1967 wieder die Springobs das Regiment. Das Geschäft lief gut, dank der neuen Bundeskegelbahn und der größeren Küche. Der Männergesangverein „Haferfeld“ und die Freisenbrucher Pohlbürger zählten zu den Gästen.

Im April 1975 trat Felix in den Ruhestand und verpachtete das Haus für zehn Jahre an die Eheleute Rohmert. Aber dann kam wieder die Familientradition zu ihrem Recht: Walter Renzel und Ehefrau Margret, eine geborene Springob, übernahmen ab 1985. Seit Januar 2008 haben Angela und Horst Rzimski die Gaststätte gepachtet - und wollen die Tradition weiterführen.